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Dieser Bodendeckerbambus, ein Zwergbambus aus Japan, muss von Thomas Uecker regelmäßig gemäht werden.

Urwald mitten in der Stadt

Pfarrer Thomas Uecker baut im heimischen Garten 34 Bambussorten an

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Aus einer Wiesenumgestaltung bei Thomas Uecker ist ein richtiger Urwald entstanden. Der Bambus sprießt hier in die Höhe. Und eine Sorte ist für den evangelischen Pfarrer selbstverständlich.

Wer die Stadt Hadamar in Richtung Hundsangen mit dem Auto verlässt, der wird zwangsläufig in den Bann der wunderschönen Allee auf der Alten Chaussee gezogen. Auch in den zahlreichen Vorgärten der Villen und Wohnhäuser sind Bäume, Sträucher und Blumenarrangements zu sehen. Doch es gibt noch ein weiteres Naturkleinod, dass sich eher im Hintergrund befindet und von kaum einem der vielen Autofahrer bemerkt wird. Die Rede ist vom Arrangement 34 verschiedener Bambussorten auf dem 4000 Quadratmeter großen Grundstück von Thomas Uecker.

Betritt man die Fläche hinter dem Wohnhaus der Familie Uecker, kommt man in eine Welt, die nichts mit dem Westerwald und dessen Vegetation zu tun hat. Meterhohe Bambusarrangements wiegen sich im Wind und erzeugen ein Bild von einem Urwald, der kaum zu durchdringen ist.

Auffallend ist die Artenvielfalt. Da steht der über zehn Meter hohe „Zauberbambus“ (Huangyan-Wubujizhu) neben Bodendecker-Bambus aus Japan „der gemäht werden muss“, erzählt Thomas Uecker. Er hat sich eher durch Zufall dem Hobby „Bambus“ zugewendet. Vor 13 Jahren hatte er die Aufgabe übernommen, die 4000 Quadratmeter große Wiese hinter seinem Wohnhaus „mit zwei Kirschbäumen“ umzugestalten. „Wir hatten keinen Schatten und die Sonne brannte auf das Grundstück“, erzählt der evangelische Pfarrer. „Wir haben uns Gartentrends im Internet angesehen, da tat sich eine hochspannende Welt auf.“ Mit dem Ergebnis das erweckte Interesse an einer Bambusbaumschule in Süddeutschland zu befriedigen.

Für Uecker ging es dann darum, Pflanzen zu bekommen, die sich im eher kühlen Klima unserer Breiten wohlfühlen. So gibt es Bambussorten aus den Tropen, die hier keine Überlebenschancen haben. Dennoch besitzt er eine solche Pflanze, die aber in einem Kübel sitzt und bei Temperaturen unter fünf Grad ins warme gebracht werden muss.

Nichts zu tun ist aber auch bei diesen Pflanzen nicht. So muss rundherum ein Sperre bis in einen Meter Tiefe angebracht werden, um ein Ausufern zu verhindern. Denn Bambus verbreitet sich durch die Wurzel im Erdreich recht schnell. Ansonsten sind die Gräser in einem Lehmboden unproblematisch und ziemlich pflegeleicht. Denn auch heftiger Schneefall kann ihnen nichts anhaben. Sie sind so elastisch, dass sie unter schweren Schnee bis auf den Boden gedrückt werden, um sich dann im Frühjahr wieder aufzurichten. „Sie geben nach und brechen nicht“, sagt Uecker. Im Winter braucht ein Bambus aber Wasser. „Der erfriert nicht, sondern vertrocknet.“

Stellt man Thomas Uecker die Frage nach dem Nutzen einer Bambuspflanze, wird diese mit einem Lächeln beantwortet. Denn in unseren Breiten kann kaum von einem Ertrag gesprochen werden – außer man nimmt den Bambus um Panflöten oder Bienenhotels zu basteln. Anders sieht das da in vielen asiatischen Ländern aus, wo die Pflanze unter anderem für den Bau von Baugerüsten oder sogar von Fahrrädern genutzt wird. Und es gibt auch Sorten, deren Sprossen als Delikatesse gekocht werden. „Dafür ist aber hier kein Markt“ erzählt Uecker, der von einer weiteren Besonderheit dieser Pflanze berichtet. So blühen alle Bambussorten gemeinsam alle 60 bis 100 Jahre gleichzeitig. „Der Mensch erlebt in seinem Leben nur eine Blüte.“

Eine Pflanze hat eine Lebensdauer von bis zu acht Jahren und ab einem Alter von drei Jahren ernähren sie Ableger. Auffallend ist aber das Wachstum: Innerhalb von nur wenigen Tagen kann ein Bambus schon Mal einen Meter an Höhe gewinnen, so wie der Hohe Heckenbambus (Guaijun zhy) der eine Höhe von bis zu sechs Metern erlangen kann. Als evangelischer Pfarrer war es aber für Uecker auch selbstverständlich, einen Weihrauchbambus im Sortiment zu haben. „Da muss man die Blätter zwischen den Fingern rubbeln und schon verbreitet sich der Duft von Weihrauch“, sagt er.

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