Anja Obermann von der Bürgerinitiative "Wir für Hadamar" stellt sich am 14. März zur Bürgermeisterwahl.
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Anja Obermann von der Bürgerinitiative "Wir für Hadamar" stellt sich am 14. März zur Bürgermeisterwahl.

Die Wahl zum Bürgermeister am 14. März in Hadamar

Leidenschaft und Taktik

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Anja Obermann von der Bürgerinitiative "Wir für Hadamar" will den Amtsinhaber Michael Ruoff ablösen

Hadamar -Als vor einigen Tagen die Football-Teams der Kansas City Chiefs und der Tampa Bay Buccaneers um den US-amerikanischen Super-Bowl spielten, war Anja Obermann dabei. Zu Hause, in ihrem Wohnzimmer in Oberweyer schaute sie zu, wie die Männer in ihren Kunststoff- und Lederrüstungen ineinanderkrachten - und welche Spielzüge die Sportler aus Florida schließlich zum Sieg führten. Aktives und passives Blocken etwa, um den Gegner zur Seite zu schieben und dem Quarterback Platz zu verschaffen. Dazu rasante Spurts, präzise Würfe und Schüsse. Auf jeden Fall eine durchdachte Taktik, darauf kommt es bei diesem Spiel an. Anja Obermann weiß das. Sie hat eine Leidenschaft für American Football, und sie hat eine Leidenschaft für Taktik und Strategie. Und wenn die für sie selbst aufgeht, dann wird Anja Obermann Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt.

Ihre bisherige Taktik war allerdings eher defensiv, räumt die 50-jährige Finanzexpertin und Controllerin der Stadtwerke Hofheim am Taunus ein. "Ich bin bislang zu sehr im Hintergrund geblieben", sagt sie. Dass sie bereits von 2011 bis 2016 Mitglied des Magistrats der Stadt Hadamar war, wissen nur wenige. Auch welche Arbeit dieses Gremium leistet, sei kaum bekannt. Im Magistrat wird selten gepoltert. Dabei hat Anja Obermann zum Beispiel für die Verwaltung den Wirtschaftsplan für den Eigenbetrieb Wasserversorgung entwickelt.

Mit Zahlen, Daten und Fakten städtischer Haushalte kennt sie sich aus. Über ihre Fähigkeit, wirtschaftliche Zusammenhänge zu erfassen und erklären zu können, kam Anja Obermann auch 2009 zur Bürgeriniative "Wir für Hadamar", WfH, deren Spitzenkandidatin sie jetzt ist. Sie sollte der Gruppe einen Vortrag über kommunale Buchführung, über Doppik und Kameralistik halten, erzählt sie.

So sei man sich politisch näher gekommen, und so landete Anja Obermann vor zehn Jahren über die Stadtverordnetenversammlung im Magistrat. Dann unterbrach sie aus privaten Gründen ihr kommunalpolitisches Engagement. Bis zu ihrem Geburtstag im letzten Sommer. WfH-Sprecher Johannes Müller und Fraktionsvize Andreas Alfa gratulierten und fragten, ob sie nicht wieder für ein Mandat im künftigen Stadtparlament kandieren wolle. "Willst du mit auf die Liste?" Anja Obermann antwortete: "Nein, ich will Bürgermeisterin werden". Hadamar brauche eine Alternative, fand sie und formulierte das sehr klar. Die überwiegend mit Männern bestückte Wählergruppe stimmte zu.

Die WfH "weiß, worauf sie sich mit mir eingelassen hat", sagt sie. Das ist nicht kokett, sondern ehrlich. Sie kandidiere für das Bürgermeisteramt, nicht für das Spitzenamt der Bürgerinitiative. Sie will Politik für alle Hadamarer machen, ohne durch Fraktionszwänge eingeengt zu werden, betont die Kandidatin. "Fraktionszwang ist mit mir nicht möglich." Deshalb sei für sie auch weder eine Mitgliedschaft bei der CDU noch bei der SPD vorstellbar. Eine Zusammenarbeit allerdings schon, sagt sie. "Ich will mit allen arbeiten." Denn es geht nicht um Parteipolitik, sondern um Menschen und deren Themen, sagt sie.

Sie will herausfinden, welche Sorgen oder Bedenken die Bürger haben und dann ehrlich und transparent erklären, was geht und was nicht. Sie weiß, dass man aus einer Hauptstraße keine Spielstraße machen kann, aber man muss trotzdem versuchen, eine Lösung zu finden.

Außerdem muss man zupacken können, sagt sie. Auch das habe sie bewiesen: Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie ihr Fachwerkhaus in Oberweyer renoviert, hat Fliesen und Laminat verlegt und Wände verputzt. Anja Obermann mag Projekte. Sie mag einen gezielten und planvollen Einsatz von Ideen und Ressourcen, darauf kommt es ihr an. Kein blinder Aktionismus, keine sinnlosen Spielzüge. Und vor allem kein langer Pass ins Seitenaus.

Podiumsdiskussion

Wie soll es in den kommenden sechs Jahren für Hadamar weitergehen? Darüber diskutieren Amtsinhaber Michael Ruoff (CDU) und seine Herausforderin Anja Obermann (WfH) am Montag, 22. Februar, 19 Uhr, mit NNP-Redaktionsleiter Sebastian Semrau und Redakteurin Anken Bohnhorst. Seien Sie im Live-Chat ebenfalls dabei und stellen Sie Ihre Fragen. Wir übertragen die Diskussion im Live-Stream: fnp.de/event-hadamar.

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