Heimat auf 190 Quadratmetern

  • VonRobin Klöppel
    schließen

Die ehrenamtlich geführte Heimatstube Obertiefenbach wurde von engagierten Mitgliedern des Katholischen Männerwerkes innerhalb von vier Jahren geschaffen und am 18. März 1998 eröffnet. Sie befindet sich im denkmalgeschützten Pfarrheim „Alte Schule“ auf einer Fläche von rund 190 Quadratmetern und ist als Dauerausstellung im Dachgeschoss zu besichtigen. Die Nassauische Neue Presse hat sich mit Franz-Josef Sehr und Johann Weis dort einmal umgesehen.

Das Heimatarchiv bietet eine Vielzahl an Dokumenten, Fahnen, Fotografien, Büchern, Bildern und Ortsplänen aus dem Leben früherer Generationen. Eine komplette alte Schusterwerkstatt, eine alte Wohnstube mit Herd, ein Bett mit Strohmatratze, Arbeitsgeräte einer Schreinerei und einer Zimmerei, eines Dachdeckers und eines Anstreichers finden sich ebenso hier wie viele alte Geräte aus der Landwirtschaft und aus dem Haushalt. Zudem sind Gegenstände des religiösen Lebens ausgestellt.

Regionaltypisch sind Exponate, die die Geschichte des Basaltabbaus zeigen, sowie die Gesteine aus der Heimatgemeinde, Basalt, Ton, Quarzit und Eisenstein. Eine Lore, die sich vor dem Baudenkmal befindet, weist ebenfalls auf den früheren Basaltabbau hin. Da Obertiefenbach besonders viele Heimatvertriebene aufnahm, die das Dorfbild in den 1950er Jahren mitprägten, ist auch dies in der Heimatstube veranschaulicht. Ebenso sind vielfältige Unterlagen und Darstellungen über das Kloster und die Klosterruine Beselich und deren Erhaltungsmaßnahmen in einem eigenen Bereich vorhanden.

In einer Vitrine sind die Ernennungsurkunde des 2012 verstorbenen Obertiefenbacher Ehrenbürgers Georg Leber zum Bundesminister, dessen päpstliche Urkunde zur Ernennung zum „Ritter des heiligen Georg“ sowie weitere Dokumente und Fotos aus der Politik der 1960er und 1970er Jahre ausgestellt. Das Heimatmuseum wird nach wie vor von Aktiven des einzigen noch existierenden Katholischen Männerwerkes der Region betreut. Zu den Gründen sagt Franz-Josef Sehr: „Es sollte nicht alles vergessen werden, was in Beselich einmal war.“

Die Begegnung mit Gegenständen verschiedener Lebensbereiche früherer Generationen, geschriebenen Dokumenten, Bildern und Lebenszeugnissen sowie Darstellungen historischer Ereignisse können laut Weis dazu beitragen, Vorstellungen und Einstellungen von früher zu erhalten. Es gehe aber keineswegs um die Verherrlichung der Vergangenheit. Das Team des Heimatmuseums ist immer an Fotos und Dokumenten der Geschichte Obertiefenbachs und der sonstigen Beselicher Ortsteile interessiert. Die Verantwortlichen halten den Standort in der alten Schule für optimal, wegen seiner Geschichte als Kulturdenkmal des 19. Jahrhunderts sowie seiner zentralen Lage. Bereits 1992 wurde in der Pfarrgemeinde über die Entstehung einer heimatgeschichtlichen Sammlung beraten. Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde „St. Aegidius“ sahen sich aber mit dem Betrieb überfordert und konnten den Vorstand des Katholischen Männerwerkes für diese Aufgabe begeistern.

Ausbau begann 1994

Im September 1994 wurde mit dem Ausbau des Dachgeschosses begonnen. Die Hauptakteure waren Paul Schmitt, Johann Weis und Lothar Meller. Später kamen Herbert Beck, der alle Elektroleitungen verlegte, sowie Norbert Laux dazu. Geholfen haben vor allem beim Materialtransport Josef Röhrig, Ferdinand Neumann, Werner Geis, Helmut Steiner, Josef Litzinger und Rudolf Jeuk. Der Pfarrsaal war bei der Eröffnung vollbesetzt. Beselichs damaliger Bürgermeister Hans-Peter Wahl (CDU) lobte damals die Aktiven des Männerwerkes: „Ohne die Eigenleistung dieser Männer wäre das Projekt nicht finanzier- und realisierbar gewesen.“ Parlamentschef Wolfgang Lechner (SPD) war erstaunt, dass aus einem stark sanierungsbedürftigen Dachgeschoss des Pfarrheims eine so ansehnliche Stube geworden sei.

Die Mitglieder des Katholischen Männerwerkes wollen die Heimatstube auch in Zukunft verwalten, ergänzen und bei Bedarf verändern. Neben Weis und Sehr ist auch Dieter Pytlik derzeit als Koordinator tätig. Die Heimatstube soll das Interesse möglichst vieler Menschen und aller Altersstufen finden. So gibt es gesonderte Führungen für Schulklassen.

Das Museum ist aber nicht nur für Beselicher Bürger offen, sondern auch für alle Interessierten. Der Eintritt ist kostenlos, Spenden für den Erhalt des Museums sind aber immer gerne gesehen. Das Heimatmuseum in Obertiefenbach ist an jedem zweiten Sonntag des Monats für Besucher geöffnet. Regelmäßig gibt es dort Vorträge zu heimatgeschichtlichen Themen. Führungen von Gruppen können auch außerhalb der Öffnungszeiten erfolgen. Terminvereinbarungen sind bei Franz-Josef Sehr, Telefon:  (0 64 84) 9 10 31, möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare