Leergefegt ist die Häuserzeile am Untermarkt in Hadamar. Ein zwei Jahre gültiger Bebauungsplan der Stadt soll hier künftig für neue Möglichkeiten sorgen. Fotos: Anken Bohnhorst

Infrastruktur

Hadamar: Das ist der Plan gegen den  Leerstand in der Innenstadt

Die Leerstände in der Kernstadt sind nicht zu übersehen. Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) stellt Maßnahmen vor, um die Innenstadt zu revitalisieren.

Für Köpfe wird in der Kernstadt von Hadamar auf jeden Fall gesorgt. Gleich mehrmals kann man sich im Quartier zwischen Unter- und Neumarkt, zwischen Born-, Brücken- und Neugasse die Haartracht richten lassen. An Friseuren und Barbieren herrscht kein Mangel. An anderen Angeboten für den täglichen Bedarf schon eher. Ladenlokale, in denen Einzelhändler mit ihrem Sortiment zur Vielfalt der Innenstadt beitragen könnten, stehen leer. 

„Nachmieter gesucht“, prangt etwa auf zwei Schaufenstern eines Gebäudes am Untermarkt. Die Glasfassade nebenan ist mit Folie verdeckt und dunkel. Schräg gegenüber, zwischen Rathauscafé und einem Anbieter von Verputzerarbeiten, steht ebenfalls ein Geschäftslokal leer. Davor ist eine verwaiste Sitzgruppe aufgebaut. Ein Tisch mit vier Stühlen. 

Hadamar: Leerstand kein "spezifisches Phänomen"

Schön ist das nicht, aber auch kein Hadamar-spezifisches Phänomen, betont Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). „Überall in Deutschland herrscht in Städten vergleichbarer Größe eine ähnliche Situation.“ Dagegen vorgehen will die Stadt natürlich dennoch. Das Maßnahmenpaket, das Magistrat und Stadtverordnete geschnürt haben, um die Kernstadt wiederzubeleben, sieht kurzfristige und langfristige Konzepte vor, sagt Ruoff. Denn klar ist: Leerstände haben auch etwas mit Lebensgefühl zu tun. Und wo das ins Ungute kippt, lässt sich niemand nieder. 

Tatsächlich breitet sich im Zentrum der Kernstadt ein Gefühl mangelnder Sicherheit aus, das die Anwohner in einer von der Stadt durchgeführten Befragung formulierten. Man habe das Ergebnis genau analysiert und beschlossen, einen zusätzlichen Hilfspolizisten einzustellen. Die Kräfte des Ordnungsamts sollen für Ruhe sorgen und zwar zu jeder Tageszeit. Rüpeleien vor Gaststätten, Spielhallen und Privathäusern sollen der Vergangenheit angehören.

Hadamars Bürgermeister will Wildparken unterbinden

Außerdem will die Stadt das Wildparken im Quartier unterbinden, sagt der Bürgermeister. Dafür werden außerplanmäßig 50 000 Euro ausgeben, um drei Poller in der Borngasse zu installieren. Details müssten noch geklärt werden, räumt Ruoff ein. Aber die Entscheidung steht. Dass diese Maßnahme zum gewünschten Beruhigungseffekt führt, steht für ihn fest. Das ist der kurzfristige Ansatz der Stadt, um das Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen. 

Langfristig wirken soll eine andere Maßnahme, berichtet der Chef der Verwaltung. Nämlich ein für zwei Jahre gültiger Bebauungsplan für die Kernstadt. Der Vorteil für Hadamar: Die Stadt kann das Quartier nach ihren Vorstellungen gestalten. Projekte, die nicht den Vorstellungen der Stadt entsprechen, können durch diesen Bebauungsplan blockiert werden.

Stadt Hadamar erhält Vorkaufsrecht für Immobilien

 Darüber hinaus erhält die Stadt ein besonderes Vorkaufsrecht für die Immobilien im Kernstadtbereich. Danach können Gebäude, die veräußert werden sollen, von der Stadt übernommen, wenn nötig aufgehübscht oder aber abgerissen werden, erläutert Bürgermeister Ruoff. Auf diese Weise könne man sich beispielsweise „Luft in der Borngasse“ verschaffen. In jedem Fall aber sei diese Option eine „städtebauliche Chance“. Und die soll wiederum der Revitalisierung des Stadtkerns einen kräftigen Schwung verpassen, von der die Hadamarer Geschäftsleute profitieren wollen. 

Die konzentrieren ihr städtisches Engagement derzeit auf zwei Aktivitäten. Auf den Frühlings- und auf den Mittelaltermarkt, berichtete Bianca Woidich, Vorsitzende des Gewerbevereins Hadamar Aktiv, bei der letzten Jahreshauptversammlung des Vereins. Diese beiden Veranstaltungen hätten sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt und seien eine Bereicherung für die Stadt, sagte die Vorsitzende. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung sei gut. Weniger erfolgreich erwiesen sich dagegen die zwei verkaufsoffenen Sonntage, die der Gewerbeverein in einem Jahr durchgeführt hat. 

Hadamar soll nicht "vollends einschlafen"

Der Zuspruch war ernüchternd: Lediglich zwei Geschäfte beteiligten sich an dieser Aktion. Da stelle sich die Frage, ob dies noch zeitgemäß sei, hatte Geschäftsmann Anton Bär in der Jahreshauptversammlung zu Bedenken gegeben und mit diesen Zweifeln Geschäftsmann Erwin Krekel auf den Plan gerufen. Zwar seien die verkaufsoffenen Sonntage kein Allheilmittel gegen fehlende Geschäfte. Aber, hatte Krekel bei der Jahreshauptversammlung von Hadamar Aktiv gesagt, „wenn wir gar nichts machen, dann schläft unsere Stadt vollends ein“. 

von Anken Bohnhorst

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