Anhand einer Übersichtskarte erläutert Bürgermeister Michael Ruoff den Verlauf der künftigen Leitung von Oberweyer zum Hochbehälter auf dem Galgenberg.
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Anhand einer Übersichtskarte erläutert Bürgermeister Michael Ruoff den Verlauf der künftigen Leitung von Oberweyer zum Hochbehälter auf dem Galgenberg.

Zu Brunnen und Quellen

Hadamar: Mit dem Rad die Wasserversorgung erkundet

Preis für kühles Nass in der Fürstenstadt recht günstig. Versorgung auch bei Dürre weiter gesichert.

Hadamar -Welchen Weg nimmt unser Trinkwasser bis zum Wasserhahn? Warum unterscheidet sich der Härtegrad in manchen Stadtteilen? Bei einer geradelten Stadtführung anlässlich der Stadtradel-Wochen erläuterte Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) den Teilnehmern die Wasserversorgung der Fürstenstadt.

Im Industriegebiet Nord wies Ruoff auf einen besonderen Hydranten für das Löschwasser hin. Eine separate Steuerungseinheit sorge dafür, dass im Notfall das Wasser vom nahe gelegenen Tiefbrunnen zu diesem Hydranten hin gepumpt wird. "Eine Zisterne für das Löschwasser stand ebenfalls zur Diskussion, doch die wäre erheblich teuer geworden", sagte der Rathauschef. Um den Brandschutz im Industriegebiet zu gewährleisten, müssen über einen bestimmten Zeitraum hinweg mindesten 96 Kubikmeter Löschwasser pro Stunde zur Verfügung stehen. "Hier laufen jetzt sogar 120 Kubikmeter pro Stunde", erklärte Ruoff.

gefördert

Weitere Zahlen und Fakten präsentierte er an der nächsten Station, dem Tiefbrunnen 1 am Schwanenberg. Aus den verschiedenen Brunnen und Quellen der Stadt wurden 2018 etwa 614 Millionen Liter Wasser gefördert. Nur circa 4 Prozent, nämlich 25 Millionen Liter, seien Eigenbedarf, beispielsweise für Bürgerhäuser, Gießwasser, Schwimmbad oder als Löschwasser. "Zum Glück verbrauchen die Feuerwehren jedoch viel mehr Wasser für Übungen als bei tatsächlichen Einsätzen."

Im Stadtgebiet erfassen rund 4000 Zähler den Verbrauch der Haushalte. Im Jahr 2018 erzielte die Stadt durch Wassergebühren Einnahmen von 993 500 Euro. "Im Landkreis gibt es ein großes Gefälle beim Preis für Frischwasser. Mit 1,71 Euro pro Kubikmeter sind wir in Hadamar recht günstig und liegen im untern Viertel der Rangliste", freute sich Ruoff.

Ob das Wasser deshalb relativ billig sei, weil so viel Kalk enthalten ist, wollte ein Teilnehmer wissen. Tatsächlich hätte die Stadt Überlegungen zu einer zentralen Entkalkungsanlage angestellt, was dann zu einer Preissteigerung geführt hätte, sagte der Bürgermeister. Doch nicht nur monetäre Gründe hätten dagegen gesprochen. Wegen der unterschiedlichen Gewinnungsanlagen im Stadtgebiet sei das auch technisch nicht umsetzbar gewesen. Die gesamte Fördermenge hätte zusammengeführt, gemischt und wieder verteilt werden müssen. "Das ist keineswegs so einfach, als wenn Sie Cola und Fanta mischen, um Spezi zu erhalten. Hier hätte sich auch das Gleichgewicht im Wasser verändert."

einzuhalten

Nach einem Blick in den Schacht des Tiefbrunnens ging es zum Hochbehälter auf dem Galgenberg. Dorthin wird das Wasser vom Schwanenberg gepumpt und gefiltert, denn vermutlich durch eine ehemalige Färberei ist das Grundwasser des Tiefbrunnens 1 mit FCKW belastet. "Um die Einhaltung der Grenzwerte sicherzustellen, wird der Aktivkohlefilter alle 24 Monate gewechselt", sagte Wassermeister Jochen Esser.

Eine Neuregelung der Wasserversorgung führe allerdings dazu, dass künftig über eine neue Leitung das Wasser des Tiefbrunnens Oberweyer zum Galgenberg gepumpt werde. Dann sei der Filter unnötig und zudem könnten sich die von dort versorgten Haushalte über weicheres Wasser freuen.

"Der Tiefbrunnen am Schwanenberg bleibt trotzdem erhalten", sagt Tiefbauingenieur Stephan Werlich. Einerseits sei er für den Brandschutz im Industriegebiet wichtig, andererseits biete er eine Reserve, falls das Wasser mal knapp wird. "Wir sehen ja, dass Nachbargemeinden durch den fehlenden Regen bereits Probleme haben. Doch in Hadamar sind wir, selbst wenn die Dürre noch mehrere Jahre anhält, auf der sicheren Seite", berichtete Werlich.

Kerstin Kaminsky

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