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Hamid Rashidi ist ein politischer Flüchtling aus dem Iran, der sich selbst in der Flüchtlingshilfe engagiert.

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Hamid Rashidi: Vom Flüchtling zum Helfer

Weil er aus Erfahrung weiß, wie Geflüchtete sich fühlen, engagiert sich Hamid Rashidi selbst in der Flüchtlingshilfe.

Hamid Rashidi kommt aus dem Iran. Nach einer aufreibenden Flucht erreichte er Deutschland vor etwas mehr als 2 Jahren. 14 Tage lang hatte er kaum gegessen, und auf dem Weg musste er sogar um sein Leben bangen. Sobald das System der Flüchtlingshilfe sich dem heute 28-Jährigen angenommen hatte, konnte er sich zwar sicher fühlen, doch hatte er Heimweh, und ohne Sprachkenntnis verstand er nicht, was um ihn herum geschah. Er wurde von Gießen in das Aufnahmelager Stadtallendorf verlegt, später kam er in Gemeinschaftsunterkünfte von Offheim und Elz. „Schon in Stadtallendorf hatte ich entschieden, so schnell wie nur möglich die deutsche Sprache zu lernen. Ich begann mit einem Sprachkurs im Internet und habe konsequent daran weitergearbeitet“, sagt Rashidi in flüssigem Deutsch und mit nahezu einwandfreier Grammatik.

Im Offheimer Camp hatte er damals erfahren, dass eine Landsmännin von ihm, die schon viele Jahre hier lebt, bei der Caritas Sprachunterricht gibt. „Aber leider waren ihre beiden Kurse schon ausgebucht“, erinnert er sich. Daraufhin tat er sich mit drei anderen Flüchtlingen zusammen, um gemeinsam Privatstunden bei dieser Kursleiterin nehmen zu können. „Wir hatten uns das Geld von Mund abgespart und zusammengelegt“, sagt der lernbegierige Rashidi. Doch Sahar Torabi hat ein großes Herz. Ohne dafür Extra-Geld zu verlangen, machte sie einen dritten Kurs auf. Dabei vermittelt sie nicht nur die Sprache, sondern auch deutsche Sitten, Traditionen und Benimmregeln. Auch das Ausfüllen amtlicher Formulare gehört zum Stoff.

„Das war eine harte Schule“, sagt Rashidi lachend, doch nun kommt er auch mit dem Amtsdeutsch ziemlich gut klar. „Was ich selbst gelernt habe, möchte ich an Menschen aus dem Iran oder Afghanistan weitergeben“, sagt Rashidi. Inzwischen ist er selbst zu einem Flüchtlingshelfer geworden und investiert fast seine gesamte Freizeit in dieses Ehrenamt. Er möchte zeigen, dass Integration funktioniert, sofern der gute Wille dafür auf allen Seiten vorhanden ist. „Wenn ich als Übersetzer Menschen zu Behörden, zum Anwalt oder zum Arzt begleite, dann ist eine meiner ersten Fragen, wie lange derjenige schon in Deutschland lebt und warum er die Sprache noch nicht gelernt hat.“ Er gibt Tipps, was ihm selbst beim Lernen geholfen hat, und übt mit den Flüchtlingen Worte für die jeweilige Situation. „Wenn ich anderen Leuten etwas beibringe, dann prägt sich das auch bei mir tief ein, und ich komme durch das Helfen selbst immer ein Stückchen voran“, sagt er. Allerdings könne er nur mit Erwachsenen Deutsch üben, für den Umgang mit Kindern fehle ihm einfach die Geduld. Zu den schönsten Aufgaben, die Rashidi im Rahmen seines ehrenamtlichen Tuns bei der Caritas übernehmen konnte, gehörte die Betreuung einer folkloristischen Musikgruppe aus seiner Heimat, die zum „Harmonie“-Festival angereist waren. Er kaufte für sie ein, machte das Frühstück und war auch mit dabei, als die Musiker ein kleines Konzert in der Limburger Fußgängerzone gaben. Mit Freude beantwortete er die Fragen der Zuhörer zur Herkunft der Gruppe, zu ihren traditionellen Instrumenten oder um was es in den Texten der Lieder ging. Seit kurzem hat Rashidi eine eigene Wohnung in Niederhadamar.

Demnächst möchte er sich im Rahmen eines gemeinsamen Projektes von Caritas und Sozialamt zum ehrenamtlich Sprach- und Kulturmittler weiterbilden. Sahar Torabi ist stolz auf die Leistung ihres ehemaligen Schützlings und dankbar für das große private Engagement, mit der er sich zum Wohle anderer Flüchtlinge einsetzt.

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