Harte Strafe für zahlungsunwilligen Vater

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Das Urteil des Amtsrichters war kein Aprilscherz und traf den 41 Jahre alten Angeklagten wie ein Donnerschlag. Der nicht vorbestrafte Kfz-Mechaniker aus Langenaubach wurde wegen Verletzung der Unterhaltspflicht zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Wegen vorgetäuschter finanzieller Engpässe schuldet der Angeklagte seiner Ex-Frau seit gut zwei Jahren Unterhaltszahlungen für die gemeinsame Tochter. Er machte sich als Kfz-Mechaniker selbstständig, nahm zudem einen Teilzeitjob bei einer Werkstatt an und bestand darauf, nicht mehr als 25 Stunden pro Woche zu arbeiten. Dies ging aus der Anklage hervor. Vor Gericht machte der 41-Jährige keine Angaben zu seiner finanziellen Situation.

Seine Ex-Frau sagte, der Angeklagte habe für das gemeinsame Kind trotz Urteils des Amtsgerichts Weilburg nur unregelmäßig gezahlt. Im Jahr 2014 einmal rund 1200 Euro, dann noch zweimal 150 Euro. Der Arbeitgeber des Angeklagten gab vor, von den Problemen seines Mitarbeiters in Bezug auf dessen Unterhaltsverpflichtungen nichts zu wissen. „Er war bei mir in Teilzeitbeschäftigung, eine Vollzeitstelle stand nicht zur Debatte. Außerdem weiß ich nichts von Modalitäten in Bezug auf den Arbeitsvertrag“, sagte der Zeuge.

Mit zunehmender Prozessdauer war jedoch anzunehmen, dass der Zeuge den Angeklagten aus Gefälligkeit angestellt und bezahlt hatte. Beide Männer kannten sich aus dem ortsansässigen Fußballclub.

Im weiteren Verlauf der Verhandlung eröffnete der Vorsitzende den Prozessbeteiligten Kontoauszüge, wonach der Angeklagte im Tatzeitraum erhebliche Einnahmen zu verzeichnen hatte. Der Fußballclub überwies dem Spieler im Verlauf eines Jahres 13 000 Euro, und Privatpersonen wurden bei der Auflistung mit Beträgen von 2000 bis zu 4000 Euro registriert.

Staatsanwalt Dr. Philipp Georgy war davon überzeugt, dass der Angeklagte unabhängig von den aufgeführten Kontenbewegungen mit seinem Arbeitgeber geklüngelt habe. Er sprach von einem überdurchschnittlichen Fall in Bezug auf Unterhaltspflichtverletzung und forderte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 50 Euro.

Der Richterspruch ließ den Saal jedoch erzittern. Harro Marschall von Bieberstein verurteilte den Angeklagten nicht nur zu der Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Er erlegte ihm auch auf, die ausstehenden Zahlungen als auch den vereinbarten Unterhaltsbeitrag in Höhe von rund 170 Euro monatlich pünktlich zu zahlen. „Sie haben eine klare Absprache mit ihrem Arbeitgeber geführt und keinen Unterhalt gezahlt. Das ist eine kriminelle Handlung, die nicht bagatellisiert werden darf“, sagte der Richter und sprach von einem dissozialen Verhalten des Angeklagten. Der Angeklagte habe seine tatsächlichen Einkünfte verschleiert. Der Richter animierte zudem den Staatsanwalt, gegen den ehemaligen Arbeitgeber des 41-Jährigen ein Ermittlungsverfahren wegen uneidlicher Falschaussage einzuleiten.

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