Erleichterung über den Sieg: Bürgermeister Michael Ruoff (rechts) mit seiner Frau Doro und Wahlleiter Rainer Schmidt.
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Erleichterung über den Sieg: Bürgermeister Michael Ruoff (rechts) mit seiner Frau Doro und Wahlleiter Rainer Schmidt.

Bürgermeisterwahl in Hadamar

Ruoff bleibt im Amt - mit elf Stimmen Vorsprung

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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50,1 Prozent für den Bürgermeister, Achtungserfolg für seine Herausforderin.

Hadamar -Michael Ruoff (CDU) bleibt Bürgermeister der Stadt Hadamar. Er bekommt 50,1 Prozent der Stimmen, seine Herausforderin Anja Obermann (WfH) fährt 38,5 Prozent ein, der parteilos angetretenen Kandidat Frank Speth 11,4 Prozent. Der Vorsprung des Amtsinhabers ist hauchdünn: Elf Stimmen hat er mehr als seine Mitbewerber. Die Wahlbeteiligung lag bei 47,3 Prozent

Um 19.26 Uhr ist der Wahlkrimi vorbei. Das amtliche Endergebnis weist Bürgermeister Michael Ruoff als Sieger aus. 2187 Bürger haben ihm ihre Stimme gegeben. Anja Obermann bekommt 1679. Frank Speth, der zu diesem Zeitpunkt längst den großen Sitzungssaal im Rathaus verlassen hat, kann 497 Stimmen für sich verbuchen. Der Kandidat Speth aus dem Stadtteil Oberweyer beschließt bereits kurz vor 19 Uhr, dass seine Ambitionen auf das Bürgermeisteramt beendet sind. "Man muss auch verlieren können", sagt er in die Runde. "Das gehört zur Demokratie." Er wird bei dieser Entscheidung keinen Erfolg landen können. Allenfalls in Oberweyer, seiner Heimatgemeinde, kassiert er einen Stimmenanteil von 35,3 Prozent. Doch ein Zwischenergebnis für die gesamte Stadt weist ihm zu diesem Zeitpunkt mit rund 14 Prozent einen weit abgeschlagenen Platz zu. Nach dem Auszählen aller Stimmen wird sich dieser Wert weiter verringert haben.

"Hofheim wird jetzt

langsam nervös"

Bis dahin aber liefern sich Michael Ruoff und Anja Obermann phasenweise ein spannendes Rennen: Nur 45,2 Prozent für Amtsinhaber Ruoff um 19.08 Uhr: Die Herausforderin rangiert da bei 41,5 Prozent - und wird erstmals an diesem Abend ein wenig unruhig. Allerdings nicht, weil die Zahlen sie dem Bürgermeisterzimmer immer näher bringen. Das sehe sie gelassen, sagt die Kandidatin. "Nur Hofheim wird jetzt langsam nervös." In der Stadt Hofheim im Taunus ist Obermanns Arbeitgeber, die dortige Stadtverwaltung, deren Mitarbeiter mit der WfH-Kandidaten mitfiebern, aber begrüßen würden, wenn sie ihnen erhalten bliebe.

Michael Ruoff ist inzwischen sprach- und ratlos. Die Ergebnisse liegen deutlich unter seinen Erwartungen. In Niederzeuzheim hat er nur 30,3 Prozent der abgegebenen Stimmen eingefahren, Obermann 49,1 und Speth 20,6 Prozent. "Die Obergasse", sagt Ruoff, die Kosten für die Straßensanierung, die die Anlieger, bezahlen müssen, das müsse die Erklärung sein. Dabei habe seine Gegenkandidatin den Anwohnern auch nicht versprechen können, dass die Maßnahme billiger oder gar beitragsfrei wird. Er versteht die Wahlergebnisse nicht. Irgendetwas müsse dort schiefgelaufen sein. Nur was?

Noch schiefer ist es in Oberzeuzheim gelaufen. Auch hier entfallen lediglich 37,6 Prozent der Stimmen auf den Amtsinhaber, 50,6 Prozent gehen an Obermann, 11,8 Prozent an Speth. Ruoff vermutet "Demonstrationswähler", die ihrem Ärger Luft gemacht haben.

"Nullergebnis"

in Niederweyer

Ein paar Minuten später relativieren sich die Zahlen für Oberzeuzheim ein wenig, als Peter Martin-Pietsch, Sprecher der Stadt, erklärt, dass in die Zahlenreihe von Oberzeuzheim auch die Werte von Niederweyer eingeflossen sind. Niederweyer habe ein sogenanntes Nullergebnis: Weniger als 50 Stimmen wurden dort im Wahllokal, dem Gemeinschaftsraum des Dorfes, abgegeben, weshalb die Stimmzettel einem anderen Wahlbezirk zugeschlagen und gemeinsam mit diesem ausgezählt werden, sagt Martin-Pietsch. Das sei keine Hadamarer Besonderheit, sondern eine wahlgesetzliche Vorgabe.

Für Ruoff bleibt das Ergebnis unbefriedigend. Abgesehen von der Kernstadt mit Niederhadamar und dem kleinen Stadtteil Steinbach hat er die anderen Stimmbezirke verloren. Er bleibt unruhig. Eine Stichwahl gegen Anja Obermann rückt in den Bereich des sehr Möglichen.

Ruoff ist mittlerweile sichtbar angespannt. Was sonst, sagt er: Jetzt komme es auf die Ergebnisse der Briefwahlbezirke an. Davon hängt die Wahl ab. Drei Briefwahlbezirke sind für die Stadt festgelegt worden. Im zuerst ausgezählten räumt Anja Obermann mit 44,8 Prozent den Sieg ab. Ruoff taumelt auf ein Niveau von 35,4 Prozent. Im nächsten Bezirk schiebt der Bürgermeister sich auf 44,9 Prozent und leicht an Obermann vorbei, die 43,1 erringt. Und dann, es ist 19.26 Uhr, präsentiert Peter Martin-Pietsch das Ergebnis des dritten Briefwahlbezirks und das amtliche Endergebnis. In diesem zuletzt ausgezählten Bezirk haben sich 60,9 Prozent der Wähler für den Amtsinhaber ausgesprochen. Diese Zahl rettet ihm den Sieg: 50,1 Prozent der abgegebenen Stimmen, elf Kreuzchen mehr als seine Konkurrenten zusammen. Es ist geschafft. "Ich habe mein Ziel voll erreicht", sagt er erleichtert. Das Ziel lautete: 50 Prozent plus "x".

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