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Projekt

Krankenpflegeschüler reflektieren über das Sterben, um später besser darauf vorbereitet zu sein

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„Pflege am Ende des Lebens“ heißt das Projekt, mit dem sich die angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger der Vitos-Klinik gegen Ende ihrer Ausbildung befassen. Denn eine würdige Begleitung in der letzten Lebensphase könne nur anbieten, wer sich mit dem eigenen Tod auseinandergesetzt hat, sagt Thomas Link, stellvertretender Leiter der Krankenpflegeschule.

Eine Woche dauert das Projekt der angehenden Vitos-Gesundheits- und -Krankenpfleger. Eine Woche, in der das Sterben aus sehr verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Welche kulturellen und religiösen Aspekte gibt es? Wie lässt sich ein letzter Wunsch erfüllen? Was ist palliative Versorgung, wie ist der Hospizgedanke auszudeuten, und was sind die Symptome des Todes? Wie verarbeiten die Angehörigen und auch die Betreuer oder Pflegekräfte den Tod eines Menschen, eines alten, dessen Lebenskreis sich geschlossen hat, und eines jungen, dessen Zukunft zu kurz war, um sich zu entfalten?

Um diese Fragen geht es unter anderem beim Projekt „Pflege am Ende des Lebens“. Der zentrale Punkt aber ist, über den eigenen Tod nachzudenken. Denn „nur durch Selbstreflexion kann man anderen helfen“, sagt Thomas Link, stellvertretender Leiter der Krankenpflegeschule in Hadamar. Der würdige Rahmen zum Abschied verlange Empathie und die Bereitschaft, sich auf den Sterbenden einzulassen. „Es ist eine Herzensangelegenheit“, sagt Palliativ-Expertin und Vitos-Lehrerin Christina Göbel. „Mit vielen bewegenden Momenten“, ergänzt die Krankenpflegeschülerin Sarah Lahnstein (22) – und einem echten Schocker zu Beginn der Projekttage.

„Hallo meine lieben Mitsterbenden!“ So begrüßte Thomas Link die Schüler. Dieser Satz lasse niemanden unberührt. Er prallt nicht ab. Er durchdringt die „Powergesellschaft“, wie der stellvertretende Schulleiter das gesellschaftliche Miteinander der Gegenwart bezeichnet, in der das Sterben immer mehr weggeschoben wird. Der Tod kommt nicht nach Hause, sondern findet in Krankenhäusern und Hospizen statt. Das ist die Wirklichkeit. Präsent ist er dennoch.

Dafür müsse man sich sensibilisieren, bestätigt Ilayda Bayrakci (23). Wer sich mit Sterben und dem Tod befasst, könne sich vorbereiten und „einen Plan vom Ende“ entwickeln. Tröstlich sei das, sagt die junge Frau. Das hat sie selbst während ihrer Ausbildung erlebt, als sie eine junge Mutter auf ihrem letzten Lebensweg begleitete. Die Schwerstkranke habe ihr Leben bis zuletzt ausgeschöpft und sei dann friedlich eingeschlafen. „Das war schön, so wie es war“, sagt Ilayda Bayrakci. Es geht darum, den Tod zu akzeptieren, nicht gegen ihn anzukämpfen. Nicht dem Leben mehr Tage zu geben, sondern die Tage mit mehr Leben zu füllen, formuliert Link.

Dass die Pflege am Ende des Lebens dennoch für Traurigkeit sorgen kann, sei klar und natürlich, sagt Sarah Lahnstein. Aber wie hält man diese Belastung aus? Wie hilft man den Angehörigen, und wie trägt und erträgt man selbst das Schicksal? Indem man sich der Endlichkeit des Daseins bewusst sei, stimmen Ilayda Bayrakci und Sarah Lahnstein überein. Die Gefühle, die nach einer würdevollen Pflege und Sterbebegleitung überwiegen, seien Dankbarkeit und Demut für das eigene Leben. Und Zuversicht. Zum Abschluss der Projektwoche bekommen die Gesundheits- und Krankenpflegeschüler eine Powerballade der britischen Rockband Queen mit auf den Weg: „Who Wants to Live Forever?“. Ein weiterer Schocker? Nein, finden die angehenden Gesundheits- und Krankenpflegerinnen. Sie sind bereit und vorbereitet fürs Leben, auch auf dessen Ende.

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