Auf dem alten Bolzplatz zwischen Mehrzweckhalle und Feuerwehr könnte der "Wildlingsplatz" der Waldkindergartenkinder entstehen.
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Auf dem alten Bolzplatz zwischen Mehrzweckhalle und Feuerwehr könnte der "Wildlingsplatz" der Waldkindergartenkinder entstehen.

Kinderbetreuung in der Fürstenstadt

Waldkita oder Wohnungsbau in Oberzeuzheim?

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Der Hadamarer Verein Wildlinge favorisiert den alten Bolzplatz für seinen "Wildlingsplatz"

Hadamar -Geht es nach den Vorstellungen des Vereins Waldkindergarten Wildlinge, dann werden demnächst 20 kleine Jungen und Mädchen auf dem alten Bolzplatz zwischen Mehrzweckhalle und Feuerwehr ihren "Wildlingsplatz" haben - mit einer Schutzhütte als Rückzugsort. Rund 200 Meter entfernt davon ist das Waldstück, das die Familie von Walderdorff zur Verfügung stellen will und in dem die Wildlinge die Natur entdecken und erkunden können.

Das Konzept für dieses alternative Betreuungsangebot präsentierten jetzt die Vereinsvorsitzenden Miriam König und Lydia Schmidt-Köroglu im Ortsbeirat Oberzeuzheim. "Wir schaffen einen Kindergarten der besonderen Art, eine Kita ohne Dach und ohne Mauern, wo Kinder mit den Bäumen wachsen und Schmetterlinge lachen hören", sagte König. Kita-Plätze seien nach ihrer Information derzeit Mangelware, und eine Einrichtung mit diesem Schwerpunkt gebe es in der Stadt Hadamar augenblicklich nicht. Deshalb habe sich der gemeinnützige Verein gegründet.

Noch viel

Klärungsbedarf

Allerdings habe man zunächst auch andere Kita-Standorte im Dorf betrachtet, etwa das Freizeitgelände am Ortsrand. Hier ist die Stadt Eigentümerin des Platzes, während das Sportlerheim dem Verein gehört. Da dieses Gebäude kaum genutzt werde, könnte es den Wildlingen als Schutzraum dienen, sagte Miriam König. Zudem sei eine Toilettenanlage vorhanden, und die Küche könne mitbenutzt werden. Gegen diesen Standort sprechen nach Ansicht von Claudia Giebeler vom Sportverein jedoch die Fälle von Vandalismus, bei denen das Freizeitgelände immer wieder verwüstet und vermüllt würde. Wenn hier ein offener Unterstand für die Kinder angelegt würde, könne man davon ausgehen, dass sich dort nachts Camper niederlassen, sagte sie.

Für Ortsbeirätin Karin Stähler (FWG) steht fest: Es gibt noch viel Klärungsbedarf, und dass der bis zum 1. September, dem anvisierten Starttermin des Wildlinge-Vereins, befriedigt sein wird, hält sie für ausgeschlossen. Auch eine Abstimmung darüber, ob der Ortsbeirat das Projekt unterstützen wird oder nicht, erfolgte nicht. Ehe das Gremium eine Stellungnahme abgebe, müsse der Magistrat die Angelegenheit beraten. Der habe den Verein vor Kurzem aufgefordert, ein Finanzierungskonzept vorzulegen, hatte Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) in der letzten Stadtverordnetenversammlung berichtet. Ein Träger-Konzept sowie ein Konzept zur Umsetzung des Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung und auch ein Hygieneplan liegen Ruoff zufolge vor. Darüber hinaus soll der Verein die "erforderliche dauerhafte Trägerschaftsgarantie" nachweisen. "Der Magistrat bittet in diesem Zusammenhang um Vorlage einer Liste der interessierten Eltern aus dem Stadtgebiet Hadamar, die bereits beim Verein registriert sind", sagte der Bürgermeister. Man brauche Planungssicherheit. Die besteht nach Angaben der Vereinsvorsitzenden. "Wir sind keine Öko-Mütter", stellte Miriam König denn auch im Ortsbeirat klar. Die Nachfrage nach dem geplanten Waldkindergarten sei groß. Am kommenden Montag haben sie und Lydia Schmidt-Köroglu jedenfalls Gelegenheit, das alternative Betreuungsangebot im Magistrat vorzustellen.

Andere Überlegungen

für das Areal

Erst danach könnte der Ortsbeirat von der Verwaltung zu einer Stellungnahme zu den Wildlingen aufgefordert werden. Und spätestens dann wird sich das Gremium erneut mit der Möglichkeit befassen, den Bolzplatz zum Wildlingsplatz umzuwidmen. Denn tatsächlich gibt es für das Areal auch andere Überlegungen, erklärte Ortsbeirat Joachim Zimmermann (CDU) und präsentierte die Idee, das Bolzplatz-Areal in Bauplätze umzuwandeln. Eine ähnliche Idee stellte auch Karin Stähler vor. Sie könne sich hier beispielsweise Reihenhäuser für junge Familien vorstellen. Denn wenn in Oberzeuzheim das geplante Freizeitgelände realisiert werden sollte, habe man neben anderen kleineren Aufenthaltsplätzen im Dorf ausreichend Freizeitflächen. Ein kleines ökologisch verträgliches Wohnquartier im Ort findet auch Sabine Hirler von Bündnis 90/Die Grünen attraktiv. Einigkeit herrscht im Ortsbeirat darüber, dass der Bolzplatz kurzfristig "auf Vordermann gebracht werden soll", fasste Joachim Zimmermann zusammen. "Es muss kein Luxusplatz werden. Aber ansehnlich soll er schon sein."

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