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Hadamar: Sie arbeiten für die Würde bis zum Schluss

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Auch wenn Sterben zum Alltag gehört, geht es im Hospiz durchaus fröhlich zu. Natascha Winkler (links) und Kerstin Hilb möchten ihren Job dort nicht mehr tauschen.
Auch wenn Sterben zum Alltag gehört, geht es im Hospiz durchaus fröhlich zu. Natascha Winkler (links) und Kerstin Hilb möchten ihren Job dort nicht mehr tauschen. © Kerstin Kaminsky

Sterbenden ein würdiges Lebensende bescheren

Hadamar -Obwohl sie täglich mit dem Sterben konfrontiert sind, haben Kerstin Hilb und Natascha Winkler nie bereut, sich für die Arbeit im Hospiz entschieden zu haben. Anders als in ihren früheren Pflegeberufen stehen sie weder unter Zeitdruck noch unter den Zwängen einer festen Tagesstruktur. Stattdessen können sie auf jeden Bewohner und dessen individuellen Bedürfnisse, Wünsche und Emotionen eingehen und sich auch Zeit für Gespräche mit den Angehörigen nehmen.

Ende 2014 eröffnete das stationäre Hospiz in Hadamar. Fast von Anfang an gehört Kerstin Hilb (56) zum Pflegepersonal. Die examinierte Krankenschwester hatte in der Psychiatrie gelernt und war in ihrem weiteren Berufsleben meist in der Altenpflege tätig. "Natürlich hatte ich seinerzeit hin und her überlegt, ob das Hospiz etwas für mich ist", blickt sie zurück. Ein Probearbeiten überzeugt sie schnell: "So etwas hatte ich bisher noch nicht erlebt. Jeder darf sein, wie er ist, und wird mit all seinen Eigenarten angenommen."

Ähnlich denkt es Natascha Winkler (42), die erst im Oktober als Schwangerschaftsvertretung ins Team des Hospizes Anavena kam. "Ich hatte zuvor auf einer Intensivstation gearbeitet, das hat mich mürbe gemacht", sagt sie. Die Idee, sich mit der Hospizarbeit vertraut zu machen, war bei der 42-Jährigen schon länger gereift. So empfand sie es als glückliche Fügung, als sich dieser Weg für sie auftat - wenn auch erstmal nur vertretungsweise.

Inzwischen ist die Pflegerin fest angestellt. Nun steht eine berufsbegleitende Palliativ-Care-Weiterbildung an. Denn die Betreuung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen verlangt ein spezielles Fachwissen und ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Gleiches gilt für den Umgang mit Angehörigen.

Kerstin Hilb hat die Zusatzqualifikation schon lange in der Tasche. "In dem Kurs geht es darum, die Lebensqualität der uns anvertrauten Menschen zu erhalten, egal wie krank und schwach der Einzelne ist", sagt sie.

Wahrnehmung, Berührung und non-verbale Kommunikation gehört genauso zum Lehrstoff wie Ernährung, Wundversorgung oder Grundlagen der Schmerztherapie. "Zudem lernen wir, uns selbst zu reflektieren, die eigenen Grenzen zu akzeptieren und uns mental zu schützen, indem wir nicht alles zu nah an uns heranlassen."

Die beiden Hospizpflegerinnen heben die wertschätzende Atmosphäre innerhalb des Teams hervor. "Wir ticken zwar alle anders, doch jeder schaut auf den anderen und jeder findet ein offenes Ohr, wenn er Rat oder Hilfe braucht", zeigt sich Natascha Winkler dankbar. So etwas sei im Krankenhausbetrieb überhaupt nicht leistbar gewesen. Ob es nicht schwer ist, täglich dem Tod ins Auge zu schauen? "Nein", so die spontane Antwort von Kerstin Hilb. Denn wenn sie sicher ist, alles getan zu haben, damit der Mensch in Würde gehen kann und auch die Angehörigen mit einbezogen sind, dann sei das nicht schlimm.

"Sterben tun die Leute schließlich überall", ergänzt ihre Kollegin. Wenn das im eigenen Zuhause nicht möglich ist, böte das Hospiz die beste Alternative. Tatsächlich gehe es im Hospiz durchaus fröhlich zu und man kümmere sich um die Bewohner weit über das rein Pflegerische hinaus. Je nach Bedarf kann das eine Runde Mensch-ärger-Dich-nicht sein, eine Leckerei, ein Gläschen Wein oder die Erfüllung eines Musikwunsches durch die Musiktherapeutin.

"Es ist eine schöne Aufgabe, die Schwerstkranken in ihrer letzten Lebensphase begleiten zu dürfen", findet Kerstin Hilb. Ins Pflegeheim zurückzugehen oder zu einem ambulanten Pflegedienst zu wechseln, ist für sie unvorstellbar. "Selbst ein vierfaches Gehalt könnte mich nicht überzeugen", sagt sie lachend.

Natascha Winkler möchte dazu ermutigen, dass sich Menschen mit einer schlechten medizinischen Diagnose das Hospiz einfach mal anschauen. Für einen Termin kann man jederzeit unter (0 64 33)9 18 71 60 anrufen.

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