9. Gewerbeschau

Handwerk zum Anfassen

Bei strahlendem Sonnenschein eröffnete am Samstag die 9. Gewerbeschau auf dem Marktplatz in Dauborn. Rund 30 Aussteller präsentierten an ihren Ständen im Zelt und auf dem Außenbereich ihre Betriebe und Dienstleistungen. Eine wichtige Veranstaltung für selbstständige Unternehmer in der Gemeinde.

Von LEONI DOWIDAT

„Ich bin stolz, dass wir in Hünfelden einen solch starken Mittelstand haben!“ Mit diesem Satz brachte es die parteilose Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer in ihrer Eröffnungsrede eigentlich schon auf den Punkt. Denn die Gemeinde ist weder ein Industriestandort noch weist sie erheblich große Gewerbeflächen auf. Trotzdem zählte die Statistik im vergangenen Jahr 750 Gewerbetreibende mit Sitz in einem der sieben Ortsteile.

Viele von ihnen sind im Gewerbeverein Hünfelden organisiert, der alle zwei Jahre die Veranstaltung organisiert, zu der auch am vergangenen Samstag wieder geladen wurde. Der Verein stellte mit rund 90 Prozent der Auszustellenden den Großteil der Mitwirkenden der Gewerbeschau.

„Der Gewerbeverein ist damals aus der ersten Gewerbeschau hervorgegangen“, erklärte Florian Brandhoff, der Pressesprecher des Vereins. Seitdem arbeiteten die Mitglieder kontinuierlich daran, die Mini-Messe auch für die Besucher stetig attraktiver zu machen. Denn der Zweck des Vereins sei vor allem eines: „Alle Gewerbe und die Selbstständige in unserer Region unterstützen und fördern“, sagte Florian Brandhoff. Aus dieser Intention heraus entstand in diesem Jahr auch die Vortrags-Ecke. „Im vergangenen Jahr war es im Zelt doch sehr ruhig“, so der Pressesprecher weiter. „Daher wollten wir den Innenbereich mit der Vortrags-Ecke ein wenig beleben.“

Aussteller und auch Selbstständige ohne eigenen Stand auf der Gewerbeschau hielten dort Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen: Egal ob Bewerbungs-Training, Rechtsberatungen oder kleine Schulungen zu gesundheitlichen Themen. Die Reihe der Vorträge war dabei ebenso vielfältig wie die Liste der Unternehmen selbst. Mit handgearbeitetem Schmuck, kreativen Tonarbeiten und einer Heilerpraxis befanden sich unter den Ausstellern auch echte Seltenheiten, die der Fachbesucher so nicht erwartet hätte. Dennoch lag der Schwerpunkt der Gewerbeschau in Dauborn auf den handwerklichen Betrieben, wie Dietrich Holl, der erste Vorsitzende des Hünfeldender Gewerbevereins nachdrücklich betonte. „Gerade im Handwerk macht die Vernetzung doch viel aus“, erläuterte Dietrich Holl. Viele Menschen tendierten bei der Wahl des Handwerkers in der heutigen Zeit dazu, die Dienste großer, überregionaler Konzerne in Anspruch zu nehmen. Ein Trend, dem der Gewerbeverein entgegenwirken möchte: „Wir wollen den Menschen zeigen, dass es auch hier bei uns qualitativ hochwertige Arbeit und gut ausgebildete Handwerker gibt“, so Dietrich Holl.

Ebenso wolle man die Wertschätzung für diese Berufe in der Öffentlichkeit stärken. Die Kunden sähen oft nur das fertige Produkt und könnten das Wissen und die Fertigkeit, die hinter einer handwerklichen Arbeit steckt, gar nicht mehr richtig einschätzen, beklagt der erste Vorsitzende.

Aus diesem Grund zeigten auch in Dauborn viele Aussteller ihre Dienstleistungen direkt am Stand und boten so einen interessanten und lehrreichen Einblick in ihr Handwerk. Ihre Zelte im Außenbereich hatten viele Betreiber dabei schon am Tag vor der Eröffnung aufgebaut. „Wir haben dreieinhalb Stunden gebraucht, bis alles fertig für die Gewerbeschau war“, berichtete Konstanze Denzin. Als Inhaberin einer Hundeschule hatte sie mit ihren Hunden, die sie zur Veranstaltung begleiteten, keine andere Wahl als ihren Stand auf dem geräumigen Außengelände des Dauborner Marktplatzes aufzuschlagen. „Wir hoffen natürlich, dass das Wetter hält“, scherzte sie. Sehr schätzte sie das Angebot, ihre Schule auf der Gewerbeschau der Öffentlichkeit vorzustellen: „Wenn man in einer ländlichen Gegend ein Geschäft hat oder ein Unternehmen betreibt, hat man gar keine andere Wahl. Da muss man sich immer wieder mal ins Gedächtnis rufen.“

Für sie allerdings kein großes Problem: Da sie mit ihrer Hundeschule auch in Frankfurt und anderen großen Städten auf Messen vertreten ist, ist die Organisation eines Informationsstandes beinahe Routine für sie. „Wir haben schon einen Grundvorrat an Broschüren und Stellbannern – und Vorträge haben wir auch einige in der Hinterhand“, versicherte sie.

Dennoch ist das Engagement der Aussteller nicht zu unterschätzen. Sie alle beteiligen sich trotz einer langen Arbeitswoche, die bei Selbstständigen oft wesentlich intensiver als bei Angestellten ist, vom Aufbau bis zum Abbau an allen Aspekten der Messe. „Das ist eine immense Leistung“, honorierte auch Silvia Scheu-Menzer. Gerne unterstütze sie auch weiterhin den Aufbau und die Erhaltung des Mittelstandes in Hünfelden, so die Bürgermeisterin weiter. Diese Bereitschaft unterstrich sie mit einer Spende der Gemeinde, welche der Vereinsarbeit des Gewerbevereins in all seinen vielzähligen Bereichen zugutekommen sollte. Wie wichtig solche Veranstaltungen sind, betonte auch der Ehrengast der Gewerbeschau, Landrat Manfred Michel (CDU): „Viele Kunden suchen sich ihre Dienstleister übers Internet.“ Das eigentliche Handwerk dabei schon vorher zu prüfen und mit „allen Sinnen zu erfahren“, diese Möglichkeit ginge durch die Verlagerung der wirtschaftlichen Landschaft ins Netz immer mehr verloren. „Deshalb ist es heute ungemein wichtig, sich auch außerhalb des Geschäfts zu präsentieren und als Ansprechpartner eben bei Messen und Ausstellungen verfügbar zu sein.“

Ohnehin müssten sich die Handwerker, die hier in Hünfelden ansässig sind, nicht hinter der großen Konkurrenz verstecken: „Was wir hier in der Region haben, das kann sich sehen lassen!“ Gut, dass es das auch auf Veranstaltungen wie der Gewerbeschau tut.

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