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Robin Wukits, Matthias Siegel und Thomas Henninger (von links) entführten mit ihrer Trompetenmusik in die Zeit des Barock.

Ungewohnte Trompetentöne

Die Trompeten schmetterten los und erfüllten die gesamte Kirche mit ihrem Ton, die Orgel erklang, der Paukenschlag übertrug sich auf die Holzbänke und die Körper der Zuhörer.

Von HEIKE LACHNIT

Die Trompeten schmetterten los und erfüllten die gesamte Kirche mit ihrem Ton, die Orgel erklang, der Paukenschlag übertrug sich auf die Holzbänke und die Körper der Zuhörer. Wer die Augen schloss, fühlte sich wie auf einem fürstlichen Bankett. Jeden Moment könnten Adlige durch die Gänge wandeln. Denn dies war keine Musik aus dem Hier und Jetzt, sondern katapultierte die Anwesenden zurück in den Barock. Denn früher im Fürstentum war es undenkbar, dass nicht jeder Hof sein Trompetenensemble hatte. Es diente als Signalgeber, spielte in der Kirche und zu festlichen Anlässen.

Zum ersten Liebfrauenkonzert der Saison hatte die Kulturvereinigung Hadamar das Weilburger Trompetenconsort eingeladen. Matthias Siegel, Robin Wukits und Thomas Henninger spielten die Barocktrompete, begleitet von Martin Buschmann an der Orgel und Lukas Oberbauer am Schlagzeug. Zusammen führten sie durch die barocke Musik. Neben dem musikalischen Hörgenuss gab es eine Einführung in die Entwicklung der Trompete.

Das Konzert war etwas Besonderes, weil die Musiker auf historischen Instrumenten spielten und damit einen ganz eigenen, für den Barock typischen Klang erzeugten. Matthias Siegel erklärte die Entwicklung von der Barocktrompete zur heutigen Trompete. Die historischen Instrumente besitzen keine Ventile, die Töne werden durch die Lippenbewegungen und durch Erzeugung verschiedener Luftdrücke erzeugt. Dagegen haben die nachgebauten Trompeten Löcher und Bögen, um verschiedene Töne und Tonarten zu spielen. Die Musiker nahmen die Zuhörer auf einen Spaziergang mit von der deutschen Barockmusik mit „Marcia“ von Carl Philipp Emanuel Bach bis hin zu französischer Musik mit „La Manche Royalle“ von André Dancian Philidor l’ainé.

Martin Buschmann zeigte mit seinem Spiel das ursprüngliche Wesen der Orgel, das nicht für die Kirchenmusik bestimmt war, sondern für fröhliche Tanzmusik. Dies demonstrierte er an einer Tanzsuite aus dem 16. Jahrhundert sowie an Variationen von „Unter der Linden grüne“ des niederländischen Komponisten Jan Pieter Sweelinck.

Um das Wesen der Trompete in all ihren Facetten darzustellen, machten die Musiker einen Sprung ins Mittelalter. Robin Wukits und Thomas Henninger spielten zwei Trompetenconsorts ohne Anpassungen und schmetterten die Töne in die Kirche. Da sie nur drei Töne erzeugen konnten, nahm Matthias Siegel das Kornetto, ein flötenähnliches Instrument, für die liebliche Untermalung zur Hand. Es bedarf übrigens nicht viel, um trompetenähnliche Töne zu erzeugen, wie Henninger und Siegel anhand von Gartenschläuchen demonstrierten. Die Töne verändern sich mit den unterschiedlichen Längen der Schläuche.

Siegel erläuterte, dass wir heute bestimmte Musik nicht mehr gewohnt sind, wenn die Töne in anderen Hertz-Bereichen erzeugt wurden. So erschienen manche Töne im ersten Moment sehr ungewöhnlich, erzeugten im Zusammenspiel jedoch einen wunderbaren Klang. Benjamin Britten schrieb die „Fanfare for St. Edmunfsbury“, in der drei verschiedene Barocktrompeten unterschiedliche Melodien mit unterschiedlichem Takt spielen, um hinterher gemeinsam zu erklingen. Etwas ungewöhnlich fügten sich die drei Trompeten zu einer Einheit zusammen. Der letzte Ton vibrierte am Ende im Ohr.

Der krönende Abschluss dieses ungewöhnlichen Konzerts war die „Suite D-Dur“ von Georg Friedrich Händel, die mit bekannten Melodien in einem neuen historischen Gewand präsentiert wurde. Die Zuhörer bedankten sich mit langanhaltendem Applaus.

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