Bei rund 70 Prozent liegt die Wertschöpfung aus einem Kubikmeter Rohstoff, sagt Oberbauleiter Markus Bräunche.
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Bei rund 70 Prozent liegt die Wertschöpfung aus einem Kubikmeter Rohstoff, sagt Oberbauleiter Markus Bräunche.

Besuch beim Kieswerk

Hadamar: Tonnenweise Kies und Körner

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Albert Weil will Produktionskapazität erhöhen - Noch kein Rahmenbetriebsplan

Niederzeuzheim -Seit Anfang des Jahres gehört das Sand- und Kieswerk Buss zur Albert Weil AG. Für die Bürger aus Niederzeuzheim ändert sich dadurch vorläufig nichts: Das monatliche Produktionsvolumen von Kies, Körnern und Sand beträgt rund 2300 Tonnen; im Durchschnitt transportieren jeden Tag fünf Lastwagen das Material aus der gewaltigen Kiesgrube durch den Ort. Mehr lasse der vom Bergamt derzeit genehmigte Rahmenbetriebsplan nicht zu, sagt Klaus Rohletter, Vorstandsvorsitzender der Albert Weil AG und Geschäftsführer der Buss GmbH, und reagiert damit auf Befürchtungen der Niederzeuzheimer. Die hatten in der letzten Sitzung des Ortsbeirats argumentiert, dass bereits jetzt Laster über die schmalen Dorfstraßen fahren, und sich daher die Frage stelle, wer für mögliche Straßenschäden aufkomme und ob ein neues Verkehrskonzept entwickelt werden müsse.

Tatsächlich ist das Ziel der neuen Albert-Weil-Tochter zwar, die jährliche Produktion auf 60 000 bis 70 000 Tonnen zu erhöhen. Nur setzt das Rohletter zufolge zum einen einen neuen Rahmenbetriebsplan voraus, der aber derzeit nicht einmal beantragt sei. Zum anderen hofft das Unternehmen zwar auf Material, das für fünf bis sieben Jahre ausreicht. Das müsse allerdings zunächst geprüft werden, weshalb derzeit Probebohrungen auf dem 8,5 Hektar großen Terrain im Süden des Hadamarer Stadtteils durchgeführt werden. Schließlich war die Albert Weil AG bislang nicht im Kiesgruben-Geschäft. "Mit Hilfe der Grundlagenerhebungen möchten wir uns einen Überblick über die Gegebenheiten des Kieswerks verschaffen", hatte Bauunternehmer Rohletter im Juli vor Beginn der Untersuchungen angekündigt. Mit Beeinträchtigungen für die Niederzeuzheimer sei nicht zu rechnen. Informieren wolle er dennoch.

Presslufthammer saust in den Boden

Bodenproben entnommen werden am südöstlichen Rand des Kieswerks, in der ortsabgewandten Richtung, in der der Abbau zunächst fortgesetzt werden soll. Bei den Probebohrungen saust ein riesiger Presslufthammer durch eine Röhre in den Boden, gräbt sich meterweise nach unten und befördert sogenannte Bohrkerne nach oben, erklärt Heinz Kälbli, der die Betriebsleitung um Oberbauleiter Markus Bräunche berät. Insgesamt 40 Meter tief gehen diese Erkundungen, deren Ergebnisse in Holzkisten zwischengelagert und dessen chemische und physikalischen Eigenschaften anschließend von einem Fachlabor untersucht werden. Dass unmittelbar unter der Abraumschicht bestes Material liegt, wäre der Idealfall, sagt Bräunche. Die Wirklichkeit sei dies aber nicht.

Die bereits freigelegten Wände der Kiesgrube zeigen: Unter dem Abraum, der obersten, nicht zu verwendenden Schicht, überlappen Kies- und Sandschichten einander in unterschiedlicher Dicke und Ausbreitung. Das Material ist nicht homogen, berichtet Bräunche. "Dadurch haben wir einen erhöhten Sortieraufwand. Wir realisieren eine Wertschöpfung von 70 Prozent. Aus einem Kubikmeter Rohstoff generieren wir 40 bis 45 Prozent Sand und 30 Kies."

Sieben verschiedene Sorten im Angebot

Während der Abraum zu einem Wall an der Geländegrenze aufgetürmt wird, landet das Material, das für gut und abbaugeeignet befunden wird, in einer Aufbereitungsanlage. Ein Förderband zieht Steine, Sand und Körner über mehrere Sieb- und Waschstationen, um den Kies freizulegen. Sieben verschiedene Sand- und Kiessorten bietet die Buss GmbH derzeit an, sagt Jonas Roth, zuständig für den Vertrieb. Das für die Aufbereitung benötigte Wasser liefert ein kleiner See in der Kiesgrube, der sich seinerseits durch Regenwasser speist. Gereinigt wird das Wasser der Aufbereitungsanlage in drei Klärbecken, die schließlich das Wasser in den See zurückleiten. Ob diese Seen-Anlage ebenso wie das Abraummaterial in die langfristige Nutzung des Areals aufgenommen werden, bleibt abzuwarten, sagt Klaus Rohletter.

Fest steht, das Unternehmen sei sich der ökologischen Bedeutung des Kieswerks durchaus bewusst, betont er. Zudem sieht der derzeit geltende Rahmenbetriebsplan ohnehin die Rekultivierung vor, sobald der Kies abgebaut ist. Für die nächsten Jahre aber gilt: "Wir haben das Kieswerk gekauft, um Kies abzubauen und nicht, um es zu verfüllen."

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