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Abbruch oder Aufbruch in die Zukunft? Das ist der Stand beim Gebäude am Neumarkt 24

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Von: Anken Bohnhorst

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Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude Neumarkt 24 ist stark sanierungsbedürftig.
Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude Neumarkt 24 ist stark sanierungsbedürftig. © Bohnhorst, Anken

Das Quartier in Hadamar bei Limburg soll aufgewertet werden. Dafür hat die Stadt das Gebäude am Neumarkt 24 gekauft – doch das Vorgehen stößt auf harsche Kritik.

Hadamar – Vor knapp drei Monaten hat die Stadtverordnetenversammlung in Hadamar bei Limburg beschlossen, das Vorkaufsrecht für Haus Nummer 24 am Neumarkt auszuüben. Der Kaufpreis beläuft sich auf 50.000 Euro; dazu kommen 5000 Euro Nebenkosten und ein Betrag in unbekannter Höhe für die Sicherung und Erhaltung der Bausubstanz sowie für die spätere Vermarktung, hatte Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) damals angekündigt.

Dem „Aussterben der Innenstädte“ müsse entgegengewirkt und „Maßnahmen zur Quartiersaufwertung“ eingeleitet werden, hatte er den Vorstoß begründet, dem die Mehrheit der Parlamentarier folgten. Handlungsbedarf habe bestanden, weil die Verwaltung bei dem potenziellen Käufer nicht den Eindruck gewonnen hatte, „dass hier sanierungsmäßig etwas passiert“. Zudem stehe das Haus an „stadtbildprägender Stelle“. Dort steht es noch immer. Eine Aufwertung hat das Anwesen dem Quartier aber seither nicht beschert.

Immobilie in Hadamar (Kreis Limburg-Weilburg): „Niemand hat einen Plan“

Dafür gibt es eine Erklärung, sagt der Bürgermeister. Die Abwicklung des Vorkaufsrechts sei „ein bisschen schwierig“. Der Vertragspartner, dem der Bescheid über die geänderten Eigentumsverhältnisse zugestellt werden muss, befinde sich im Ausland. Es handele sich somit um eine internationale Geschäftsbeziehung, und „das ist eine Hürde“, die die Stadt zwar überwinden werde, aber das dauere eben ein wenig. Das ist die juristische und verwaltungstechnische Seite der Aufarbeitung dieses Immobiliengeschäfts.

Darüber hinaus müsse die Stadt aber endlich auch ein Konzept für die weitere Nutzung der Immobilie vorlegen, verlangt Sven Glombitza, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Seine Fraktion hatte sich ausdrücklich gegen die Ausübung des Vorkaufsrechts und damit gegen den Erwerb von Haus Nummer 24 am Neumarkt ausgesprochen. Nach Einschätzung von Glombitza habe „niemand einen Plan, wofür das Haus eigentlich genutzt werden soll.“

Und das sei kein unbekanntes Vorgehen der Hadamarer Verwaltung. „Wie schon so oft sollen Immobilien ohne Konzept erworben werden, um dann langsam öffentlich zu verrotten.“ Tatsächlich sei der finanzielle Spielraum der Stadt nicht nur zusammengeschnurrt. Vielmehr müsse mit mehr als reinen Instandhaltungskosten gerechnet werden, weil das Haus unter Denkmalschutz steht, gibt der Sozialdemokrat zu bedenken.

Denkmalschutz wird zum Problem: Stadt Hadamar hat kaum gestalterischen Spielraum

Auch Christoph Weyer, Fraktionsvorsitzender der FWG, ist beim Haus Neumarkt 24 zurückhaltend. Zwar begrüße seine Partei „grundsätzlich die Ausübung von Vorkaufsrechten, um zum Beispiel einen gestalterischen Spielraum für den Bebauungsplan zu schaffen“. Das Stadtgebiet können so „moderner und ansehnlicher gestaltet“ werden.

Beim Haus Nummer 24 am Neumarkt liegt die Sache Weyer zufolge aber anders. Er sagt: „In diesem konkreten Fall lehnt die FWG die Ausübung des Vorkaufsrechts ab, da das Objekt denkmalgeschützt ist und daher beispielsweise nicht abgerissen werden darf.“ Vielmehr seien die Renovierungskosten, die aus den Auflagen des Denkmalschutzes resultieren, „aus unserer Sicht unverhältnismäßig hoch und für die Stadt nicht zu stemmen.

Auch Sabine Hirler, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtparlament ist skeptisch. „Das Aufkaufen von maroden Immobilien ohne Konzept ist in diesem Ausmaß in unseren Augen nicht zielgerichtet.“ Ihre Fraktion will zur Entwicklung der Altstadt die Fördermöglichkeiten des Landes ausschöpfen, „um die hohen Zuschüsse für Tourismus, Wohnen, Quartiersentwicklung, Inklusion/Barrierefreiheit, Bauvorhaben, Coworking-Plätze und vieles mehr für eine zeitgemäße Entwicklung der Altstadt Hadamar verwenden zu können.“ Wichtig dabei sei, die Anwohner in Pläne und Projekte einzubeziehen, sagt Hirler.

Bürgermeister von Hadamar ist optimistisch: „Ideal für eine Seniorenwohnanlage“

Bürgermeister Ruoff teilt die Bedenken zum Erwerb der Immobilie nicht. Denn „die Stadt hat keineswegs die Absicht, hier selbst tätig zu werden“. Es sei vorgesehen, die Immobilie weiterzuverkaufen, aber dabei eben entscheiden zu können, wer den Zuschlag bekommt. Diese Strategie entspreche dem stadtplanerischem Konzept von Hadamar, wonach Einfluss auf künftige Anwohner und Gewerbeansiedlungen genommen werden soll, um die Attraktivität und gefühlte Sicherheit des Quartiers zu erhöhen, sagt der Bürgermeister.

Konkret bedeutet das, die Stadt hat sich das Recht gesichert, ein Haus zu kaufen, um andere möglicherweise unliebsame Käufer und Nutzungen ab- und fernzuhalten. Ein Investor für Neumarkt 24 wird somit zunächst unter die Lupe von Bürgermeister und Magistrat genommen, ehe er das Haus übernehmen und dann schalten und walten kann.

Rechtzeitig handeln: Hadamar will Zerfall wie am Bahnhof verhindern

Bernhard Pietsch, Fraktionsvorsitzender der CDU im Hadamarer Parlament, findet diese Vorgehensweise richtig. Er sagt: „Wenn das Umfeld stimmt, lässt sich dann auch ein Investor finden, der hier wieder investiert.“ Das bestätigt Hans Reichwein, Fraktionsvorsitzender der Wählerinitiative „Wir für Hadamar (WfH)“, die sich ebenfalls für den Erwerb der Immobilie ausgesprochen hat. Bei dem Haus am Neumarkt dürfe sich nicht wiederholen, was die Stadt mit dem Bahnhof erlebt habe.

Hier müsse man „tatenlos zusehen, wie das Gebäude verfällt, weil der Besitzer zurzeit zu keinerlei Verkaufsgesprächen bereit ist“, so Reichwein. „Ein solches Versäumnis darf sich nicht wiederholen.“ Sein Fazit: „Dieses Haus bietet sich aufgrund seiner Lage beispielsweise ideal als Seniorenwohnanlage an - mitten im Grünen, Nähe zu einer vielfältigen medizinischen Versorgung und fußläufig zur Innenstadt.“ Nach der Vorstellung der WfH soll die Immobilie einem Investor übergeben werden, „der damit etwas Vernünftiges anfängt“.

Nur dass es einen Interessenten oder Investor gibt, zieht SPD-Mann Glombitza in Zweifel. „An dieser Stelle sollten alle Beteiligten auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Einen Investor zu finden würde einem Wunder gleichkommen.“ Er ist fassungslos, dass sich die Mehrheit der Stadtverordneten auf dieses Risiko eingelassen hat. Sein Parteikollege Rüdiger Halberstadt hat eine ganz andere Alternative zu der Ausübung des Vorkaufsrechts parat. „Das Geld wäre im Ausbau und der Instandhaltung unserer Kinderspielplätze besser aufgehoben“, findet er. (Anken Bohnhorst-Vollmer)

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