Im Neubau der Vitos-Klinik in Hadamar werden nach der Schließung in Weilmünster 20 neue stationäre Plätze geschaffen, wie Vitos-Geschäftsführer Martin Engelhardt (rechts), im Bild mit Klinikdirektor Prof. Christoph Fehr, mitteilt.
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Im Neubau der Vitos-Klinik in Hadamar werden nach der Schließung in Weilmünster 20 neue stationäre Plätze geschaffen, wie Vitos-Geschäftsführer Martin Engelhardt (rechts), im Bild mit Klinikdirektor Prof. Christoph Fehr, mitteilt.

Schließung in Weilmünster

Vitos-Klinik reduziert stationäre Psychiatrie – personelle Engpässe sind Schuld

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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In Weilmünster bietet die Vitos-Klinik zukünftig keine stationäre psychiatrische Versorgung mehr an. Dafür soll die Kapazität in Hadamar um 20 Betten erweitert werden.

Hadamar – Die Vitos-Klinik beendet ihre stationäre psychiatrische Versorgung am Standort Weilmünster und wird das Betreuungs- und Behandlungsangebot zum 1. Oktober in Hadamar konzentrieren. 38 Betten fallen in Weilmünster weg, 20 neue stationäre Plätze werden in Hadamar geschaffen. Das bestätigte Vitos-Sprecherin Susanne Rosa gegenüber dieser Zeitung. Die psychiatrische Klinik sei während der letzten Zeit "nicht mehr voll ausgelastet" gewesen. Das Coronavirus habe auch dort seine Spuren hinterlassen. Vorrangiger Grund sei aber der zunehmende personelle Engpass in Weilmünster.

Das bestätigt auch Vitos-Geschäftsführer Martin Engelhardt. Er erläutert die Hintergründe der Entscheidung so: "Die angespannte Personallage stellt uns schon seit langem vor Herausforderungen, die sich jüngst noch einmal zugespitzt haben. Wir sind gezwungen, Angebote zu konzentrieren und damit Kräfte zu bündeln. Die Patienten werden nach wie vor in ihrer Wohnortnähe umfangreiche psychiatrische Angebote von Vitos finden."

Vitos-Klinik: Unterbringungskomfort ist in Hadamar höher

Derzeit hat die psychiatrische Klinik in Weilmünster zwei Stationen mit 38 Betten. Dafür sind 27,5 Vollzeitstellen in der Pflege notwendig, sagt Unternehmenssprecherin Susanne Rosa. Doch der pflegerische Dienstplan könne nicht mehr zuverlässig besetzt werden. "Auch im ärztlichen Bereich gibt es zunehmend gravierende Schwierigkeiten, die Bereitschaftsdienste abzudecken." Die stationäre psychiatrische Behandlung ab dem 1. Oktober in Hadamar zusammenzuführen, sei daher nur folgerichtig. Mit dem im Frühjahr bezogenen Neubau haben sich die Kapazitäten dort um etwa 20 Betten erweitert, so dass es Rosa zufolge "nur zu einer geringen Reduzierung der bislang sehr hohe Dichte an psychiatrischen Betten kommt". In der Region bleibe das engmaschige Versorgungsangebot bestehen.

In der Klinik in Hadamar mit über 100 Betten gebe es für die Patienten umfangreiche Therapieangebote, sagt Rosa. Zudem sei der "Unterbringungskomfort deutlich höher" als in Weilmünster. Insgesamt gibt es weiterhin an vier Orten im Landkreis psychiatrische Angebote von Vitos. Neben Hadamar sind Anlaufstellen in Limburg, Weilburg und Weilmünster: Im Marktflecken verbleibe die Ambulanz und in Weilburg sowie Limburg befinden sich eine Tagesklinik und eine Ambulanz. Des Weiteren gibt es seit Anfang des Jahres das Modell "Vitos Behandlung Zuhause". Bei dieser Behandlungsform sucht das Klinik-Team den Patienten in der eigenen Wohnung auf und dort unterstützt die sogenannte stationsäquivalente Behandlung.

Vitos-Klinik: Neben Konzentrierung in Hadmar auch Standortverlagerung nach Weilburg

Darüber hinaus verfolge Vitos auch weiter Pläne, in Bad Camberg eine fünfte Anlaufstelle für psychisch kranke Menschen aufzubauen, berichtet die Unternehmenssprecherin. "Hier kommt der Gesundheitsdienstleister der wachsenden Nachfrage nach teilstationären und ambulanten Angeboten nach."

Momentan sind in der psychiatrischen Klinik Weilmünster in der vollstationären Versorgung vier Ärzte beschäftigt sowie etwa 35 pflegerische Mitarbeiter, einige in Teilzeit. Unterstützt werden sie durch drei Psychologen und weiteren Spezialtherapeuten. Susanne Rosa: "Für alle wird es ein Angebot geben, weiterhin am Vitos Klinikum Weil-Lahn tätig zu sein. Es besteht auch die Möglichkeit, an anderen Vitos Standorten - etwa in Herborn - zu arbeiten."

Parallel zu der Konzentrierung in Hadamar hält Vitos an dem Vorhaben einer Standortverlagerung von Weilmünster nach Weilburg fest. Dabei gab es bereits Überlegungen, eine psychiatrische Station nach Hadamar zu verlagern. Nach wie vor strebt Vitos an, bei einem Umzug in Weilburg eine geronto-psychiatrische Station zu eröffnen.

Vitos-Klinik in Hadamar: "ein gutes Signal für den Arbeitsmarkt"

Hadamars Bürgermeister Michael Ruoff (CDU), der auch Mitglied im Beirat von Vitos Weil-Lahn ist, reagierte dennoch verwundert auf die Nachricht. Er sei bislang davon ausgegangen, dass die Klinik Weilmünster dem Kreiskrankenhaus Weilburg angegliedert werde. Von einer Verlagerung der stationären psychiatrischen Versorgung nach Hadamar sei nie die Rede gewesen. Für die Stadt Hadamar sei diese Entwicklung gleichwohl positiv, weil sie "ein gutes Signal für den Arbeitsmarkt" sende. Zudem gehe es um die psychiatrische Versorgung und nicht um eine Ausweitung des Maßregelvollzugs.

Im Zuge des Umzugs der Klinik in Weilmünster überlegte die Gemeinde, das Freizeitpotenzial des Klinikgeländes auszubauen und einen Teil touristisch zu erschließen. Der Verein „Gegen Vergessen - Für Demokratie“ zeigt sich jedoch bestürzt über die Planungen – handelt es sich doch um eine Ex-Tötungsanstalt der Nazis.

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