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Auch im Limburger Cineplex stehen die Besucher nicht immer Schlange, so wie hier am Samstagnachmittag.

Negative Entwicklung

Untergang der heimischen Kinos? Das tun die regionalen Lichtspielhäuser dagegen

Die Besucherzahlen in den Kinos schrumpften im Vorjahr um 17 auf insgesamt 105 Millionen. Wir haben uns in den heimischen Lichtspielhäusern umgeschaut und umgehört.

Das Cineplex in Limburg ist mit insgesamt acht Kinosälen und 1399 Plätzen das größte Kino im Landkreis Limburg Weilburg. Etwa 60 Mitarbeiter sind in der Einrichtung im Stadtzentrum angestellt. Betriebsleiter Alexander Petro vermeldet aktuell einen Rückgang der jüngeren Besucher. „Immer mehr ältere Menschen finden den Weg in unsere Säle“, sagt er.

Internationale Filme und Aufführungen in Limburg

Die Umsätze seien im vergangenen Jahr zwar etwas zurückgegangen, doch er sei weiter optimistisch. Das Cineplex biete ein abwechslungsreiches Programm, das auch zukünftig sicher zahlreiche Besucher locken werde. Neben den amerikanischen und deutschen Blockbusternüberträgt das Lichtspielhaus regelmäßig Aufführungen aus der Metropolitan Opera in New York.

In Limburg kämpfen aber auch die Altstadt-Läden ums Überleben

Deutsche Filme erlangen an Beliebtheit

Außerdem setzt Petro immer mehr auf anspruchsvolle Filme, die zumeist von einem älteren Publikum angeschaut werden. Das Cineplex Limburg hat nach seinen Angaben einige Alleinstellungsmerkmale. So können die Besucher in einem Kinosaal die Filme mit einem Dolby-Atmos-Soundsystem genießen.

„In den vergangenen Monaten waren primär deutsche Filme sehr beliebt“, berichtet der Betriebsleiter. Zu den beliebtesten Filmen gehörte „Der Junge muss an die frische Luft“.

Weilburg: Umsatzrückgang im Kino

Das Delphi Filmtheater in Weilburg ist mit drei Sälen und 340 Sitzplätzen deutlich kleiner. Auch hier musste ein Umsatzrückgang vermeldet werden. Hauptgründe seien der heiße Sommer und wenige neue, qualitativ hochwertige Filme gewesen, sagt ein Verantwortlicher. Besonders Kinderfilme seien allerdings bei den Besuchern weiter sehr beliebt. Mit einem Eintrittspreis von durchschnittlich sieben Euro gehört das Kino in Weilburg zu den preiswerteren Lichtspielhäusern.

Weilmünster: Rabatte sollen ziehen

Die Geschäftsleitung bemüht sich, durch Rabatte für Schüler, Studenten, Senioren und Gruppen noch mehr Besucher anzuziehen. Außerdem ist es dienstags noch preisgünstiger.

Das historische Lichtspielgasthaus in Weilmünster, das zwischen 1902 und 1905 erbaut wurde, gilt als ältestes Kino Hessens. Geschäftsführer Jörg Schäfer hat es vor sechs Jahren erworben und nahezu komplett saniert. Das Ambiente versprüht den Charme der 1970er Jahre. „Bild- und Tontechnik wurden allerdings auf den neusten Stand gebracht“, sagt der Inhaber. 

Im Kinosaal für 120 Gäste befinden sich eine Bar und zahlreiche drehbare, komfortable Sessel; zur Einrichtung gehören eine Bühne und ein Restaurant. Diese Kombination sei deutschlandweit einmalig, sagt Schäfer.

Er bietet neben der Ausstrahlung von Blockbustern auch zahlreiche Themenabende an, die vermehrt für ältere Kunden konzipiert werden.

Zollhaus: Gegen den Trend mit Experten

Über die Kreisgrenze hinaus bekannt und vielfach prämiert ist das Kino im Kulturzentrum in Zollhaus, das 80 Plätze bietet. Der Eintritt kostet 6,50 Euro. Das Lichtspielhaus konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um fünf Prozent steigern. Dies führt die Betriebsleitung vor allem auf zusätzliche Matinees und Spezialvorführungen zurück, bei denen die Besucher auch mit Experten über die jeweiligen Filme diskutieren konnten. Außerdem würden Stumm- und Kurzfilme gut angenommen. In den vergangenen Monaten sei „Bohemian Rapsody“ besonders gut gelaufen. Da sich die Betreiber allerdings nicht nur auf populäre Filme fokussieren, liege der Altersdurchschnitt der Besucher zwischen 40 und 60 Jahren.

(tob)

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