+
Alles hat ein Ende - nur die Wurst hat zwei... Rudolf Flack gibt zum 13. Juni sein Metzgereigeschäft in Hahnstätten auf.

Ende im Juni

Metzgerei schließt nach 41 Jahren: Rhein-Lahn-Kreis verliert Traditionsgeschäft

Im Juni gehen in der Metzgerei von Rudolf Flack in Hahnstätten die Lichter aus. Der Rhein-Lahn-Kreis verliert eine echte Institution. 

  • Die Metzgerei von Rudolf Flack in Hahnstätten war jahrzehntelang eine Institution 
  • Jetzt schließt das Traditionsgeschäft im Rhein-Lahn-Kreis 
  • Die Schließung hat einen einfachen Grund

Hahnstätten – Jahrzehntelang hat Rudolf Flack, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei in Hahnstätten, hinter seiner Theke gestanden. Nun schließt er seine Pforten zum 13. Juni endgültig. "Nach 41 Jahren hören wir altersbedingt auf", sagt Metzgermeister Rudolf Flack im Gespräch mit unserer Zeitung. Schluss mit Suppen einkochen, Salate machen, Brötchen schmieren und Wurst verkaufen - Flack geht mit 70 Jahren in den verdienten Ruhestand. Zuletzt setzte ihm eine Hüft-OP im Januar sowie die besondere Coronavirus-Situation zu. "Seit Anfang März hatten wir keine einzige Veranstaltung mehr", so Flack. Auch die Bestellungen für Präsentkörbe oder die Nachfrage nach dem oft gebuchten Party-Service gingen zuletzt sehr stark zurück.

Metzgerei in Hahnstätten: Schon als Bub mit zur Hausschlachtung

Für viele Stammkunden schließt damit eine Traditionsmetzgerei und Institution in Hahnstätten. Seit 1980 hat er die Metzgerei in der Oberneiser Straße geführt. "Offiziell angefangen hat es am 1. April 1980, da meldete ich mein Geschäft zur Herstellung und dem Vertrieb von Fleisch und Wurstwaren an. Mein Großvater - ,Berks Ludwig' - alias Ludwig Scheid war jahrzehntelang bereits der Hausmetzger in Hahnstätten."

Schon als kleiner Junge ging Rudolf Flack mit zur Hausschlachtung. Als der Großvater altersbedingt nicht mehr arbeiten konnte, wurde Flack gebeten, die gute Hausmacher Wurst weiter herzustellen. "Daher wurde der Schweinestall zur Wurstküche samt Verkaufsraum umfunktioniert", erinnert sich der langjährige Vorsitzende des Schützenverein Hahnstätten.

Das Geschäft lief sehr gut an, was sogleich Neider hervorrief. "1986 wurde ich wegen Schwarzarbeit von einem Kollegen angezeigt", erinnert sich Flack. "Weil ich keinen Meisterbrief hatte." Um der Ordnungswidrigkeit zu entgehen, meldete er sich sofort zum Fleischermeister-Lehrgang an. "Im Juli 1987 schloss ich den Lehrgang nach erfolgter Prüfung mit der Note 1 - sehr gut - ab", sagt der pensionierte Berufssoldat stolz. Mit 37 Jahren war er unter 103 jungen Teilnehmern der "Opa" des Ausbildungsjahrgangs. Somit wurde das Verfahren auch eingestellt.

Hahnstätten: Abschied nehmen von Traditionsgeschäft

Nach und nach wurde das Geschäft größer und Flack musste die Scheune ausbauen. "Die Qualität sprach sich herum. Auch der Party-Service ließ daher nicht lange auf sich warten..." Mehr als ein Jahrzehnt war er der Grillmeister beim Netzbacher Brückenfest und sorgte auf Veranstaltungen des MGV Hahnstätten Fidelio, vom Schützenverein Hahnstätten und auf zahlreichen sportlichen Events für die Verköstigung. Seit zehn Jahren steht Flack zudem bei jedem Heimspiel der TuS Burgschwalbach am Grill - unentgeltlich. "Dies werde ich auch weiterhin ehrenamtlich betreiben", berichtet der Fleischermeister.

In den kommenden Wochen heißt es also Abschied nehmen von Lieferanten und Kunden. "Vom 2. bis 13. Juni werden wir einen Resteverkauf von Wurst und Suppenkonserven durchführen, da gibt es noch mal 20 Prozent Rabatt", rührt der Stabsfeldwebel a. D. abschließend die Werbetrommel.

Metzgerei in Hahnstätten schließt: Kein Nachfolger für den Betrieb

Die traurige Stammkundschaft muss dann künftig auf die beliebte grobe Bratwurst und den "weltberühmten" Kartoffelsalat, den die 92-jährige Mutter bis zuletzt zubereitete, verzichten. "Es gibt keine Kinder und somit auch keinen Nachfolger, der den Betrieb übernehmen möchte", erläutert Flack, der es als richtigen Zeitpunkt erachtet. Die traditionelle Metzgereien in den Orten werden mit den Großbetrieben nicht mithalten können - befürchtet er. "Ich möchte mich daher bei allen Kunden, Freunden und Bekannten nochmals recht herzlich bedanken". Künftig möchte er sich seinen Hobbys widmen und das Leben genießen - genug Zeit sollte dann sein. 

Von Christopher Kahl

Auch in der Nachbarschaft von Hahnstätten gibt es schlechte Nachrichten in Sachen Einzelhandel: In Limburg verzögert sich die Eröffnung eines neuen Edeka-Marktes. Schlecht ergeht es derweil den Reisebüros – weil die Kundschaft ausbleibt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare