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Hadamar: Scheitert der graue Bus an seiner Finanzierung?

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Bis das begehbare, zweigeteilte Denkmal der grauen Busse an den geplanten neuen Standort am Bahnhof und damit für immer nach Hadamar zurückkehrt, können noch viele Monate ins Land gehen.
Bis das begehbare, zweigeteilte Denkmal der grauen Busse an den geplanten neuen Standort am Bahnhof und damit für immer nach Hadamar zurückkehrt, können noch viele Monate ins Land gehen. © Dieter Fluck

Sondermittel des Landes fallen nicht so hoch aus wie erhofft - Stadt nicht antragsberechtigt

Hadamar -In der Zeit des Nationalsozialismus und lange Zeit danach wurden die so genannten grauen Busse in der Bevölkerung zum Symbol der Menschenvernichtung. Mit solchen Bussen wurden Männer, Frauen und Kinder aus den Zwischenanstalten in Weilmünster, Herborn, vom Kalmenhof in Idstein und vom Eichberg bei Eltville zur Ermordung in die als Dusche getarnte Gaskammer der Psychiatrischen Anstalt auf den Mönchberg angeliefert. Dort fanden allein über 10 000 Männer, Frauen und Kinder den Tod durch Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Daran erinnerte 2018 ein in Beton gegossenes Abbild jener grauen Busse, das als Mahnmal an der Gymnasiumstraße direkt vor dem Renaissanceschloss an die dunkle deutsche Vergangenheit erinnern und mahnen sollte. Bei der Eröffnungsveranstaltung am 28. Mai sagte Bürgermeister Michael Ruoff: "Das Grauen dieses Hilferufs ist unvorstellbar. Es leben noch Menschen, die sich an die grauen Busse erinnern können."

Nach dem Ende der acht Monate dauernden Ausstellung wurde die Idee geboren, dass es bei dieser aufsehenerregenden Sonderaktion nicht bleiben solle.

Analog zur noch existierenden Busgarage, die 2006 vom benachbarten Hofgut "Schnepfenhäuser Hof" des psychiatrischen Krankenhauses an ihren Ursprungsort auf dem Mönchberg zurückversetzt wurde, sollte auch eine Ausfertigung der grauen Busse in der Stadt als bleibende Mahnung aufgestellt werden. Der Kasseler Künstler Dr. Horst Hoheisel, der das Monument gemeinsam mit Andreas Knitz geschaffen hatte, war von dem Vorschlag sehr angetan. Er ist der Neffe von Gisela von Rutkowski, die in Hadamar zu den Opfern zählte. Unter den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung und weiteren Bürgern entspannte sich eine leidenschaftliche Diskussion über den Standort. Während die einen sich für den Platz vor dem Schloss einsetzten, gaben andere einer Fläche in der Nähe des Bahnhofs den Vorzug.

Verteuerung um 11 000 Euro

Inzwischen sind vier Jahre ins Land gegangen und das historische Projekt läuft Gefahr, an der Finanzierung zu scheitern. Ursprünglich war es auf 66 000 Euro veranschlagt, inzwischen wird mit einer Verteuerung um 11 000 Euro kalkuliert, was hauptsächlich mit Preissteigerungen im Baugewerbe begründet wird. Zusätzlich werden noch 10 000 Euro für die Umgestaltung des Platzes benötigt.

Die Umgestaltung will die Stadt übernehmen, die zusätzlich 15 000 Euro Haushaltsmittel für die Beschaffung des Denkmals bereitgestellt hat. Darüber hinaus haben der Förderverein der Gedenkstätte und der Landeswohlfahrtsverband jeweils 5000 Euro zugesagt, so dass eine Finanzierungslücke von 52 000 Euro besteht.

Alle Hoffnung konzentriert sich nunmehr auf das Land Hessen. Die Stadt hatte dort beantragt, den offenen Betrag aus Sondermitteln des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst zu übernehmen. Doch von dort wurde jüngst signalisiert, dass 52 000 Euro weit über dem Machbaren lägen und die Stadt selbst gar nicht antragsberechtigt sei. Nun soll der Förderverein ran und mit dem Ministerium ausloten, wie hoch die Förderung letztlich ausfallen könnte.

Im Jahr 2018 wurde der graue Bus als bisher größter Stolperstein gegen Ausgrenzung und Vernichtung gewürdigt. In Hadamar ist es ein langes Tauziehen um ein Projekt, über dessen gesellschafts- und kulturpolitischer Bedeutung gerade in der heutigen Zeit zunehmender menschenverachtender Tendenzen große Einigkeit besteht.

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