Amtsinhaber Michael Ruoff (CDU) will weitere sechs Jahre Bürgermeister für Hadamar bleiben.
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Amtsinhaber Michael Ruoff (CDU) will weitere sechs Jahre Bürgermeister für Hadamar bleiben.

Bleibt Michael Ruoff (CDU) Bürgermeister der Stadt Hadamar oder nicht?

Wahl in Hadamar: Kurs halten oder Neuausrichtung?

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Jetzt gibt es mit Anja Obermann (WfH) und Frank Speth (parteilos) zwei Herausforderer. Alle drei positionieren sich hier noch einmal

Was wäre Ihre erste Handlung als Bürgermeister?

MICHAEL RUOFF: Es wird bei mir "keine erste Handlung" geben, weil die beschlossenen Projekte weiterlaufen und keine Einarbeitung im Rathaus wie bei den Mitbewerbern nötig ist. Der Kita-Neubau Niederzeuzheim, die Entwicklung des Geländes an der Faulbacher Straße, die Beschaffung der Drehleiter für die Feuerwehr, die Sanierung der Straßen, das Freizeitgelände für Familien und andere Maßnahmen gehen bei mir ohne Unterbrechung weiter. Bei den dann laufenden Haushaltsberatungen wird all meine Erfahrung nötig sein, um die finanziellen Folgen der Pandemie für Hadamar zu bewältigen.

ANJA OBERMANN: Ich kenne das Hadamarer Rathaus gut. Intern würde ich direkt intensive, offene Gespräche mit allen Mitarbeitern führen. Offen zeigen, dass jeder wertgeschätzt wird und wichtig ist. Die notwendigen Veränderungen werden nicht einfach verordnet, sondern alle mit auf den gemeinsamen Weg genommen. Für die Bürgerinnen und Bürger wird sich umgehend der Service ihres Rathauses verbessern - online und vor Ort. Verkehrssicherheit werde ich als Ordnungsbehörde direkt verbessern. Alles Weitere braucht einen ehrlichen Kassensturz.

FRANK SPETH: Zunächst möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus, in der Stadtverwaltung, im städtischen Bauhof und bei den Stadtwerken persönlich vorstellen und für ein gutes, vertrauensvolles, offenes, wertschätzendes und faires Miteinander werben.

Einige Stadtteile haben das Gefühl, abgehängt zu sein. Wie würden Sie damit umgehen?

RUOFF: Gemeinsam mit den Ortsbeiräten, die ich maßgeblich gestärkt habe, wurde viel erreicht. Unsere beschlossenen Dorfplätze, die Sanierung der Dorfgemeinschaftshäuser, die finanzielle Förderung der Kirmes treibenden Vereine, die Sanierung aller Friedhöfe und so weiter zeugen davon. Allein mein Einsatz für den Glasfaserausbau bis in jedes Haus (FTTH), und zwar für alle Stadtteile, jedes Gewerbegebiet und sogar für die Aussiedlerhöfe, macht das deutlich. Wir sollten uns nicht von den anderen Kandidaten verunsichern lassen, die versuchen, Stadtteile und Vereine gegeneinander auszuspielen.

OBERMANN: Zuhören, da sein, vor Ort sein und Taten folgen lassen! Dafür werde ich regelmäßige Bürgersprechstunden in allen Stadtteilen einführen. Zwischen Ortsbeiräten, -vereinen und Rathaus wird eine verlässliche Struktur aufgebaut und das neue Verkehrskonzept wird zu einer Verbesserung des Wohnumfelds beitragen. Mobilität, Digitalisierung und Kinderbetreuung sind Punkte, bei denen ich näher am Bürger sein werde

SPETH: In Hadamar muss das Lebensgefühl stimmen. Unsere Stadtteile haben ihre Traditionen. Die gilt es, wenn möglich, zu bewahren. Das spricht dann an und zieht auch an. Der Öffentliche Personennahverkehr von allen Stadtteilen zur Hadamarer Kernstadt muss verbessert werden. Der Ort des Stadtfestes sollte wechseln und unsere Kernstadt, die Innenstadt und alle Stadtteile abwechselnd zu Gastgebern werden, um das WIR-Gefühl in Hadamar zu stärken.

Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Erinnerungskultur der Stadt?

RUOFF: Ich finde Erinnerungsverantwortung trifft es besser. Deshalb arbeite ich auch eng mit der Gedenkstätte Hadamar zusammen. Während des Aufenthaltes des "Grauen Bus" haben 7000 Personen das Denkmal besucht. Es hat sensibilisiert und klargestellt: Nie mehr! Deshalb habe ich auch mit den Anstoß für eine dauerhafte Errichtung dieses Mahnmals gegeben. Es wird unsere Erinnerungsverantwortung fördern und für den Erhalt unserer Werte unerlässlich sein. Dazu kommt, dass die Gedenkstätte für insgesamt 13,5 Millionen Euro von Bund, Land und LWV neu gestaltet wird.

OBERMANN: Erinnerung hilft Zukunft besser zu gestalten. Die Gedenkstätte auf dem Mönchberg, Stolpersteine, die Synagoge in der Altstadt, ein Denkmal "Grauer Bus" sind Bausteine, die zu einem Konzept vereint werden sollten. Dafür sollte die Synagoge mit geeigneten Mitteln der Stadt, des Fördervereins und mit städtebaulichem Konzept saniert werden. Um im Anschluss durch zum Beispiel Konzerte, Ausstellungen und so weiter die Verbindung zwischen musealem und kulturellem Ort zu sein. Öffnungen an Sonntagen, an Gedenktagen oder als Teil der Stadtführung sollten selbstverständlich werden.

SPETH: Die Geschichte unserer Stadt im Nationalsozialismus war das traurigste und sicher leidvollste Kapitel unserer Hadamarer Stadtgeschichte. Auch heute gilt es diese Zeit kritisch in den Blick zu nehmen. Das fürstliche Hadamar ist nur ein Teil unserer Stadtgeschichte. "Mensch achte den Menschen", in Stein gehauen auf dem Friedhof der Gedenkstätte, ist Verpflichtung und Vermächtnis an uns. Erinnerungskultur ist lebendig.

Was soll nach Ihrer Vorstellung aus dem Konvikt werden?

RUOFF: Am liebsten wäre es uns ja gewesen, wenn wir mit unserer Resolution die beabsichtigte Schließung des Tagesinternats und den Umzug der Domsingknaben verhindert hätten. Generalvikar Rösch hat mir aber zugesagt, dass wir in die weitere Entwicklung des stadtbildprägenden Konvikts und der Flächen eingebunden werden, um unsere Planungshoheit ausüben zu können. Die künftige Nutzung sollte dem Charakter des Hauses entsprechen. Durch die einzigartige Lage wäre eine touristische Verwendung von Vorteil, die gleichzeitig Stadt und Region belebt.

OBERMANN: Vor allem sollte es wieder ein belebter Ort in der Stadt und auch für die Hadamarer werden. Eine Kombination aus Gastronomie, Bildungsstätte, Jugendherberge/Hostel mit Angeboten zur Musikbildung, Freizeit und Kultur sowie der Hadamarer Geschichte wäre wünschenswert. Um herauszufinden, was tatsächlich realisierbar ist, werde ich als Bürgermeisterin umgehend auf den Eigentümer zugehen und sondieren, wie die Stadt sauber und offen in Planungen und Vermarktungen relevant eingebunden werden kann.

SPETH: Ich kann mir vorstellen, dass man das Konvikt mit wenig Aufwand zu einem internationalen Jugendbegegnungszentrum/Friedenszentrum (um) gestalten könnte. Unsere Stadt Hadamar ist finanziell leider nicht in der Lage, die Immobilie zu erwerben. Als Bürgermeister möchte ich dazu Gespräche mit dem Bund und dem Land Hessen führen und meine Idee vorstellen.

Wie sieht "Ihre" Stadt in sechs Jahren aus?

RUOFF: Wir haben das Image der früheren Jahre abgelegt. Die positive Entwicklung wird überall anerkannt und die Identifikation der Bürger mit der Stadt hat sich verbessert. Das Stadtjubiläum feiert man begeistert und mit allen Stadtteilen. Das verbesserte Image schafft es, bisher verschlossene Türen zu öffnen und mehr Investoren zu begeistern, weil es in Limburg nicht mehr genügend Flächen gibt. In der Kernstadt wird wieder mehr gewohnt und gelebt, so dass die Stadtmarke "Stadt zum Leben" greift. Besucher genießen den Rosengarten und verweilen danach auf unseren Plätzen.

OBERMANN: Ganz klar, Hadamar wird eine Stadt sein, in der die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Anliegen gerne ins Rathaus kommen. Die neue Kita in Niederzeuzheim steht und die Stadtteile fühlen sich nicht mehr als vernachlässigte Anhängsel. In Hadamar ist dringend benötigter Wohnraum entstanden. Für die Altstadt sind konkrete städtebauliche Programme beschlossen, die den Leerständen und der Verödung entgegenwirken. Hadamar ist als hessische Klimakommune moderner, digitaler und sicherer geworden.

SPETH: Ich hoffe, dass sich unsere Stadt Hadamar zu einer noch besseren, vertrauensvolleren, offeneren, wertschätzenderen, faireren, innovativeren und charmanteren hessischen Kleinstadt entwickelt, in der das politische und gesellschaftliche Miteinander dann zu einer noch größeren Selbstverständlichkeit geworden ist und in der alle Bürgerinnen und Bürger gerne wohnen, arbeiten, sich engagieren und miteinander leben möchten.

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