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Kein Kinderspiel: Die Planung von Kindergartenplätzen ist auch in Hadamar ein Politikum.

Wartelisten

Hadamar will Kita-Bedarf ermitteln

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Offenbar ist Kindergartenplanung kein Kinderspiel: Erst in der Kinderbetreuungskommssion erfuhr die Stadt, dass es in Hadamar und Niederhadamar Kindergarten-Wartelisten gibt. Aber ansonsten ist Bürgermeister Michael Ruoff froh, dass die Stadt keine eigenen Kitas betreibt.

Jetzt weiß auch die Stadt Hadamar, was den Eltern schon lange bekannt ist – zumindest den Eltern, die auf einen Ganztagsplatz im Kindergarten warten: Dass es zu wenig Ganztagsplätze gibt. Und erst recht, seit der Regelplatz kostenlos ist. Die Stadt wisse nichts von Wartelisten, hatte Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) immer wieder gesagt. Wenn die Träger ihm nichts mitteilten, könne er auch von nichts wissen. Und es müsse auch keine Wartelisten geben, erklärte Klaus Steinebach. Er müsste es eigentlich ebenfalls wissen, denn er ist beim Hauptamt der Stadt für die Kindergärten zuständig. Wer bei ihm Bedarf anmelde, für den finde er einen freien Platz, sagt er. Schließlich sei die Kita-Verwaltung der Stadt Hadamar die Koordinationsstelle, ihre Aufgabe sei es, nachfragende Eltern an eine Kita zu verweisen, „in der die Betreuung dem Wunsch der Eltern entsprechend angeboten werden kann“, erklärt Michael Ruoff.

Und die Stadt lädt vier Mal im Jahr – bei Bedarf auch öfter – zu Sitzungen der Kinderbetreuungskommission ein. Am Montag hat die Kommission wieder getagt. Und da habe er zum ersten Mal erfahren, dass es inzwischen Kita-Ganztagsplätze-Wartelisten gibt, sagt Michael Ruoff. Nicht in den Ortsteilen, aber im „Ballungsraum“, in Hadamar und Niederhadamar. In den Kitas dort ist das Problem schon länger bekannt, auch diese Zeitung hatte schon darüber berichtet.

Michael Ruoff verweist mit Stolz darauf, dass er das schon lange habe kommen sehen: Schon in der Vorlage für die Stadtverordnetenversammlung am 22. Februar habe er nach den Folgen und Risiken einer Gebührenbefreiung gefragt. Und natürlich sei damit zu rechnen gewesen, dass der Bedarf an Ganztagsplätzen steigt, wenn sie nicht mehr so teuer sind.

Jetzt soll erst einmal der tatsächliche Bedarf ermittelt werden. Alle Kindergartenträger sind nun offiziell aufgefordert, der Stadtverwaltung Zahlen zu liefern. „Wir schauen uns das an und gucken, wie wir reagieren“, sagt Ruoff. Und dann verweist er auf den Haushaltsplan. Der sieht rund 2 056 028 Euro Zuschuss für die Kindergärten und Krippen in Hadamar vor. „Wenn das Geld nicht ausreicht, ist die Politik gefragt.“ Das heißt: Auch wenn der Bedarf an Ganztagsplätzen gestiegen ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch mehr Ganztagsplätze gibt. „Denn jeder Platz, den wir mehr einrichten, kostet mehr Geld.“

Natürlich sei jeder Cent, den die Stadt in die Kinderbetreuung investiere, sehr gut angelegtes Geld, sagt der Bürgermeister. Aber die Stadt gebe immerhin zehn Prozent ihrer Einnahmen für die Kinderbetreuung aus. „Und da müssen Kostensteigerungen vertretbar sein.“ Im Übrigen sei er sehr froh darüber, wie die Kinderbetreuung in Hadamar geregelt ist. „Wir haben ein ganz einfaches System.“ Die Kirchen oder Vereine sind die Träger der Krippen, kümmern sich um Personalplanung und Öffnungszeiten und stellen die Kinderbetreuung sicher. Die Stadt übernimmt die Restkostenfinanzierung. Das heißt, sie bezahlt alles, was Träger und Eltern – und inzwischen das Land – nicht finanzieren. „Und wir haben uns noch nie groß in die Planung eingemischt“, sagt Michael Ruoff.

Auch nicht in die Planung der Betreuungszeiten. Es sei von allen sehr begrüßt worden, als die Öffnungszeiten vor drei Jahren vereinheitlicht wurden, sagt Ruoff. Die Randzeiten machten die Kinderbetreuung teuer. „Und das ist dem Steuerzahler gegenüber nicht angemessen.“ Wenn von den Eltern andere Betreuungszeiten gewünscht würden, müssten sie das den Trägern mitteilen – und die melden die Begehrlichkeiten dann an die Stadt weiter. Aber das Thema Öffnungszeiten sei eigentlich kein Thema mehr.

Und das Thema kommunale Kindergärten sowieso nicht: „Wir sind froh, dass wir unsere kirchlichen Träger haben“, sagt Ruoff. Weil zumindest die katholische Kirche die Gebäude stellt und in Schuss hält, sich mit 50 Prozent an den Kosten für die Spielgeräte beteiligt und mit 11 Prozent an den Betriebskosten. „Außerdem wird in kirchlichen Kindergärten ein gutes Menschenbild vermittelt.“ Auch Kindern, die nicht getauft sind. „Die Zusammenarbeit mit den Kirchen funktioniert gut.“

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