Auf diesem 7000 Quadratmeter großen Gelände möchte die Firma Möbus aus Limburg 18 Häuser bauen.
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Auf diesem 7000 Quadratmeter großen Gelände möchte die Firma Möbus aus Limburg 18 Häuser bauen.

Diez: Belastete Müllkippe oder alles in Ordnung?

18 Häuser für junge Familien und Senioren sollen hier entstehen

Wohnsiedlung auf dem ehemaligen Parkplatz der Bundeswehr sorgt für Unmut bei Anwohner

18 Wohnhäuser möchte die Firma Wilhelm Möbus GmbH & Co. KG aus Limburg auf dem 7000 Quadratmeter großen ehemaligen Parkplatz der Wilhelm-von-Nassau-Kaserne in Diez bauen. Derzeit liegt das Gelände brach und ist überwuchert. Im Oktober 2018 kaufte das Unternehmen das Grundstück. "Bereits damals hatte ich die Idee, hier bezahlbaren Wohnraum für junge Familien, Senioren und Handwerker zu schaffen", erzählt Geschäftführer Heinz Schaaf.

Geplant sind 18 zweistöckige Häuser, die vermietet werden sollen. Die Doppelhaushälften und Einfamilienhäuser sollen mit Garagen und einem Stück Garten ausgestattet sein. Die Baukosten liegen bei rund 4 Millionen Euro. "Sobald wir die Baugenehmigung haben, wollen wir beginnen. Wir haben eine Bauzeit von einem Jahr eingeplant", sagt Heinz Schaaf. Der dafür nötigen Änderung des Bebauungsplans hatte der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss der Stadt Diez am Dienstagabend mit einer Gegenstimme (SPD) zugestimmt.

Gegenwind von Anwohnern

Das Bauvorhaben der Wilhelm Möbus GmbH ist allerdings Anwohnern in der Schöne-Aussicht-Straße ein Dorn im Auge. Sie befürchten, dass beim Einsatz eines Baggers Schadstoffe aus dem Boden austreten könnten. Ein Anwohner war auch bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses anwesend. "Das Gelände war früher eine Mülldeponie", erzählte er dieser Zeitung.

Als weiteren Punkt kritisieren er und nach seinen Aussagen auch die anderen Anleger die - ihrer Meinung nach - zu enge Zufahrtsstraße zum Grundstück. Außerdem sei der Fußgängerweg, der vom Grundstück wegführt, zu kurz. Das sei besonders für Kinder sehr gefährlich. Und die Ausfahrt zur Hauptstraße sei unübersichtlich. Des Weiteren wies er darauf hin, dass auf dem Gelände ein Biotop entstanden sei, das Eulen und Eidechsen beherberge. Es sei unverständlich, wie die Stadt Diez einem solchen Bauvorhaben zustimmen könne.

"Eine Mülldeponie war das nicht", sagt der Investor. "Vielmehr diente das Grundstück dazu, den Bauschutt von den Häusern der angrenzenden Schöne-Aussicht-Straße hier abzuladen. Und manche Leute haben dann auch noch ihren Hausmüll mit abgeladen." Aber um sicherzugehen und die Gemüter zu beruhigen, habe ein Geotechniker Bodenproben entnommen und das Gelände auf Schadstoffe untersucht. Dazu habe er 200 Löcher mit einer Tiefe von vier bis sechs Metern gebohrt. Nur an einer Stelle sei der Geotechniker auf leicht lösliche Kohlenwasserstoffe gestoßen. Aber der Wert liege unterhalb des zulässigen Grenzwerts, so Schaaf. An dieser Stelle solle der Boden nach einem entsprechenden Konzept saniert werden.

Zu den Bedenken der Anwohner wegen der vermeintlich engen Zufahrtsstraße, sagt der Architekt des Projekts, Michael Kurzinger: "Die Straße hat eine Gesamtbreite von sieben Metern. Für die spätere Erschließung sind 4,7 Meter vorgeschrieben, wir erreichen hier sogar eine Breite von 5,5 Metern." Zudem sei das Gelände auch artenschutzrechtlich untersucht worden, fügt Schaaf hinzu. "Die derzeitige Nutzung als Parkplatz ist als Habitat für die genannten Tierarten ungeeignet. Auch dies wurde durch einen Fachgutachter überprüft. Ziel ist bei der Bebauung neben schönem Wohnraum auch eine nachhaltige Durchgrünung des Wohngebietes herzustellen. Die augenblicklich versiegelte Fläche liegt bei etwa 90 Prozent der Gesamtfläche und wird nach dem Bau der Wohnhäuser und der Erschließung der Straße bei rund 40 Prozent liegen", erklärt der Investor. Er fügt noch hinzu: "Wir nehmen die Bedenken der Anwohner ernst. Aber ich bin enttäuscht, dass wir auf so viel Gegenwind gestoßen sind."

Wechselhafte und unklare Geschichte

"Um das Grundstück kursieren viele Gerüchte. Die einen erzählen, dass es eine Mülldeponie war, andere sagen sogar, dass dort Panzer oder Munition gelagert wurden", sagt Stadtbürgermeisterin Annette Wick (SPD). Laut Investor wurde das Grundstück seit Anfang der 60er Jahre von der Bundeswehr als Parkplatz für die angrenzende Wilhelm-von-Nassau-Kaserne genutzt. Nach dem Abzug der Bundeswehr 1993 wurde daraus dann eine Lagerfläche für den Bauhof der Stadt Diez.

Nach Angaben des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt Diez, Gerhard Maxeiner, war es sogar ein tiefer Steinbruch und die offizielle Müllhalde der Grafenstadt. Das sagt auch Joachim Unruh, ehemaliger Kommandeur der Wilhelm-von-Nassau-Kaserne. Er könne sich daran erinnern, als Schuljunge von einer Erhebung in Lahnnähe auf das Grundstück geschaut und dort eine Mülldeponie gesehen zu haben.

Ein direkter Anleger des Geländes erklärt detailliert, dass das Grundstück 1946 als öffentliche Deponie ausgewiesen wurde. Dort hätten die Bürger ihre Abfälle abgeladen. Dazu zählten Holz, Öl, Teer, Schlacke, Batterien, Quecksilber, Säuren und Schwermetalle. Mit diesen und anderen Stoffen sei der Steinbruch zwischen 1946 und 1969 aufgefüllt worden. Anschließend sei die Oberfläche asphaltiert worden.

Er hätte Dokumente, die seine Ausführungen belegen würden. "In den letzten 25 Jahren hat sich das Gelände um zwei Meter zur Lahn hin abgesenkt", erzählt der Anleger. "Die Deponie war 50 Meter tief." Er habe bereits mehrere Behörden vor einer Bebauung des Geländes gewarnt. "Es ist gefährlich, auf einer ehemaligen Mülldeponie Wohnhäuser zu bauen".

In der Stadtratssitzung am 24. September stellt der Investor zusammen mit einem Geotechniker den Ratsmitgliedern seine Pläne vor. Mariam Nasiripour

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