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Hadamar: Runder Tisch soll Waldkindergarten retten

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Von: Robin Klöppel

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Mehrere Kinder Spielen mit Matsch im Wald. So wie beim Waldkindergarten Zappelphilipp in Wiesbaden könnte der Kindergartenalltag auch bald für Hadamarer Kinder aussehen. Aber erst müssen sich noch die politischen Entscheidungsträger einig werden.
Mehrere Kinder Spielen mit Matsch im Wald. So wie beim Waldkindergarten Zappelphilipp in Wiesbaden könnte der Kindergartenalltag auch bald für Hadamarer Kinder aussehen. Aber erst müssen sich noch die politischen Entscheidungsträger einig werden. © picture alliance/dpa

SPD, FWG und WfH stimmen Vertragsabschluss mit Wildlingen nicht zu

Hadamar -Ob das Waldkindergarten-Projekt der Elterninitiative Wildlinge in Oberzeuzheim wie geplant mit 20 Plätzen zum 1. März starten kann, steht auch nach der Hadamarer Stadtverordnetensitzung am Mittwochabend in der Sporthalle der Fürst-Johann-Ludwig-Schule weiter in den Sternen. Denn es gab weder für den Vertragsentwurf des Magistrats noch für den des Haupt- und Finanzausschusses eine Mehrheit.

Angenommen wurde dann mit Unterstützung von CDU und SPD zumindest ein Grünen-Antrag, zu einem Runden Tisch einzuladen. Der soll aus Vertretern des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung sowie des Vereins Wildlinge bestehen und eine einvernehmliche Vertragslösung finden.

Erste Stadträtin Susanne Langel (FWG) hatte als für Kindergärten zuständige Dezernentin der Stadt zunächst das Wort ergriffen und berichtet, wie unglücklich alles gelaufen sei. Die Wildlinge hätten gesagt, so Langel, sie könnten sofort mit 14 Kindern anfangen. Fünf weitere Kinder sollten noch im Sommer dazu kommen. Doch plötzlich seien, wie die Erste Stadträtin berichtete, nur noch elf Kinder da, von denen eines nicht in Hadamar wohne und zwei schnell noch in Hadamar gemeldet worden seien.

Langel sprach außerdem an, dass von den Wildlingen erst im Nachhinein Mietkosten und Ausgaben für eine neue Heizungsanlage genannt worden seien, die das Projekt weiter verteuerten. Grundsätzlich habe sie nichts gegen ein Waldkindergarten-Konzept, doch müsse die Stadt auch ihre Ausgaben im Auge behalten.

Wenige Stunden vor der Sitzung hatten die Wildlinge zwar plötzlich doch erklärt, dem Magistrats-Vertragsentwurf zustimmen zu wollen, doch SPD (mit Ausnahme von Renate Kreis) sowie die freien Wählergruppen FWG und WfH verweigerten die Zustimmung.

Engagierte Eltern

Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Hirler kann die Vorbehalte vieler Kollegen gegen die Wildlinge nicht verstehen. Natürlich seien diese keine Institution wie die Lahn-Kinderkrippen, die schon seit Jahren zahlreiche Kitas betreuen würden. Aber hinter dem Projekt würden engagierte Eltern stehen, die es allen recht machen wollten.

Dass bisher noch nicht alle Plätze vergeben sein, liege daran, dass die Wildlinge bisher keine Werbung über die städtische Webseite hätten machen können, sondern bisher alles nur von Mund-zu-Mund-Propaganda lebe. Aber Waldkindergärten seien überall der große Renner, so dass in einem Jahr sämtliche 20 Plätze belegt sein und es eine Warteliste geben werde, ist Hirler überzeugt. Die Wildlinge hätten bereits vier pädagogische Fachkräfte für ihr Projekt eingestellt, so dass sie sofort nach Vertragsabschluss zur Entspannung der Betreuungssituation im Hadamarer Stadtgebiet beitragen könnten.

FWG-Fraktionsvorsitzender Christoph Weyer sieht die Aktivitäten des Vereins Wildlinge deutlich kritischer. Weyer findet es nicht in Ordnung, dass die Stadtverordneten nicht vor der Entscheidung für das Konzept über sämtliche entstehenden Kosten informiert worden seien. Bei bisher nur acht Anmeldungen Hadamarer Kinder würden trotz Wildlingen weitere zwölf Plätze fehlen und die Stadt müsste möglicherweise im Hammerweg noch eine weitere Gruppe schaffen.

WfH-Stadtverordneter Johannes Müller sagte, dass die Behauptung der Wildlinge falsch sei, dass andere Einrichtungen in Hadamar auch nur mit zwei Kindern gestartet seien. Fehlende Informationen und Vorhaltungen der Wildlinge gegenüber Mandatsträgern seien nicht dazu angetan, Vertrauen zu den Vereinsvertretern aufzubauen, betonte Müller. Der WfH-Vertreter bezeichnete das Projekt als "große Wundertüte". Derzeit gebe es für den Waldkindergarten weder eine sichere Kostenkalkulation noch die Garantie für die Stadt, dass die dort geschaffenen Plätze auf die Gesamtzahl der Betreuungsplätze der Stadt überhaupt angerechnet würden.

SPD-Stadtverordneter Rüdiger Halberstadt meinte, Vertrag komme von vertragen. In diesem Fall habe man gesehen, wie man es nicht machen sollte. Plötzlich seien im Nachgang noch unbekannte Kosten aufgetaucht. Das Vorgehen der Wildlinge sei nicht vertrauensbildend. Andererseits habe der Magistrat den Vertragsentwurf verändert, ohne sich mit dem Verein abzustimmen. Von daher hätten hier beide Seiten Fehler gemacht.

CDU-Fraktionsvorsitzender Bernhard Pietsch meinte, dass sich in Hadamar eigentlich sonst immer alle Fraktionen einig gewesen seien, das Thema Kinderbetreuung nicht zum politischen Zankapfel zu machen. Doch leider werde wieder grundsätzlich über das Projekt diskutiert, obwohl es an diesem Abend eigentlich nur noch um die Vertragsvereinbarung gehe. Es sei nur Aufgabe des Magistrats gewesen, analog zu anderen Kita-Einrichtungen in Hadamar einen Vertragsentwurf vorzulegen. Doch im Magistrat seien einige Leute gegen das Projekt und so sei einfach der Vertragsentwurf ohne Rücksprache abgeändert worden.

Scharfe Kritik übte Pietsch an der Ersten Stadträtin Langel, die ihre Position im Magistrat missbrauche, um hier Parteipolitik zu machen. Anke Föh-Harshman (Grüne) wies darauf hin, dass es einen eindeutigen Beschluss für die Waldgruppe gebe. Ein Umbau der Räumlichkeiten im Hammerweg oder die Anmietung von Containern als Alternative würden der Stadt ebenfalls erhebliche Kosten verursachen.

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