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Tausende Fahrzeuge passieren täglich die Ortsdurchfahrt von Niederzeuzheim. Bündnis 90/Die Grünen fordert, dass es dabei künftig wenigstens leiser zugeht.

Verkehrsbelastung im Stadtteil

Ortsdurchfahrt: Ein bisschen Ruhe muss sein

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Grüne fordern ein Tempolimit und eine Verkehrsinsel für Niederzeuzheim. Hessen Mobil widerspricht der Stadt Hadamar.

Hadamar -Knapp einen Kilometer lang sind die Hohl- und die Kapellenstraße im Hadamarer Stadtteil Niederzeuzheim. Die beiden Straßen bilden die Ortsdurchfahrt, die nach Einschätzung von Bündnis 90/Die Grünen täglich rund 9000 Fahrzeuge passieren. Der Lindwurm aus Fahrzeugen macht Krach, weil die Lastwagen scheppern und die Autos beschleunigen oder kreischend abbremsen oder weil die Fahrer hupen. Und das Verkehrsaufkommen ist gerade für Fußgänger gefährlich.

Den Anwohnern reicht es jedenfalls, sagt die Hadamarer Grünen-Vorsitzende Sabine Hirler. Deshalb hat sie sich vor einigen Tagen an einem sehr frühen Spätherbstmorgen mit einigen Parteifreunden an den Rand der Ortsdurchgangsstraße gestellt, das Fahrverhalten beobachtet und Flugblätter verteilt.

"Niederzeuzheim braucht (etwas) Ruhe", steht da. "Seit vielen Jahren ringen die Anwohner der Hohl- und Kapellenstraße mit der Verwaltung der Stadt um eine Verkehrsberuhigung auf den Wegen vor ihren Häusern", heißt es in dem Papier. Immer mehr Fahrzeuge seien unterwegs. Der Schwerlastverkehr nehme zu, während gleichzeitig der "öffentliche Nahverkehr nicht bedarfsgerecht optimiert wird". Und das sei nicht etwa ein Niederzeuzheimer Exklusiv-Problem. Vielmehr spitze sich auch in den Stadtteilen Faulbach, Steinbach, Oberzeuzheim und Oberweyer die Lage zu.

Forderungskatalog

mit vier Punkten

Die Situation sei kritisch, sagt Hirler und verweist auf den Vier-Punkte-Forderungskatalog der Grünen für Niederzeuzheim: Lkw ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht sollen in der Hohl- und Kapellenstraße künftig höchstens 30 Stundenkilometer fahren dürfen. Der Tempo-30-Bereich soll von der Schule bis zu den Bahngleisen und auch auf den anderen Ortsausgang in Richtung Dornburg ausgedehnt werden. Außerdem sollen mehr Blitzer installiert und die vorhandenen modernisiert werden, und die Grünen möchten eine Verkehrsinsel anlegen lassen, die die Fahrer zum Abbremsen nötigt. Die Verwaltung solle endlich handeln. Denn sie trage gemeinsam mit der Mehrheitsfraktion im Hadamarer Stadtparlament, den Christdemokraten, die Verantwortung.

Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) sagt: "Das stimmt - alles: Es gibt viel zu viel Verkehr in Hadamar, und ein großer Teil davon ist vermeidbar." Das könne man täglich erleben. Große Autos würden für kleine Strecken bewegt. Nur könne die Verwaltung das Autofahren eben nicht verbieten. Die Einsicht, weniger zu fahren, müsse bei jedem Bürger selbst reifen. Ebenso die Akzeptanz für den öffentlichen Personennahverkehr, ÖPNV, für das Jobticket der Landesregierung etwa, das in der Wahrnehmung des Bürgermeisters nur sehr verhalten in Anspruch genommen wird. Dass der ÖPNV dennoch ausgebaut wurde, habe im übrigen zur Verkehrsberuhigung beigetragen.

Bushaltestellen zur

Verkehrsberuhigung

"Im Bereich der Kapellenstraße 31 konnten weitere Bushaltestellen eingerichtet werden, um eine bessere Erreichbarkeit des ÖPNV für die Bürger in Niederzeuzheim zu gewährleisten", sagt Stadtsprecher Peter Martin-Pietsch. "Auf diese Weise erfährt der Straßenverkehr zugleich eine Beruhigung, da Linienbusse nun direkt auf der Straße halten müssen und so den nachfolgenden Verkehr verlangsamen."

Allerdings gebe es in Niederzeuzheim noch ganz andere Hürden, die die Verwaltung nicht überwinden kann, sagt Ruoff: Für den Schwerlastverkehr gibt es keine Ausweichmöglichkeit. Es gibt keine Umgehungsstraße. Dazu kommt, dass die Durchgangsstraße eine Landesstraße ist. Aber "dafür sind wir als Stadt gar nicht zuständig", sagt Ruoff. Die Verwaltung habe daher keinen Gestaltungsspielraum. Eine weitere Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30, wie sie die Grünen fordern, sei nur als Lärmschutzmaßnahme durchführbar. Die wiederum verlange Messungen, die die Verkehrsbehörde Hessen Mobil durchführen muss. Das sei aber noch nicht erfolgt, sagt Martin-Pietsch, "so dass objektive Aussagen zu den Lärmbelastungen bislang nicht möglich sind. Hier werden wir bei den zuständigen übergeordneten Behörden erneut den Sachstand anfragen".

Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil, bestätigt zwar, dass die Ortsdurchfahrt eine Landesstraße ist. Dennoch sei in diesem Fall nicht Hessen Mobil, sondern die Stadt Hadamar die zuständige Straßenverkehrsbehörde, weil es sich "um eine Landesstraße in einer kreisangehörigen Gemeinde mit 7500 bis 50 000 Einwohnern" handelt, Für eine "dauerhafte Geschwindigkeitsreduzierung in der Ortsdurchfahrt" sei somit die Verwaltung "der richtige Ansprechpartner". Danach könnte also die Stadt Hadamar dort durchaus eine dauerhafte Geschwindigkeitsreduzierung anordnen, "sofern dies mit der Straßenverkehrsordnung vereinbar ist".

Im Ermessen der

örtlichen Behörde

Und Sonja Lecher sagt weiter: "Straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen können zum Schutz der Anwohner auch bei Verkehrslärm getroffen werden, wenn durch ihn die Gesundheit gefährdet ist." Eine Verpflichtung zur Anordnung einer straßenverkehrsrechtlichen Maßnahme gebe es jedoch nicht. "Diese liegt im Ermessen der örtlich zuständigen Verkehrsbehörde", stellt die Sprecherin von Hessen Mobil klar.

Für die Installation einer Fußgängerampel, von Fußgängerüberwegen oder anderen Querungsmöglichkeiten für Fußgänger, wie sich den Grünen vorschweben, gibt es Lecher zufolge klare Einsatzkriterien, die das Hessische Verkehrsministerium definiert hat. Danach müssen "in den Spitzenstunden mindestens 30 Schulkinder" die Straße überqueren oder "zeitgleich mindestens 600 Fahrzeuge pro Stunde gezählt beziehungsweise mindestens 50 Fußgängerquerungen und zeitgleich mindestens 750 Fahrzeuge pro Stunde, damit eine Fußgängerampel empfohlen" werde. Die Kosten dafür würde dann Hessen Mobil übernehmen.

Für Niederzeuzheim entscheide letztlich die Stadt über die Einrichtung einer neuen Fußgängerquerung als Zebrastreifen oder Fußgängerampel, sagt Lecher. Sie müsse dann eine entsprechende verkehrsrechtliche Anordnung treffen. Nach Auffassung der Grünen und nach deren Verkehrszählung hätte die Stadt dazu die Möglichkeit. Anken bohnhorst

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