Eigentümerin der Synagoge in der Nonnengasse ist die Stadt Hadamar.
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Eigentümerin der Synagoge in der Nonnengasse ist die Stadt Hadamar.

Sanieren oder nicht sanieren?

Hadamar: Streit um Synagoge: Wie viel darf die Sanierung kosten?

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Die Grünen beantragen 22 000 Euro - CDU findet Bausubstanz in Ordnung

Rund 22 000 Euro will die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im nächsten Jahr in die Synagoge investieren. Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen müssten geplant und durchgeführt und ein Kanalanschluss gelegt werden, formuliert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Anke Föh-Harshman. Das Gebäude, das der Stadt gehört, weise erheblich Mängel auf: An der Nordwand breitet sich ein Nässeschwamm aus, die Farbe an den Fensterbrettern blättert ab, die Feuchtigkeit kann nicht reguliert werden, zählte Föh-Harshman in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (HFA) auf. Der Renovierungsstau sei alarmierend und unwürdig.

Das wies Bernhard Pietsch, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Hadamarer Stadtverordnetenversammlung, zurück. Im Gegensatz zu der Grünen-Parlamentskollegin, die ihre Aussagen aus Gesprächen mit Dritten ableite wie sie selbst einräumte, habe er sich das Gebäude genau angesehen und könne nicht erkennen, dass die Bausubstanz gefährdet sei. "Ich halte es für gefährlich, mit Mutmaßungen zu argumentieren", sagte Pietsch verärgert. Die Außendarstellung der Stadt leide an derartigen Beschreibungen. Er erwarte, dass man sich "genau informiert und argumentiert", ehe ein Urteil abgegeben wird. Den Vorwurf, die Synagoge sei in einem unwürdigen Zustand weise er jedenfalls zurück. Das Gegenteil treffe zu. "Die Synagoge ist in einem würdigen Zustand", betonte Pietsch. Die Bausubstanz sei gut, das Dach intakt, lediglich der Farbanstrich sei ein wenig angegriffen. Zusammengefasst bedeute das für ihn: "Dieser Antrag von den Grünen ist nicht Ordnung."

Gutachter hinzuziehen

Dass sich Stadt und Parlament um das Erscheinungsbild der Synagoge in der Öffentlichkeit sorgen, "das kann ich verstehen", sagte Anke Föh-Harshman. Nur bleibe für sie die Frage, wie das Gebäude in der Nonnengasse auch in Zukunft seine Würde behalten soll. Das sei nur möglich, wenn ein Gutachter eingeschaltet werde, auf dessen Expertise man sich dann verlasse. Rund 4000 Euro wollen die Bündnis-Grünen dafür im Doppelhaushalt eingeplant haben. Dass ein Gutachten sinnvoll und die Ausgaben dafür angemessen sind, habe Bauamtsleiter Hans-Georg Kaiser bestätigt, berichtete Kaisers Kollege Stephan Werlich in der HFA-Sitzung.

Auch dazu äußerte sich Bernhard Pietsch skeptisch. "Wir haben genug gute Leute im Bauamt", sagte er. Weshalb ein externes Unternehmen beauftragt werden müsse, erschließe sich ihm nicht. Darauf erwiderte Anke Föh-Harshman, wenn Pietsch auf die Kompetenz der Bauamtsmitarbeiter setze, müsse er auch die Einschätzung von Amtsleiter Kaiser ernstnehmen - und einem Gutachten eines Architekten zustimmen.

Ähnlich kontrovers verlief die Diskussion über die mögliche künftige Nutzung der ehemaligen Synagoge. Während Bündnis 90/Die Grünen für die Synagoge ein Nutzungskonzept mit Veranstaltungen, Ausstellungen und Führungen entwickeln und sie mehr in das städtische Leben einbeziehen wollen, stellte Pietsch in Frage, ob überhaupt beispielsweise weitere Seminarräume benötigt würden, wenn das Marstallgebäude renoviert und umgebaut sei. Ähnlich zurückhaltend beurteilte auch SPD-Fraktionsvorsitzender Marius Lorkowski den Antrag der Bündnisgrünen. Fenster und Farbe zu erneuern reiche völlig aus, wenn die Synagoge weiterhin so genutzt wird wie bislang, sagte Lorkowski.

Bündnis 90/Die Grünen bleiben bei ihrem Antrag auf 22 000 Euro für die Synagoge im nächsten Jahr. Gegenfinanziert werden soll der Posten mit 10 000 Euro aus dem Projekt "Demokratie Leben" für politische Bildungsarbeit. Denkbar sei darüber hinaus eine Förderung aus dem bundesweiten Denkmalschutz-Sonderprogramm für unter Denkmalschutz stehende Kulturdenkmäler sowie Fördermittel in Höhe von 11 000 Euro durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, schreibt Anke Föh-Harshman im Antrag ihrer Fraktion. Die Restkosten beliefen sich auf 1000 Euro.

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