So funktioniert klimafreundliche Pflege (von links): Dr. Jörg Rau und Gerd Zimmermann vom BUND-Kreisverband haben das Awo-Sozialzentrum in Hadamar mit dem Umweltpreis "Süße Orange" ausgezeichnet. Über den Preis freuen sich Anja-Christina Hesse, Melanie Frey und Iris Bausch-Berg vom Sozialzentrum.
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So funktioniert klimafreundliche Pflege (von links): Dr. Jörg Rau und Gerd Zimmermann vom BUND-Kreisverband haben das Awo-Sozialzentrum in Hadamar mit dem Umweltpreis "Süße Orange" ausgezeichnet. Über den Preis freuen sich Anja-Christina Hesse, Melanie Frey und Iris Bausch-Berg vom Sozialzentrum.

"Süße Orange 2020"

Sie pflegen klimafreundlich

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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Awo-Sozialzentrum Hadamar mit Umweltpreis des BUND-Kreisverbands Limburg-Weilburg ausgezeichnet.

Hadamar -Treppe statt Aufzug, die Marmelade nicht mehr portionsweise verpackt, sondern aus dem großen Glas in die kleine Glasschüssel auf den Tisch, auch mal ganz auf Fleisch verzichten und natürlich LED-Energiesparlampen statt Stromschlucker. Es müssen nicht immer die großen Maßnahmen sein, die helfen, die Umwelt zu schützen. Und jeder kann mitmachen - auch im Altenheim. Das Sozialzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Hadamar hat das schon vor drei Jahren erkannt und engagiert sich seitdem beim Projekt "Klimafreundlich pflegen". Das sei mustergültig, sagt der BUND-Kreisverband Limburg - und hat das Sozialzentrum mit dem BUND-Umweltpreis "Süße Orange 2020" ausgezeichnet.

Der Umweltverband wolle mit der Auszeichnung eine vorbildlich arbeitende Einrichtung der AWO würdigen, sagte Gerd Zimmermann, der Vorsitzende des Kreisverbandes. Und damit auch die gute Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Blickfeld rücken. "Und gerade jetzt in Coronazeiten verdient sie höchste Anerkennung."

Auch was das Engagement für den Umweltschutz angeht. Im Sommer 2018 hatte das Awo-Sozialzentrum begonnen, die Mitarbeiter und Bewohner über das Projekt "Klimafreundliche Pflege" zu informieren - und zu motivieren. Mit jeder Menge Informationen und Ideen, wie jeder mithelfen kann, die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 einzuhalten. Auch sie und ihre Kolleginnen hätten viel gelernt, sagt Melanie Frey, sie war als bisherige Leiterin der sozialen Betreuung in der Sozialstation für das Projekt verantwortlich. "Es ist beeindruckend, dass man den Klimaschutz selbst in der Hand hat."

30 Prozent

weniger Müll

Die Klimaschutzbilanz der Sozialstation kann sich sehen lassen: Rund 30 Prozent des Mülls haben die Aktionen eingespart, beim Strom ist die Bilanz nicht ganz so beeindruckend: Da konnten nur drei Prozent eingespart werden, was aber daran liegt, dass das Gebäude erst vor zehn Jahren energetisch saniert wurde und da nicht mehr viel rauszuholen war. "Wir wollen unsere Bewohner ja auch nicht frieren lassen", sagt Iris Bausch-Berg, die Einrichtungsleiterin. Was die Sozialstation für ihren C02-Fußabdruck getan hat, lässt sich nicht so leicht messen, aber immerhin hat sie ein Zertifikat mit Klima-Effizienzklasse C bekommen.

Und das eigentlich ohne großen Aufwand. "Es hat Spaß gemacht und viele auch im Privaten animiert, beim Klimaschutz mitzumachen", sagt Melanie Frey. Und die Bewohner waren ebenfalls mit Begeisterung dabei. Kein Gemecker über die beiden Veggie-Tage, kein Wunsch nach Tomatensalat mit Winter. "Wir hatten am Anfang Bedenken, dass es nach Sparaktion aussieht", sagt Iris Bausch-Berg. Aber Information hilft auch da: In Gesprächskreisen haben die Bewohner gelernt, was der Fleischverzehr mit dem Klima zu tun hat. Beim Mittagessen haben sie gemerkt, dass vegetarisches Essen ebenfalls lecker ist. Und dass es im Winter kein Tomatensalat sein muss, habe den Menschen auch schnell eingeleuchtet.

"Früher wurde ja auch nur das verarbeitet, was im Garten wächst.", Und deshalb sei es auch kein Problem gewesen, die Menüpläne auf regionale und saisonale Küche umzustellen, sagt Iris Bausch-Berg. Und das Thema "klimafreundlich kochen" war ein guter Anlass, mit den Bewohnern über das Thema Ernte, und was sich im Laufe der Jahre geändert hat, zu sprechen. Und wieder einmal gemeinsam einzukochen - auch mal selbst geerntetes Gemüse. Denn Gemüsekisten gehören ebenfalls zum Projekt "Klimafreundlich pflegen." Die Bewohner haben sie angelegt, gepflegt und die Früchte geerntet. Und dabei hörte das Engagement für die Umwelt nicht auf: Die Bewohner haben auch Vogelfutter-Stationen gebaut und im Garten aufgehängt.

Es soll

weitergehen

Und damit nicht genug: Besonders anerkennenswert sei es auch, dass das Projekt "Klimafreundlich pflegen" keine Eintagsfliege war, sagte Gerd Zimmermann. Die Awo macht weiter: Für dieses Jahr haben sich Iris Bausch-Berg und ihre Kolleginnen fest vorgenommen, wieder beim "Nationalen Klimarettertag" und bei den anderen Angeboten des Projekts Klimaretter - Lebensretter der Viamedica-Stiftung mitzumachen. Außerdem haben sie sich zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen allein im Bereich Ernährung um fünf Prozent zu senken. Und überhaupt den CO2-Fußabdruck der Einrichtung um drei Prozent zu verkleinern.

Dass Awo-Sozialzentrum sei ein würdiger Preisträger der "Süßen Orange", sagte Gerd Zimmermann. "Wir hoffen, dass unsere Auszeichnung auch andere Menschen und Einrichtungen ermuntert, sich für das wichtige Ziel Klimaschutz zu engagieren."

Die Einrichtung

Das Awo-Sozialzentrum Hadamar wurde 1978 in Betrieb genommen, damals hatte die Pflegestation 1 Platz für 38 Bewohner. Inzwischen gibt es 139 vollstationäre Plätze - in 79 Einzelzimmern und 30 Doppelzimmern. Dazu kommen 20 Service-Appartements und 18 Seniorenwohnungen. Insgesamt werden in der hauseigenen Küche etwa 3000 Portionen pro Monat zubereitet. Rund 140 Mitarbeiter in der Einrichtung beschäftigt.

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