Mitten in der Natur lassen die Kinder ihrer spielerischen Kreativität mit Stöcken, Blättern und Steinen freien Lauf. Das ist vielleicht auch bald in einem Waldkindergarten in Oberzeuzheim möglich.
+
Mitten in der Natur lassen die Kinder ihrer spielerischen Kreativität mit Stöcken, Blättern und Steinen freien Lauf. Das ist vielleicht auch bald in einem Waldkindergarten in Oberzeuzheim möglich.

Spielen mitten in der Natur

Hadamar: Wo Kinder mit den Bäumen wachsen können

  • vonEva Jung
    schließen

Elterninitiative plant einen Waldkindergarten - Konzept steht, Politik muss noch zustimmen

Oberzeuzheim -Heute ist der morsche Ast eine Schaufel, morgen ein Hammer und übermorgen vielleicht ein Ritterschwert. Trockenes Laub war gestern die wichtigste Zutat in der Matschküche und ist nächste Woche vielleicht im Kaufladen im Angebot. Gezahlt wird in Blütenblättern oder mit schönen runden Steinen. Alltag in einem Waldkindergarten - wie es ihn vielleicht vom Herbst an in Oberzeuzheim gibt.

Das ist zumindest der große Wunsch der "Elterninitiative Waldkindergarten Wildlinge e.V.". Das Konzept steht - "nun muss die Politik entscheiden, ob sie einen Waldkindergarten grundsätzlich will und wer die Investitionskosten trägt", sagt Miriam König, eine der Initiatorinnen und Waldkita-Mutter aus Überzeugung. Die Oberzeuzheimerin und ihr Mann haben, genauso wie die anderen zwei Elternpaare des Vereins, die Waldpädagogik bei ihren ersten Kindern kennen und schätzen gelernt. Sie haben bereits im Krippenalter die Waldgruppe der Bärenhöhle in Obertiefenbach besucht und später dort auch den Kindergarten mit seiner damals noch existierenden Waldgruppe. Weil die Gemeinde nicht länger bereit war, für ortsfremde Kinder teure Zuschüsse zu zahlen und die Kita-Plätze immer knapper wurden, war klar, dass für die weiteren Kinder eine andere Lösung her musste.

"Wir haben an unseren Großen gesehen, welchen Wert es für die Kinder hat, die Natur, die Tiere und die Ruhe des Waldes zu erleben, bevor sie in die Schule kommen. Und wir wollten nicht nur meckern, sondern aktiv werden", erklärt Miriam König.

Die sechs schlossen sich zu einer Elterninitiative zusammen, besuchten andere Waldkitas, lasen Bücher, durchforsteten das Internet und nahmen Kontakt mit der Stadt Hadamar auf. Dort war die Resonanz erstmal positiv - bringt ein Waldkindergarten doch ganz greifbare Vorteile mit sich: vergleichsweise günstige Kita-Plätze, die sich relativ schnell umsetzen lassen. Dazu könnte Hadamar ein Aushängeschild dazugewinnen, denn die Nachfrage nach naturnahen Konzepten ist groß. Bereits jetzt gibt es Interessenten, auch über die Stadtgrenzen hinaus. Anfang Mai ist die Waldkita Thema im Magistrat, danach könnte in der Stadtverordnetenversammlung am 7. Mai darüber abgestimmt werden.

Investitionen in Höhe von 80 000 Euro

Die Elterninitiative plant mit zwei Standorten in Oberzeuzheim, einer am alten Bolzplatz, der andere etwa 200 Meter weiter in den Wald hinein. Ein zweiter Platz ist notwendig, weil durch Sturm, Schädlingsbefall oder bei extremem Wetter ein Aufenthalt im Wald unmöglich ist. Zudem ist das Bringen und Abholen der Kinder am Bolzplatz deutlich einfacher als im Wald. Auf dem offenen Gelände könnte die Garage, die aktuell noch von der Feuerwehr genutzt wird, in eine Miniküche und Toilette umgebaut werden. Dazu planen die Initiatoren eine Schutzhütte sowie einen Unterstand, der bei leichtem Regen oder starker Sonne etwas Schutz bietet. Insgesamt kalkulieren sie mit Investitionen in Höhe von 80 000 Euro - deutlich weniger als der Bau jedes Regelkindergartens kostet.

Sechs Stunden täglich sind kostenfrei

20 Plätze für Drei- bis Sechsjährige könnten so entstehen, geöffnet wäre der neue Kindergarten von 7.30 Uhr bis 15.30 Uhr, freitags schließt er bereits um 14 Uhr. Das Mittagessen für die Ganztagsbetreuung würde von einem Caterer geliefert.

Und die Kosten für die Eltern wären nicht höher als anderswo: "Sechs Stunden täglich sind frei, dazu kommen, wenn gewünscht, 34 Euro monatlich für einen Vollzeitplatz, die Kosten fürs Mittagessen sowie 60 Euro Vereinsmitgliedschaft im Jahr", rechnet Miriam König vor.

Der Waldkindergarten ist ein ganz "normaler Kindergarten", mit einer Betriebserlaubnis, mit ausgebildeten Fachkräften, "keine verrückte Idee von ein paar Öko-Eltern", wie die 35-jährige Erzieherin und Sozialpädagogin betont. Ein Waldkindergarten ist ein Ort zum groß werden - nur eben ohne Dach und ohne Mauern. Als Spielzeug gibt es in der Regel nur das, was die Natur im Angebot hat: Stöcke, Steine, Blätter, Wasser, Erde. Das regt die Phantasie an und macht erfinderisch.

Miriam König: "Wir schaffen eine Kita, wo Kinder mit den Bäumen wachsen und wo sie Schmetterlinge lachen hören."

Kontakt

Interessenten für den Waldkindergarten Wildlinge können sich per E-Mail an die Elterninitiative wenden. Kontakt: www.waldkindergarten-wildlinge.de,

E-Mail: waldkindergarten. wildlinge@gmail.com .

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare