Denis Wittberg (Vierter von links) und seine Schellack-Solisten sind am Samstag auf dem Hadamarer Schlossplatz zu erleben.
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Denis Wittberg (Vierter von links) und seine Schellack-Solisten sind am Samstag auf dem Hadamarer Schlossplatz zu erleben.

Interview mit Denis Wittberg

Hadamar: "Nur Rockmusik geht gar nicht"

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Bandleader der Schellack Solisten spricht über Nostalgie und Evergreens

Hadamar -Als kämen sie aus dem Grammophon: Denis Wittberg und seine Schellack-Solisten interpretieren die Schlager des vergangenen Jahrhunderts so, dass sie auch in diesem Jahrhundert Spaß machen. Am Samstag, 24. Juli, ist die Combo auf dem Hadamarer Schlossplatz zu hören. Redakteurin Sabine Rauch hat mit dem Bandleader Denis Wittberg vorher über Nostalgie und Evergreens gesprochen.

Herr Wittberg, sind Sie Nostalgiker?

Was die Musik betrifft schon. Die Schlager der 1920er-Jahre wollen wir so authentisch wie möglich spielen. Ansonsten bin ich kein Nostalgiker. Ich habe sogar Jeans.

Warum haben es Ihnen ausgerechnet die Goldenen Zwanziger angetan?

Meine Oma ist an allem schuld. Sie hatte einen Musikschrank, in dem ich auch eine Schellack-Platte von den Comedian Harmonists gefunden habe. Dieser Close-Harmony-Gesang hat mich schon als Kind fasziniert und mein Leben lang begleitet. Diese Musik ist zeitlos, sie ist ein Kulturgut. Das ist Musik, die die Sinne berührt, die Schlager haben Wortwitz und Ironie. Ich verkaufe keine Nostalgie. Denn so golden waren die Goldenen Zwanziger Jahre ja gar nicht. Die Menschen damals haben das Leben genossen so gut es ging.

Haben Sie zu Hause ein Grammophon?

Ja, ich habe ein His-Master's-Voice-Grammophon mit goldenem Trichter. Und ich habe jede Menge Schellack-Platten. Die hat mir mal ein Fan überlassen, einen ganzen Wäschekorb voll. Aber ich besitze auch einen Plattenspieler und einen CD-Player.

Was hören Sie für Musik?

Es ist auch mal ganz schön, wenn es ganz ruhig ist. Ich bin mehr für die leisen Töne, den Vögeln zuzuhören, ist für mich Entspannung pur. Aber ich höre auch gerne zum Beispiel die Schlager der 80er-Jahre, um herauszufinden, was zu unserem Stil passt. Nur Rockmusik geht gar nicht.

Wie kriegt man diesen Schellack-Sound hin?

Durch gestopfte Instrumente und hohe Arrangierkunst. Jens Hunstein, unser Gitarrist, und Jörg-Walter Gerlach, unser Pianist, sind für die Feinheiten der Arrangements zuständig. Ich möchte dass es so klingt, wie auf einer Schallplatte von 1928 und meistens klappt es auf Anhieb.

Wann passt dieser spezielle Sound?

Es geht um den Wiedererkennungswert. Das funktioniert auch bei Schlagern aus den 50er- und 60er-Jahren oder bei der Neuen Deutschen Welle. Da kommt dann Heintjes "Mama" als Rumba daher oder das "Model" von Kraftwerk als Tango. Wir sind keine Cover-Band, wir basteln und experimentieren mit der Musik, machen unseren Zuhörern dann ein Geschenk. Und hoffen, dass sie die Lieder auch im Stil der 20er-Jahre interessant finden.

Sind Frack, Lackschuhe und Pomade Pflicht?

Im Frack kann man wunderbar provozieren ohne dass das Publikum böse ist. Da kann ich dann alles sagen, schön und nett und mit einer köstlichen Ernsthaftigkeit. Wenn man komische Texte komisch bringt, wird es albern. Ich stehe da stocksteif und bin witzig.

Mit rollendem "R".

Das "R" habe ich in den vergangenen Jahren kultiviert, inzwischen bin ich ein bisschen weg davon. Als Conférencier auf der Bühne spreche ich hochdeutsch. Privat habe ich leider diesen Mainzer Einschlag.

Und wie tragen Sie die Haare privat?

Auf der Bühne sind die Haare so, wie es in die Zeit passt. Danach bin ich aber auch kein Struwwelpeter. Es muss alles ordentlich sein.

Was haben Sie in den vergangenen Monaten gemacht?

Ich habe alte Kontakte gefestigt und neue gepflegt und gehofft, dass wir im Jahr 2023 unser 20-jähriges Jubiläum richtig feiern können.

20 Jahre Denis Wittberg und die Schellack Solisten?

Ja, ich hatte nie gedacht, dass das so lange zusammenhält. Und es sind immer noch drei Mitglieder aus der Gründerzeit der Band dabei: Til Krause, Daniel Reiter und ich.

Wie haben Sie die Pandemie überstanden?

Ich habe ein sicheres Einkommen. Das ist ein Geschenk. Montags, dienstags und mittwochs arbeite ich in meinem Beruf als Schauwerbegestalter, den Rest der Woche kümmere ich mich um meine Musik. Das ist viel Arbeit. Auch ohne Auftritte und Proben. Neun Monate lang konnten wir nicht gemeinsam proben, zum Glück sind wir ein eingespieltes Team.

Was erwartet ihre Zuhörer im Hadamarer Schlosshof?

Musik von hohem Anspruch mit hohem Unterhaltungswert. Manches aus den 20er-Jahren, aus den 80er-Jahren, was Englisches und auch etwas Chinesisches. Es gibt U-Musik vom Feinsten.

Karten und Hygieneregeln

Das Konzert "Die neuen zwanziger Jahre - Ich küsse Ihre Hand Madame" beginnt am Samstag, 24. Juli, um 20 Uhr. Einlass auf den Hadamarer Schlossplatz ist ab 19 Uhr. An der Abendkasse kostet der Eintritt 22 Euro, im Vorverkauf 20 Euro bei Schreibwaren Dutell, Gymnasiumstraße 6, Buchhandlung Hämmerer, Schulstraße 9, in Hadamar, AH Lebensart, Mainzer Landstraße 19, in Niederhadamar, "Buch & Tee", Rathausstraße 2, in Elz und FC Factory Clothing, Neumarkt 14, in Limburg.

Vor, während und nach der Veranstaltung muss auf dem Schlossgelände eine Maske getragen werden, die nur an den auf Abstand gestellten Sitzplätzen abgenommen werden darf. Die Bewirtung beschränkt sich auf Getränke in Flaschen, die zum Sitzplatz mitgenommen werden. Besucher müssen an der Kasse per Luca-App oder in einer handschriftlichen Liste ihre Anwesenheit festhalten. Da bei schlechtem Wetter keine Verlegung in ein Gebäude möglich ist, findet in diesem Fall das Konzert nicht statt. Die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit für einen Ersatztermin. Alle Regelungen unter Vorbehalt.

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