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Hadamar: Wer braucht eine Grillhütte ohne Grillplatz?

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Von: Anken Bohnhorst

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Seit rund 50 Jahren gibt es eine Schutzhütte "Im Hölzchen". Ein Grillplatz war an dieser Stelle dagegen nie genehmigt, sagt Gaby Gotthardt, die nur ein paar Meter vom Waldrand entfernt wohnt.
Seit rund 50 Jahren gibt es eine Schutzhütte "Im Hölzchen". Ein Grillplatz war an dieser Stelle dagegen nie genehmigt, sagt Gaby Gotthardt, die nur ein paar Meter vom Waldrand entfernt wohnt. © Anken Bohnhorst

Offene Feuerstelle am Waldrand nicht genehmigt - Pläne des Ortsvorstehers stoßen auf Widerstand

Steinbach -Für 30 000 Euro soll ein hölzerner Pavillon am Ende der Bornstraße einer Grillhütte weichen. Das jedenfalls ist die Vorstellung von Ortsvorsteher Michael Hofmann (CDU), die er bei der jüngsten Ortsbeiratssitzung formulierte. Allerdings könnte dieser Plan bereits vor dessen Realisierung in Flammen aufgehen, denn die Diskussion war zumindest hitzig.

Sie habe den Eindruck, "die Ortsgemeinschaft ist mit dem Vorhaben nicht zufrieden", fasste Ortsbeirätin Anke Föh-Harshmann (Bündnis 90/Die Grünen) die Debatte zusammen. "Das ist weniger als ideal."

Zum Hintergrund: Der Betrag von 30 000 Euro stammt aus der Hessen-Kasse, bei der der Ortsbeirat Steinbach im Jahr 2019 die "Aufhübschung des Platzes an der Bornstraße" beantragt hatte. Das Projekt wurde in der Stadtverordnetenversammlung beraten und beschlossen. Bis 2025 müsse das Vorhaben nun realisiert werden, erklärte Hofmanns Parteikollege, Ortsbeirat Lukas Demus. "Sonst ist das Geld weg." Die Idee von Ortsvorsteher Hofmann sieht eine Doppel-Halle aus Holz vor mit einem offenen und einem geschlossenen Bereich. Allerdings betrage die Lieferzeit für eine derartige Hütte im Moment mehr als ein Jahr, hatte Hofmann bereits bei der vorletzten Sitzung des Gremiums eingeräumt.

Ein weiteres Problem an der Sache ist, die Anwohner aus der Nachbarschaft des bestehenden Gebäudes lehnen einen Neubau nicht nur aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen ab. Ihr schärfstes Argument lautet vielmehr: Es gibt überhaupt keinen Grillplatz in der Bornstraße. Eine offene Feuerstelle am Waldrand ist nie genehmigt worden und wird nach ihrer Überzeugung auch nie genehmigt werden.

Die Stadt äußert sich auf Nachfrage dieser Zeitung hierzu nicht. Dafür meldet sich Gaby Gotthardt zu Wort, die nur wenige Meter vom Schauplatz entfernt wohnt. Sie fragt, wenn nicht einmal die Genehmigung für einen Grillplatz vorliegt, wie kann dann eine Grillhütte geplant werden?

Gotthardt berichtet, der Pavillon am Ende der Bornstraße sei in den 1970er Jahren als Schutzhütte errichtet worden. Der SPD-Ortsbezirk Steinbach hatte vom Magistrat der Stadt die Erlaubnis erhalten, die ehemalige "Ruheanlage Im Hölzchen" um eine Schutzhütte zu erweitern. Seither gilt der Pavillon als "SPD-Hütte", während die CDU im Nordosten des Dorfes einen Platz eingerichtet hat, der auch tatsächlich als Grillplatz ausgewiesen ist. Parteipolitische Präferenzen habe es bei der Nutzung der Hütte Im Hölzchen aber nie gegeben, betont Gotthardt. Auch heute nicht. Der Unterstand in aussichtsreicher Lage am Waldrand wird regelmäßig von Familien und Vereinen frequentiert.

Gegen diese Nutzung habe auch keiner der Anwohner etwas einzuwenden. Etwa wenn die Kirmesjugend zum Feiern und Tanzen kommt oder wenn sich die Mitglieder des Männergesangverein hier zum Waldfest einfinden, ein paar Lieder anstimmen und anschließend ihre Stimmen ölen. Das ist alles gut und schön, sagt Gotthardt, weil Vereine und Familien vor ihren Festen den Platz herrichten und anschließend wieder aufräumen. Außerdem geht es nur um ein paar Tage im Jahr. Aber dann gebe es eben auch weniger gerngesehene Gäste, die sich hier treffen und den Platz mit Flaschen, Pizzakartons und anderem Unrat vermüllen. "Und das soll künftig in einer Grillhütte geschehen?", fragt sie. Oder im Wald mit waldbrandgefährlichem offenen Feuer und ohne weitere Infrastruktur wie beispielsweise Toiletten? Denn für deren Bereitstellung soll Ortsvorsteher Hofmann zufolge der jeweilige Grillhütten-Nutzer verantwortlich sein. Aus Sicht von Gaby Gotthardt ist das alles nicht nachvollziehbar.

Und noch etwas findet sie unglaublich. Die bestehende Schutzhütte ist voll funktionsfähig, soll aber nach den Plänen von Ortsvorsteher Hofmann dennoch abgerissen werden, um an gleicher Stelle den Boden mit Pflastersteinen zu verdichten und ein neues Häuschen zu errichten.

Gaby Gotthardt spricht von nachhaltigem Unsinn. Natürlich könnte man das Dach mit neuer Dachpappe belegen, auch wenn die vorhandene in Ordnung ist. Und selbstverständlich ließe sich der Platz aufwerten, wenn man ein oder zwei weitere Sitzgarnituren aufstellen würde. Offenbar gehe es aber darum, 30 000 Euro auszugeben, "weil sie da sind".

Ja, sagt Ortsvorsteher Hofmann, schließlich liegt ein Parlamentsbeschluss für diese Ausgabe vor. Wenn der jetzt nicht mehr gelten soll, müsse die Sache gestoppt werden und der Ortsbeirat einen neuen Beschluss fassen. Die gesamte Abstimmungsprozedur müsste dann erneut anlaufen. Auf diese Weise würde jedoch eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung ad absurdum geführt, meint Lukas Demus. Er findet, wer jetzt gegen eine Grillhütte ist, "der hätte früher etwas sagen können". Dann hätte man aber auch früher wissen müssen, dass es nicht nur um eine Verschönerungsmaßnahme für den Platz ging, sondern eben um eine Grillhütte, halten die Gegner dagegen.

Dass in dieser Sache so viel Feuer sei, habe sie nicht gewusst, sagte Grünen-Vertreterin Anke Föh-Harshmann am Ende der Diskussion, bei der sie gemeinsam mit Lukas Demus (CDU) und Jan Giegrich (SPD) dafür stimmte, von der Verwaltung eine andere Verwendung des Geldes aus der Hessen-Kassen prüfen zu lassen. Ortsvorsteher Michael Hofmann hatte sich bei dieser Abstimmung enthalten.

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