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Die für das Runkeler Bestattungswesen zuständigen Alexander Collée und Claudia Janevski zeigen einen Gemeinschaftsbaum mit Trauertafeln.

Verwahrloste Gräber

Wie gut werden die Gräber in der Region gepflegt?

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  • Rolf Goeckel
    Rolf Goeckel
  • Anken Bohnhorst-Vollmer
  • Petra Hackert

Am kommenden Sonntag ist Totensonntag, der Gedenktag für die Verstorbenen. In jüngster Zeit häufen sich Berichte, nach denen es immer mehr Gräber gibt, die nicht ausreichend gepflegt werden. Wie ist die Situation in der heimischen Region? Und welche neuen Trends gibt es bei Bestattungen?

„Festzustellen ist, dass die Pflege-Moral in den letzten Jahren stetig nachlässt“, sagt der Sprecher der Stadt Limburg , Johannes Laubach auf die Frage, ob es Probleme bei der Grabpflege in Limburg gibt. „Dies ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass der Personenkreis, dem die Grabpflege noch wichtig ist, aus gesundheitlichen Gründen oftmals nicht mehr in der Lage dazu ist“, sagt er. Die Stadt sei für den Hauptfriedhof in der Kernstadt sowie für die Friedhöfe in den Stadtteilen verantwortlich. Die Grabstätten auf den Stadtteilfriedhöfen seien häufig in einem gepflegteren Zustand als die Grabstätten auf dem Hauptfriedhof, so Laubach. Der Grund: „In den Stadtteilen wohnen auch meist noch Angehörige vor Ort. In der Kernstadt ist die Fluktuation wahrscheinlich größer.“

Wenn ein Grab ungepflegt sei, werde der Verfügungsberechtigte angeschrieben und gebeten, das Grab in Ordnung zu bringen. Seien keine Angehörigen bekannt oder zu ermitteln, erfolge eine öffentliche Bekanntmachung in dieser Zeitung sowie ein Hinweis auf dem Grab selbst. Werde die Aufforderung zu pflegen, nicht befolgt, könnten Reihengräber von der Friedhofsverwaltung abgeräumt, eingeebnet und eingesät werden. Bei Wahlgräbern könne das Nutzungsrecht an dem Grab entzogen werden, erläutert Laubach. Mangelnde Pflege könne die Stadt als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von fünf bis 1000 Euro ahnden.

„Mehr verwahrloste Gräber“

Problematischer ist die Situation auch in Hadamar sagt Mareike Junkert, zuständig für die Friedhofsverwaltung bei der Stadt. Tatsächlich gibt es „deutlich mehr verwahrloste Gräber als früher“, sagt sie. Die Ursachen hierfür seien vielfältig: Die Angehörigen können das Grab aus Alters- oder Kostengründen nicht mehr pflegen, wohnen nicht in der Nähe oder haben kein Interesse an der Pflege. Darüber hinaus habe auch die Anonymität bei Angehörigen und Friedhofsbesuchern zugenommen. „Früher hat auch mal jemand das Nachbargrab mitgegossen oder dort Unkraut weggemacht. Das ist heute nicht mehr so“, sagt sie. Diese Anonymität erkläre auch die Entwicklung hin zur Beisetzung in Urnen-Stelen und Urnen-Wänden, bei denen keine Grabpflege erforderlich ist, also ein geringer Pflege-Aufwand besteht.

Großes Lob für Oberselters

In Bad Camberg gibt es hingegen keine Probleme mit verwahrlosten Gräbern. „Einmal im Jahr gehen wir die Friedhöfe ab und schreiben die Leute an, wo etwas nicht in Ordnung ist“, berichte Timo Brands von der Friedhofsverwaltung. Vor zehn Jahren hatte er diese Aufgabe übernommen – mit deutlich mehr Handlungsbedarf. „Damals haben wir vielleicht 60 Leute allein in der Kernstadt angeschrieben, heutzutage sind es dort noch fünf.“ Herausragend sei die Situation in Oberselters. „Die kümmern sich.“

Grundsätzlich ist das Prozedere in der Kurstadt und den Stadtteilen so: Sind deutliche Zeichen von Vernachlässigung zu erkennen, werden die Angehörigen angeschrieben, erklärt Timo Brands. Sind diese nicht ausfindig zu machen, erhält das Grab einen Aufkleber mit der Bitte, sich zu melden oder einen Hinweis zu geben, wer zuständig sein könnte. „Laut Friedhofssatzung könnten wir ein Grab auch abräumen“, sagt Timo Brands. Dazu sei es in seiner Zeit noch nicht gekommen. Manchmal würden Betreffende mehrmals angeschrieben, bevor eine Reaktion erfolgt. „Der nächste Schritt ist dann ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Das haben wir in meiner Zeit aber noch nie eröffnet.“

Zu viel Grabpflege

Probleme mit verwahrlosten Gräbern auf den Friedhöfen der Stadt Runkel gibt es nach Auskunft von Alexander Collée vom Ordnungsamt nicht. „Man muss allerdings konsequent hinterher sein“, sagt er. Es komme zwar vor, dass drei oder vier Gräber längere Zeit nicht mehr gepflegt wurden, das lasse sich aber meistens schnell regeln.

Ein größeres Problem sei, dass manche Nutzungsberechtigten die Gräber vor Ablauf der Ruhefrist abräumen und einfach brachliegen lassen. In diesen Fällen müsse die Stadt eingreifen und beispielsweise Erde auffüllen. Weitervermieten könne die Stadt solche Gräber auch nicht, weil die Nutzungsdauer ja noch nicht abgelaufen sei.

Zu viel Grabpflege habe es allerdings im Waldfriedhof in Ennerich gegeben. Dort sei beispielsweise das Aufstellen von Grablichtern nicht zulässig, sagt Collée. Das Problem habe sich aber entspannt, seitdem den Angehörigen eine Friedhofsordnung ausgehändigt wird.

(pp,abv,goe,dick)

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