Sie sorgen dafür, dass Hadamar blüht: Julia Koppel, Ramazan Taylan (Mitte) und Praktikant Kevin Seip kümmern sich zusammen mit zwei anderen Gärtnern des Bauhofs um die Natur in der Kernstadt und den Ortsteilen.
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Sie sorgen dafür, dass Hadamar blüht: Julia Koppel, Ramazan Taylan (Mitte) und Praktikant Kevin Seip kümmern sich zusammen mit zwei anderen Gärtnern des Bauhofs um die Natur in der Kernstadt und den Ortsteilen.

21 Mitarbeiter hat der Bauhof der Stadt Hadamar

"Ich freue mich, wenn es bunt ist"

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Vier von ihnen sorgen nicht nur dafür, dass alles funktioniert, sondern auch dafür, dass alles schön ist: die Gärtner

Hadamar -Sie sind für die Visitenkarte der Stadt zuständig. Und werden damit auch selbst zum Aushängeschild, und manchmal auch zum Vorbild und zur Inspirationsquelle - immer dann, wenn jemand ein Beet besonders originell oder einen Kreisel besonders schön findet oder eine Blühwiese besonders bunt. "Es ist wichtig, dass die Menschen sehen, dass man ohne Steine und Schotter schöne Beete machen kann", sagt Ramazan Taylan. Und ohne großen Aufwand.

Ramazan Taylan weiß, wie das geht. Er ist gelernter Staudengärtner und inzwischen seit vier Jahren beim Bauhof der Stadt Hadamar beschäftigt. Seitdem gibt es in den Beeten und auf den Kreiseln der Stadt mehr als nur Sträucher und Bodendecker. "Wir haben jetzt mehr Augenmerk auf die Beete", sagt Stefan Henninger, der Chef des Bauhofs. Da lasse er seinen Gärtnern auch freie Hand. Das Ziel ist klar: Schön soll es sein - und pflegeleicht.

Und wenn es dann noch die Insekten ernährt, ist es umso besser. "Wir freuen uns alle, wenn die Insekten ins Beet fliegen", sagt Julia Koppel, eine der vier Gärtnerinnen und Gärtner, die inzwischen beim Hadamarer Bauhof beschäftigt sind. Jeder mit seinem Spezialgebiet. Ramazan Taylan ist der Staudenexperte, Julia Koppel ist gelernte Baumschulgärtnerin, Jens Sommer ist für die Blühwiesen zuständig und Silke Hannappel für die Bepflanzung der Blumenkübel.

Früher waren meist die Kübel bunt - vor allem rot und rosa. 1200 Geranien haben die Bauhofmitarbeiter jedes Jahr gesetzt, und das war es. Jetzt blüht es immer und überall und in allen möglichen Farben. Ramazan Taylan und seine Kollegen haben in den vergangenen Jahren Tausende von Stauden gepflanzt.

Allein im Kreisel in Niederhadamar waren es 1800 Stück, in mehr als 60 Sorten, pro Quadratmeter sechs Stück, immer drei je Sorte zu einer Gruppe, damit die Pflanze auch gleich auffällt und damit es nicht so auffällt, wenn mal eine kaputtgeht. Bevorzugt Salbei, Sonnenhut und Steinquendel, weil die Bienen und Schmetterlingen viel Nahrung bieten, weil sie immer wieder blühen, und weil sie auch mit Trockenheit und dem lehmigen Hadamarer Boden gut klarkommen. Und wo es gar nicht anders ging, wurde die Erde ausgetauscht und gegen Mutterboden ersetzt.

Der Bauhof hat

jede Menge Aufgaben

Am Anfang habe das alles sehr viel Arbeit bedeutet, sagt Ramazan Taylan. Aber inzwischen nicht mehr. Die Stauden sind groß. Inzwischen besteht die Arbeit im Beet vor allem aus Unkraut zupfen - in manchen Beeten alle paar Wochen, in manchen nur ein paar Mal im Jahr. Mehr geht auch gar nicht: Schließlich haben die vier Gärtner des Bauhofs noch jede Menge andere Aufgaben. Rasen mähen zum Beispiel, im Schnitt alle zwei Wochen. Für zehn Hektar Rasen in allen sechs Ortsteilen sind die Gärtner zuständig.

Sechs Friedhöfe müssen sie zudem in Ordnung halten, die Spielplätze der Stadt ebenfalls. Und Müll sammeln müssen sie auch: Jeden Monat heben die Bauhofmitarbeiter 20 bis 30 Kubikmeter Müll auf und schaffen ihn weg. "Wir machen alles, was zur Stadt gehört", sagt Stefan Henninger. Und wenn es drauf ankommt, müssen alle ran: etwa bei Hochwasser beim Sandsäckefüllen, beim Aufstellen der Absperrungen - und, wenn das Wasser weg ist, beim Aufräumen der Ufer.

Im Herbst macht vor allem das Laub den Gärtnern Arbeit, Wanderwege müssen freigeschnitten, Bachränder gesäubert werden. Im Winter werden die rund 5500 Gemeinde-Bäume beschnitten, außerdem muss das Baumkataster auf dem neusten Stand bleiben. Und dann sind da ja noch die Maschinen, die gepflegt und gewartet werden müssen. "Bei uns ist immer was zu tun", sagt Ramazan Taylan. Und vielleicht gefällt ihm auch gerade deshalb seine so gut. Vor allem, wenn er raus kann. Es mache ihm Spaß, etwas für die Natur zu tun, sagt er. "Und ich freue mich, wenn es bunt ist."

Und es freut ihn und seine Kollegen, wenn sie damit anderen eine Freude machen. Wenn Kollegen aus anderen Städten kommen, um sich die Blühwiesen anzuschauen und nach Pflegetipps und der Samenmischung fragen, wenn die Hadamarer stehen bleiben und mal laut sagen, dass ihnen die Stadt besser gefällt, seit fast alle Beete mit Stauden und Gräsern bepflanzt sind.

Aber er und seine Kollegen ärgern sich auch immer wieder, wenn sie sehen, dass die Leute einfach durch die Beete laufen, sie als Hundeklo betrachten, ihren Müll reinwerfen, ihre gelben Säcke drauflegen oder rausreißen, was ihnen gefällt. "Wir wünschen uns, dass die Leute Rücksicht nehmen", sagt Ramazan Taylan. "Wir machen unsere Arbeit doch für die ganze Bevölkerung."

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