Elke Immel aus Oberzeuzheim (Hadamar) blieb auf ihrem Sperrmüll sitzen.
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Elke Immel aus Oberzeuzheim (Hadamar) blieb auf ihrem Sperrmüll sitzen.

Hinter der Sperrmüll-Grenze

Sperrmüll-Ärger: Warum eine Frau auf ihrem Abfallhaufen sitzen bleibt

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Ärger mit dem Sperrmüll: Warum Elke Immel aus Oberzeuzheim in Hadamar auf ihrem Abfallhaufen sitzen blieb.

  • Müllwerker in Hadamar sorgen für Sperrmüll-Ärger.
  • Eine Frau aus Oberzeuzheim bleibt auf ihrem Abfallhaufen sitzen.
  • Der Abfallwirtschaftsbetrieb äußert sich zur Kritik.

Hadamar – Einmal im Jahr entsorgt der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Kreises kostenlos für jeden Haushalt vier Kubikmeter Sperrmüll. Er trägt sozusagen umsonst den Müll raus. Der Bürger muss lediglich beim AWB anrufen. Dort wird ihm eine Nummer zugewiesen, die er gut sichtbar am Müll anbringen soll. Der wiederum muss am Abend vor der Abholung gut sichtbar an die Gehwegkante der Straße gestellt werden. Und da beginnt das Problem.

Sperrmüll in Hadamar: Parkfläche binnen Stunden zugestellt

Denn genau das hat Elke Immel aus der Kirchstraße in Oberzeuzheim getan: Sie meldete ihren Sperrmüll beim AWB in Hadamar an, versah die ausrangierten und zerlegten Möbel mit der angegebenen Nummer und schleppte den Abfall wenige Stunden vor dem vereinbarten Abholtermin Anfang August an die Straße. Weil nicht alle Teile auf den schmalen Streifen des Gehwegs passten, legte sie Teile des Sperrmülls auf der unmittelbar angrenzenden Parkfläche ab. Die Mitarbeiter des AWB-Entsorgungsbetriebs Vobl kamen, besahen sich die Situation und nahmen nur den Teil des Sperrmülls mit, der auf dem Gehsteig deponiert war. Der Rest blieb liegen.

Elke Immel wunderte sich zunächst nicht darüber. Sie glaubte vielmehr, das Müllfahrzeug sei vollgeladen, würde auf der Deponie geleert und käme dann erneut in die Kirchstraße nach Oberzeuzheim. Doch das geschah nicht. Weder am gleichen noch an einem der folgenden Tage fuhr der Lkw vor, um die restlichen Gegenstände einzusammeln. Derweil vermehrte sich der Müll vor dem Haus in Hadamar, in dem Elke Immel wohnt. Andere Bürger, die ihr Jahreskontingent zum kostenlosen Abtransport möglicherweise bereits ausgeschöpft haben, packten ihren Abfall dazu, berichtet Immels Vermieter Michael Menier. Die gesamte Parkfläche war innerhalb von ein paar Stunden zugestellt. Auch der Gehweg in der ohnehin engen Gasse war blockiert.

Abfallwirtschaftsbetrieb äußert sich zu Sperrmüll-Ärger in Hadamar

Der Vermieter rief beim AWB an und erfuhr, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb vorläufig jedenfalls seine Arbeit in der Kirchstraße erledigt habe. Schließlich würden die Mitarbeiter nur den Sperrmüll einladen, der bis zu einem Meter von der Gehsteigkante abgelegt wird. Zwar kontrolliere man nicht mit dem Zollstock. Aber ���Grundstücke betreten wir grundsätzlich nicht“, bestätigt Bernd Caliari vom Abfallwirtschaftsbetrieb. Zum einen, weil immer wieder behauptet würde, Dinge, die nicht als Sperrmüll deklariert gewesen waren, seien gemeinsam mit dem Müll abgeräumt worden, sagt der Mann vom AWB. Außerdem müsse man die Arbeitslast seiner Mitarbeiter bedenken. „Je weiter die fußläufig zu absolvierenden Wege für die Müllwerker sind, desto höher sind die Muskel- und Skelettbelastungen und die Gefahren für Stolpern, Ausrutschen oder Stürzen auf deren Transportwegen“, schreibt er Michael Menier auf dessen Anfrage. Caliari bleibt dabei: Der Müll hätte ausschließlich an der Gehwegkante aufgestellt werden müssen.

Nur hätte Elke Immel dann einen schmalen und meterhohen Haufen auftürmen müssen, weil der Gehsteig vor ihrem Parkplatz kurz ist. Die komplette Gehwegbreite vollzustellen ging nicht, weil dann Rollatoren oder Kinderwagen nicht mehr hätten passieren können. Den Abfall auf die Fahrbahn zu stellen, kam ebenfalls nicht in Betracht, weil die Kirchstraße ohnehin eng ist.

Sperrmüll in Hadamar: „Ein wenig kulantes Verhalten“

Aus Sicht von Bernd Caliari wäre das aber vertretbar gewesen, da die Zeitspanne zwischen Herausstellen und Abholen kurz ist. Er sagt: „Es ist bundesweit übliche Praxis, dass die Bereitstellung von sperrigen Abfällen und Abfallsammelbehältern im Straßenraum im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Abfallentsorgung von den Städten und Gemeinden am jeweiligen Abholtag ohne Erteilung einer Sondernutzungserlaubnis geduldet wird. Andernfalls wäre die Abfallentsorgung in vielen Siedlungen auch gar nicht möglich. Peter Wilhelmy, Leiter des Ordnungsamts der Stadt Hadamar, sieht das grundsätzlich ähnlich, gibt aber zu Bedenken, dass Gehwege eben zum Gehen sind, also frei bleiben müssen.

Darüber, dass die Müllwerker in Oberzeuzheim nicht den gesamten Sperrmüll eingesammelt haben, könne er nur den Kopf schütteln, sagt der Leiter des Ordnungsamts. „Wenig kulant“ sei deren Verhalten. Und für Elke Immel wird der Ärger noch größer werden. Denn da der AWB als nächsten Abholtermin den 8. September festgesetzt hat, muss sie ihren Sperrmüll und den hinzugewonnenen zwischenlagern - und zwar nicht auf der Parkfläche oder auf dem Gehsteig vor ihrem Haus. Sie muss also den Abfall wegräumen. Das sei nun mal die Vorschrift des Ordnungsamts, sagt Wilhelmy. Oder sie entscheidet sich für die Alternative, die Bernd Caliari vom Abfallwirtschaftsbetrieb anbietet. Sie bestellt für rund 80 Euro eine Expressabholung. (Von Anken Bohnhorst)

Ärger mit Müll gibt es auch in Frankfurt: Trotz regelmäßiger FES-Touren wird der Abfall in Eschersheim einfach auf die Wiese gekippt. Anwohner fordern eine Lösung. Ein großer Müllberg empörte zudem die Anwohner in Frankfurt-Unterliederbach.

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