+
Ganz entspannt und in perfekter Haltung: Johannes Kölsch nutzt die neuen Räume des Pool-Billard-Vereins Limburg.

Entspannte Sportler

Der Pool-Billard-Verein Limburg hat ein neues Heim

  • schließen

Seit rund drei Monaten ist wieder Leben in dem Laden in der Gymnasiumstraße 11 in Hadamar – wenn es auch ganz besondere Mieter sind: Der Pool-Billard-Verein Limburg, lauter ganz entspannte Sportler. Diese stehen jedoch auch vor Herausforderungen.

Wenn ein vorsichtiges Fingerschnipsen das größte Lob ist und es schon als psychoterrorverdächtig gilt, wenn der Gegner vor Spielende sein Spielgerät zur Seite stellt, wenn der Boden genauso schallgedämmt ist wie die Spielfläche und auch an den Wänden nichts die Sinne ablenkt – dann wird Billard gespielt. Und zwar richtig. Nicht irgendwo im Hinterzimmer einer Kneipe – sondern sportlich, ligareif. Der Pool-Billard-Verein Limburg spielt erstklassig.

Die 1. Mannschaft hat bis zum Ende der Saison in der Oberliga gespielt – und da will sie auch wieder hin. Johannes Kölsch, der Erste Vorsitzende des Vereins, ist zuversichtlich, dass sie das auch schafft. Schließlich sind die Trainingsbedingungen jetzt perfekt.

Seit drei Monaten hat der Pool-Billard-Verein ein neues Heim. Sieben Tische stehen in dem Raum in der Gymnasiumstraße 11 in Hadamar. An den Wänden flackert und blinkt nichts, bislang hängen da nur ein Bild von New York und das Vereinslogo. Wenn Musik läuft, dann nur leise, und der Teppichboden schluckt den Rest des Schalls.

Aber in der Trainingszeit wird sowieso nur wenig gesprochen – nichts soll die Spieler ablenken. Pool Billard ist ein Konzentrationssport. Wer gerade den überüberübernächsten Spielzug plant, der will nicht, dass nebenan gequatscht wird, der braucht Licht auf dem Tisch und so viel Zeit, wie er eben braucht. Das hat nicht immer funktioniert, als der Verein noch in einem Billard-Bistro in Staffel trainiert hat. Johannes Kölsch formuliert es so: „Billard-Bistros und Vereine haben oft unterschiedliche Interessen.“

Jetzt haben alle dasselbe Ziel: viel Platz und Ruhe, um trainieren zu können. Insgesamt sieben Tische stehen den Spielern zur Verfügung. Das sind genug, um auch mal mannschaftsübergreifend trainieren zu können. Denn das sei wichtig, schließlich könne man von den anderen immer etwas lernen, sagt Johannes Kölsch. Und das soll auch so bleiben, wenn einer der Pool-Tische rauskommt und durch einen Snooker-Tisch ersetzt wird. „Um eine andere Zielgruppe anzusprechen.“

Rund 200 Quadratmeter Platz hat der Verein in seinen neuen Räumen – Platz genug für die Tische, eine Theke, Sitzecke, einen Fernseher und vernünftige Toiletten. Es sei ein Glück, dass der Verein den Raum habe, sagt Johannes Kölsch. Es sei gar nicht so einfach gewesen, ein Lokal zu finden, das groß genug, ohne Hindernisse erreichbar und bezahlbar ist. Und dann noch an einer Hauptstraße in der Stadtmitte gelegen.

Natürlich ist die Miete eine finanzielle Herausforderung. „Wir haben lange überlegt, ob wir uns auf dieses Wagnis einlassen“, sagt Johannes Kölsch. Aber der Kassenwart habe einen professionellen Wirtschaftsplan aufgestellt. Dann habe der Verein in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einstimmig entschieden, dass er die Unabhängigkeit vorzieht.

„Und es war die richtige Entscheidung.“ Die Vereinsmitglieder können trainieren wann und wie lange sie wollen, und sie können sich auch mal zum Feiern treffen.

Der Verein ist auch attraktiver geworden. Mit 23 Mitgliedern ist er Mitte Mai nach Hadamar umgezogen, inzwischen sind es 32. Natürlich sind die Mitgliedbeiträge mit 50 Euro pro Monat für Liga-Spieler ziemlich hoch – aber je mehr Mitglieder, auf umso mehr Portemonnaies können die Kosten verteilt werden. Außerdem sucht der Verein noch Sponsoren – in der großen Schaufensterfläche ist genug Platz für jede Menge Werbung.

Und der Verein wirbt weiterhin um neue Mitglieder. Am Sonntag, 5. August, ist wieder ein „Billardturnier für jedermann“. Von 12 Uhr an steht ein 8-Ball-Turnier auf dem Plan, das Einspielen beginnt um 11.30 Uhr. Eingeladen sind erfahrene Spieler und alle, die einmal Pool-Billard spielen und noch etwas dazulernen wollen. Und das könnten die typischen Kneipenspieler auf alle Fälle, sagt Johannes Kölsch lachend: dass sie nicht so draufholzen sollen zum Beispiel, dass es auf die Handhaltung ankommt.

„Kneipenspieler erkennt man in der Regel daran, dass sie ein bisschen zu feste spielen“, sagt Johannes Kölsch. Dabei könne man mit Leichtigkeit viel präziser stoßen. Die richtige Körperhaltung sei wichtig und natürlich müsse man lernen, sich auch mal über Stunden konzentrieren zu können. Alles andere sei eigentlich im Menschen angelegt. „Kugeln treffen ist in jedem Kopf drin.“

Physik ist nicht das Problem: Man müsse keine Einfalls- und Ausfallswinkel oder Geraden und Kurven berechnen können, sagt Johannes Kölsch. Aber je mehr Erfahrung der Spieler hat, umso besser kann er die Wirkung seiner Stöße vorausberechnen und umso mehr Spielzüge kann er planen. Deshalb sei Pool-Billard eigentlich auch ein guter Sport für ältere Menschen.

Im Verein sind Männer und Frauen im Alter von Mitte 20 bis Mitte 50, wobei die Männer eindeutig in der Überzahl sind: Bislang kommen gerade mal zwei Frauen. Was Johannes Kölsch und die anderen bedauern. Sie träumen von einer reinen Damenmannschaft.

Derzeit gibt es im Verein eine gemischte Mannschaft; und auch das funktioniert. „Wir sind ganz unterschiedliche Leute im Verein“, sagt Johannes Kölsch. Aus allen Berufsgruppen, manche sogar von weit her. Einige wollen sportliche Erfolge, andere vor allem zum Spaß spielen. „Aber alle sind ganz entspannt“. Denn darauf komme es an: Dass man den Alltag ausblenden kann, wenn man am Tisch steht, „sonst trifft man nichts“.

zum Pool-Billard-Verein und zum Billardturnier für jedermann gibt es per E-Mail, kontakt@billard-limburg.de, oder bei Johannes Kölsch, (0160) 94 81 51 83.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare