Prozess

Hartes Urteil für Bankräuber: 13 Jahre und 400 000 Euro Geldstrafe

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Die 5. große Strafkammer des Limburger Landgerichts hat den Serien-Bankräuber Maik I. gestern zu 13 Jahren Haft und einer Geldstrafe von 400 000 Euro verurteilt. Diese Summe entspricht der Beute bei seinen Überfällen von 2002 bis 2018, darunter die Sparkassen-Filialen in Frickhofen, Obertiefenbach und Lahr.

In seinem Schlusswort hatte Maik I. gestern Morgen wieder geweint und seine Opfer mit stockender Stimme um Entschuldigung gebeten. „Es tut mir unsagbar leid, was ich in Folge von Hilflosigkeit und Verzweiflung anderen Menschen zugefügt habe“, sagte der 45-Jährige aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein.

Drei Stunden später vernimmt der schmächtige und kahlköpfige Mann das Urteil der 5. großen Strafkammer äußerlich regungslos mit gesenktem Kopf. Seine Partnerin und Mutter der gemeinsamen zweijährigen Tochter sowie seine Mutter scheinen ebenfalls gefasst zu sein. Die beiden Frauen verfolgen die Urteilsverkündung im Zuschauerraum mit ineinander gelegten Händen. Es wird wohl fast zehn Jahre dauern, bis sie Maik I. als freien Mann in die Arme nehmen können. Gute Führung im Gefängnis vorausgesetzt – und davon gehen wohl alle Beteiligten aus. Sie haben an fünf Prozesstagen eine zwiespältige Situation erlebt: Hier der niedergeschlagene Mann, der aufrichtig zu bereuen scheint. Da der große psychische Schmerz der Opfer, die teilweise noch bis heute unter den Taten des Verbrechers leiden. Die außergewöhnlich lange Serie der Banküberfälle von 2002 bis 2018 und die hohe Beute von rund 400 000 Euro wirken zweitrangig, spielen bei der Strafzumessung freilich eine Rolle.

Die Gesamtstrafe festzulegen war nicht leicht, erläutert der Vorsitzende Richter Marco Schneider. Die Einzelstrafen für die 20 Straftaten addiert er auf 111 Jahre und drei Monate. Die Kammer bleibt zwei Jahre unter der möglichen Höchststrafe von 15 Jahren. Sie spricht den Angeklagten in 14 Fällen der schweren räuberischen Erpressung in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub schuldig. Jeweils drei Fälle bewertet sie als schwere beziehungsweise versuchte räuberische Erpressung.

Schneider sagt, die Liste der Straftaten sei sicher nicht vollständig – und bezieht sich dabei auf Angaben von Maik I. Zu den Besonderheiten des Prozesses zählt er das Doppelleben des Mannes, der seiner Familie 16 Jahre lang vorgaukelte, nach einem abgeschlossenen Jurastudium als Jurist bei Audi zu arbeiten, tatsächlich aber das Studium nach sechs Jahren abgebrochen und seinen Lebensunterhalt durch die Überfälle verdient hatte.

Das rückhaltlose Geständnis werten die Richter positiv. „Eine Vielzahl der Taten hätten einem schweigenden Angeklagten nicht nachgewiesen werden können“, erklärt Schneider. Ebenso die enge familiäre Bindung des nicht vorbestraften Mannes. Diesen drei Pluspunkten stünden vor allem die teilweise schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für die insgesamt

100 Geschädigte

n gegenüber. Schneider zeichnet ein breites Bild von schlaflosen Nächten bis schweren posttraumatischen Belastungsstörungen. „Es ist die Frage, ob es diese Zeugen schaffen, ihre Ängste jemals zu überwinden“, sagt er und berichtet von Todesangst, Panikattacken, langwierigen Therapien, Arbeitsplatzwechseln, Frühverrentungen. Trotzdem schließt die Kammer sich dem Plädoyer der Frankfurter Staatsanwältin Miriam Zeidlewitz und der Empfehlung des Sachverständigen Professor Dr. Henning Saß an, keine Sicherungsverwahrung anzuordnen. Maik I. ist laut Schneider kein sogenannter „Hangtäter“, von dem in Zukunft weitere vergleichbare Taten zu erwarten sind. Die wichtigste Motivation, durch die Finanzierung der Überfälle sein Doppelleben aufrecht zu erhalten und den Schein zu wahren, bestehe nicht mehr.Die Überfälle auf die Sparkassenfilialen in Frickhofen (2006), Obertiefenbach (2010) und Lahr (2013) erfüllten für die Kammer jeweils den Tatbestand der schweren räuberischen Erpressung in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub, weil Maik I. dabei mehrere Menschen mit einer Waffe bedroht hatte. Die Bankangestellten wussten nicht, dass sie unecht war.

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