Wie soll es für die Kinder der Kita St.Peter in Niederzeuzheim weitergehen, fragt Sabine Hirler (Mitte) von Bündnis 90/Die Grünen. Sie wirft der Stadt vor, das Neubauprojekt zu verschleppen.
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Wie soll es für die Kinder der Kita St.Peter in Niederzeuzheim weitergehen, fragt Sabine Hirler (Mitte) von Bündnis 90/Die Grünen. Sie wirft der Stadt vor, das Neubauprojekt zu verschleppen.

Platzmangel in Niederzeuzheim

Kita platzt aus allen Nähten - Stadt Hadamar plant Neubau

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Bündnis 90/Die Grünen werfen der Stadt vor, das Kita-Neubauprojekt zu verzögern. Dies sei ein schlechtes Signal an junge Familien.

Hadamar -"44 Kinder suchen einen Kita-Platz", lautet die Überschrift über einem Brandbrief von Sabine Hirler, Vorsitzende des Ortsverbands Hadamar von Bündnis 90/Die Grünen. Die 44 Kinder, um die es geht, leben mit ihren Familien in Niederzeuzheim, und dort möchten sie auch in den Kindergarten gehen. Doch die Einrichtung im Stadtteil, die Kita St. Peter, ist marode, und die derzeit genehmigten 65 Plätze reichen nicht. Darauf hätten die Eltern Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) bereits 2016 aufmerksam gemacht, sagt Carmen Fritz, die die Eltern der Kita vertritt. Auch die räumliche Situation sei ungünstig, weil lediglich zwei Gruppen im Kindergartengebäude untergebracht sind, die dritte Gruppe ist im Pfarrhaus. Somit könnten die Kinder aus der dritten Gruppe nicht mit ihren Kameraden aus dem Haupthaus zusammenspielen. Eine Turnhalle gebe es in der Kita St. Peter ebenfalls nicht.

Dass Handlungsbedarf besteht, sei schon zu jener Zeit klar gewesen, sagt Carmen Fritz. Auch im Rathaus, bestätigt Ruoff. Allerdings nicht für die Jahre 2016/2017, als regelmäßig zwischen 45 und 50 Kinder in St. Peter betreut worden seien. "Wir haben in diesen genannten Jahren keine Planungen verschleppt - es waren keine gesonderten Planungen erforderlich, da zu diesem Zeitpunkt genügend Plätze für die Anzahl der zu betreuenden Kinder vorhanden waren", sagt Ruoff. Dennoch habe man für die Zukunft geplant.

Denn zu Jahresbeginn 2019 luden der Träger der Kita, der Verwaltungsrat der Kirchengemeinde, und das Bistum die Stadt Hadamar zu einem ersten Gespräch am runden Tisch ein. "Es wurde gemeinsam über die Gesamtsituation der Kita und insbesondere über die Raum- und Ausstattungssituation zur Betreuung der zu erwartenden zukünftigen Kinder diskutiert", sagt Ruoff. Wegen der Kosten seien bereits bei den Haushaltsberatungen 2019 für die Jahre 2022/2023 "vorsorglich für einen Neubau Zuschüsse der Stadt in Höhe von 1,4 Millionen Euro in die Finanzplanung aufgenommen" worden. Der Vorwurf von Grünen-Frau Sabine Hirler, die "Priorisierung der Lebenssituation von jungen Familien passte wohl nicht in die Haushaltsplanung ab 2017", ist nach Ruoffs Aussage falsch.

Weniger Plätze wegen Inklusion

Falsch sei auch, dass die Stadt nicht ausreichend Kita-Plätze anbieten könne. Richtig sei allerdings, dass die Kita-Platz-Situation gesamtheitlich für die Stadt gesehen werde, sagt Klaus Steinebach, bei der Verwaltung zuständig für die Kindertagesstätten. Tatsächlich könnten nicht alle Anmeldungen für Niederzeuzheim in Niederzeuzheim berücksichtigt werden. Das liege auch am Angebot von Integrationsplätzen. So zeige die Planung schon heute, dass in der Kita St. Peter im laufenden Jahr vier bis fünf Integrationskinder betreut werden, so dass wegen der gesetzlichen Vorgaben für Inklusionslösungen für bis zu zehn Kinder eine Betreuung nicht ermöglicht werden könne. Die könnten aber in Kitas in anderen Stadtteilen gehen.

Freie Plätze gebe es in den kirchlichen Einrichtung in Oberzeuzheim und Steinbach; die kommunalen Kindergärten in Hadamar und Niederhadamar hätte ebenfalls freie Valenzen. Für die Kinder aus Niederzeuzheim und deren Eltern bedeutet das allerdings, dass sie in einen anderen Stadtteil gefahren werden müssten. Aus Sicht der Grünen ist das unzumutbar und widerspricht der Verpflichtung der Stadt, ausreichende Plätze zur Verfügung zu stellen. "Das bedeutet, dass betroffene Eltern durch eine Kita-Platz-Klage bei zuständigen Verwaltungsgericht Wiesbaden die Stadt Hadamar in eine unangenehme finanzielle Situation durch Ausgleichszahlungen bringen könnten."

Dabei ist die Stadt Bürgermeister Ruoff zufolge durchaus tätig. Mit den Verantwortlichen der Lahn-Kinderkrippenorganisation überlege man, im Kernstadtbereich eine neue zwei- bis dreigruppige Betreuungseinrichtung zu realisieren, sagt der Bürgermeister. Außerdem liege seit Mitte Dezember 2020 ein Konzept zur Umsetzung eines zukünftigen Waldkindergartens in Oberzeuzheim vor. "Der Verein Waldkindergarten Wildlinge wünscht und plant als gemeinnützige Organisation, noch in diesem Jahr im Stadtgebiet Hadamar die Kinderbetreuung in einem nach den gesetzlichen Bestimmungen des Sozialgesetzbuches entwickelten Waldkindergarten anzubieten."

Die Grünen halten das gesamte Angebot zur Kinderbetreuung dennoch für ungenügend. Sabine Hirler spricht von "schlechten Signalen an junge Familien" und schreibt in ihrem Brief: "Die Verantwortlichen sollten sich fragen, warum sie es durch die Verschleppung des Kitaausbaus ihren Bürgerinnen und Bürgern so schwer machen, in einer zeitgemäßen und modernen Stadt Hadamar leben zu können." Das seien "toxische Signale" und "Zustände aus dem letzten Jahrhundert", und "sollten sich diese Missstände verstärken, gehen wir sehenden Auges in eine düstere Zukunft".

Carmen Fritz, Vertreterin der Kita-Eltern von St. Peter, sagt, für ihre fünfjährige Tochter werde der Neubau der Kita in Niederzeuzheim vermutlich nicht mehr interessant sein, weil sie bei dessen Fertigstellung dem Kita-Alter entwachsen sei. Aber sie hat auch einen Sohn. Der ist jetzt zwei Jahre alt.

Gemeinsame Initiative für die Vergabe von Kita-Plätzen

Was brauchen die Kinder und deren Familien, was können die Einrichtungen bieten, und was die Träger leisten? Um Bedürfnisse und Angebote zu gewichten und zusammenzuführen, haben die Hadamarer Kitas und Kinderkrippen, deren kirchliche und freie Träger im Stadtgebiet, die Stadt sowie gewählte Elternvertreter vor drei Jahren die Initiative "Qualität vor Ort" entwickelt. Das Netzwerk setze sich "aktiv für gemeinsame Qualitätsmaßstäbe im Bereich der frühen Bildung ein", sagt Diplom-Pädagogin Annemarie Lobenhofer, die das Projekt seit Beginn koordiniert. Das Netzwerk erhält von der Stadt eine jährliche Finanzspritze in Höhe von 3000 Euro.

Ein Hauptanliegen des Gemeinschaftsprojekts ist die Vergabe von Kinderbetreuungsplätzen im Stadtgebiet, bestätigt auch Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). "Die Mitglieder des Netzwerks haben in Zusammenarbeit mit der Stadt eine vereinfachte Vorgehensweise zur Beantragung und Zuweisung eines Kinderbetreuungsplatzes in den Betreuungseinrichtungen im Stadtgebiet bewirkt." So gebe es für die Kitas und Kinderkrippen Vormerklisten mit verbindlichen Kriterien für die Aufnahme von Kindern, die im Stadtgebiet leben und betreut werden sollen. Eltern können Präferenzen angeben und ihre "Wunsch-Kita" sowie zwei weitere Optionen wählen.

Die Kita-Verwaltung der Stadt Hadamar organisiert mit allen Verantwortlichen der Kitas und der Kinderkrippen jährlich drei bis vier Gespräche zur Platzvergabe. Dabei werden Betreuungsmöglichkeiten für jene Kinder gefunden, die keinen Platz in der Wunsch-Kita der Eltern erhalten haben. Ihnen werden Betreuungsplätze in anderen Einrichtungen im Stadtgebiet angeboten. Die Akzeptanz für dieses Modell wachse, sagt Bürgermeister Ruoff: "Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass wir in guter und zielorientierter Zusammenarbeit vielen Eltern die frühkindliche Betreuung ihrer Kinder ermöglicht haben.

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