U-Boot

Yellow Submarine auf Kurs Thalheim

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Thalheim bekommt ein U-Boot. Noch liegt es im Trockendock bei Markus Heep in Niederhadamar. Doch bis zum Sommer soll es in seinen neuen Heimathafen am „Aloyseum“ einlaufen. Für die Jäger und Sammler der Familie Heep erfüllt sich ein Kindheitstraum.

Die Augen von Markus Heep (52) funkeln. Davon hätten er und sein Vater schon geträumt, als er noch „so groß“ war, zeigt Heep etwa einen Meter hoch. Als Steppke verfolgte er mit großen Augen die Abenteuer des Käpt’n Nemo und seiner Nautilus, „20 000 Meilen unter dem Meer“, wie Jules Verne seinen Roman taufte. Im vergangenen Sommer – endlich – begann der Traum, Realität zu werden. Markus und Vater Alois Heep staubten aus dem Nachlass eines anderen Sammlers in Koblenz das kaputte Tauchboot „Bruni“ ab. „Die haben auf der Autobahn alle große Augen gemacht“, erzählt Markus Heep. In seiner Stimme schwingt der Stolz eines Jägers oder Sammlers mit, der fette Beute nach Hause holt.

Über 40 Jahre hat die Röhre mit Flosse und Propeller auf dem Buckel. Gebaut an der Uni in Hamburg, ging „Bruni“ viele Jahre unter Wasser, um am Meeresgrund Leitungslecks zu suchen. Auch wenn die doppelwandige Röhre durchaus eine dünne Person aufnehmen könnte: Das Boot ging unbemannt und an der langen Leine einer Fernbedienung auf Tauchfahrt. In seinem Bauch steckten mehrere 24-Volt-Lkw-Batterien mit 500 Amperestunden, Messgeräte und Kamera.

Von einem Tauchgang kehrte die Drohne nicht mehr zurück. Wie sie dann doch wieder auftauchte und nach Koblenz kam, das weiß der neue Käpt’n und Reeder Markus Heep nicht. Er versuchte schon bei allen möglichen Stellen zu recherchieren – bislang vergeblich.

Heep, von Beruf Maschinenbauer und auch in der Freizeit sehr ehrgeizig im Umgang mit Technik, machte sich auf die Suche nach der Ursache und entdeckte einen Konstruktionsfehler: Die Dichtungen im Propeller seien falsch eingebaut gewesen. So sickerte nach und nach immer mehr Wasser erst ins Triebwerk, dann über die Hydraulikschläuche ins „Hauptschiff“ und blub . . .

„Bruni“ soll zwar bereits in drei Monaten einen festen „Liegeplatz“ vor dem Thalheimer Heimatmuseum bekommen, dort aber nicht als totes Denkmal aufgebahrt stehen. Der Tüftler will es zusammen mit Sohn Maximilian (20) wieder tauchfähig machen.

Noch überzieht ein dicker Rostfilm die Innenröhre. Die Niederhadamarer Trockendock-Crew setzt auf Sandstrahl, um das zu ändern. Das Boot soll neue Batterien bekommen und eine moderne Digital-Kamera ins vordere Bullauge. Das „Hirn“ des Tauchbootes, eine Pumpe und mehrere Ventile auf einer Art Schalttafel, steckten einst im Heck. Sie bewegten die Höhenruder. Die Batterien versorgten außerdem die diversen Messgeräte und Sensoren. In dem kleinen Rohr über der Flosse steckt ein Feldstärken-Messgerät. Was die torpedorohrartigen Bauteile an den Seiten verbergen, müssen die Heeps noch herausfinden. Die Fernbedienung fehlt. Doch das sei kein Problem, verweist Heep auf das reichhaltige Angebot an Geräten für den Modellbau. Für den hinteren Deckel bekommt der Maschinenbauer einen Einsatz aus der Glasfachschule. Ansonsten reichen Heep Ehrgeiz, Improvisationsvermögen und eine gut mit Alt-Material bestückte Halle. Dem U-Boot-Eigner kommt für ein solches Reparaturunternehmen natürlich sehr die „Krankheit“ zugute, die er von Vater Alois geerbt hat: die Sammelleidenschaft. Wieder mit Augenzwinkern erklärt der 52-Jährige: „Wir haben alles. Es ist nur die Frage: Wo?“

Der Elbbach kommt wohl für die Tauchfahrt nicht infrage, bedauern die Freizeit-Seefahrer. Vielleicht ginge es in der Lahn. Markus Heep besitzt einen Motorbootführerschein. „Da muss ich mal bei der Behörde nachfragen, ob der auch dafür gilt.“

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