NS-Vergangenheit

Heinz Wolf wird Chefsache

Die Diskussionen darüber, wie lange noch das Porträt des von 1964 bis 1975 in Limburg tätigen Landrates Heinz Wolf (CDU) in der „Ahnengalerie“ im ersten Stock des Limburger Kreishauses hängen wird, geht in die nächste Runde.

Die Diskussionen darüber, wie lange noch das Porträt des von 1964 bis 1975 in Limburg tätigen Landrates Heinz Wolf (CDU) in der „Ahnengalerie“ im ersten Stock des Limburger Kreishauses hängen wird, geht in die nächste Runde. Wie Landrat Manfred Michel (CDU) gestern in der Sitzung des Kreistages im Bürgerhaus in Runkel-Steeden bemerkte, habe er das Thema über die nationalsozialistische Vergangenheit des Ex-Landrates in die Hand genommen und werde zur nächsten Sitzung des Kreistages am 17. April dem Kreistag einen Vorschlag zur Abstimmung unterbreiten.

Nicht auszuschließen ist dabei, dass bis zur nächsten Kreistagssitzung sich die Angelegenheit auch so erledigt, weil alle Fotos ehemaliger Landräte oder zumindest das Foto von Heinz Wolf aus dem Kreishaus verbannt worden sind. Michel hatte bereits vor längerer Zeit veranlasst, den Namen der Heinz-Wolf-Halle in Limburg in Kreissporthalle umzubenennen.

Zu Beginn der gestrigen Sitzung hatte der Kreistagsabgeordnete Bernd Steioff (Linke) darauf verzichtet, einen Dringlichkeitsantrag zum Thema „Foto Heinz Wolf im Kreishaus“ zu stellen. Die Zusage von Manfred Michel, für eine Lösung bis spätestens 17. April zu sorgen, hielt Steioff von seinem Antrag ab.

Wie Manfred Michel darlegte, habe er prüfen lassen, ob es Sache des Landrates oder des Kreistages sei, welche Fotos früherer Landräte im Kreishaus gezeigt werden dürfen. Er habe sich sachkundige Stellungnahmen eingeholt, die aber sowohl in die eine als auch andere Richtung zu interpretieren seien. Michel: „Ich habe ein hohes Interesse daran, dieses Thema gemeinsam mit allen Fraktionen zu klären und deshalb soll der Kreistag entscheiden“. Bis zum 17. April werde er einen Vorschlag unterbreiten.

Am Rande der gestrigen Kreistagssitzung äußerte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Frank Schmidt zur „Ahnengalerie“ im Kreishaus. Wie schon vor zwei Jahren einmal deutlich gemacht, lehne die SPD-Fraktion jedwede Ehrung durch Namensgebung von Kreis-Immobilien, insbesondere Schulen, mit den Namen ehemaliger Mitglieder der NSDAP strikt ab. So sei die SPD auch von Beginn an gegen die Namensgebung einer „Heinz-Wolf-Halle“ in Limburg gewesen.

Um die Schuldfrage von NSDAP-Mitgliedern oder deren Helfershelfern in der Zeit des NS-Terrors eindeutig und wissenschaftlich haltbar zu klären, sei eine Aufarbeitung deren Vita von namhaften Historikern längst überfällig.

Die SPD-Fraktion spreche sich gegen eine „Ahnengalerie“ von Landräten und Ersten Kreisbeigeordneten aus. Bislang habe es 29 Personen gegeben, die als Landräte oder kommissarische Landräte im Kreis Limburg, Oberlahn oder Limburg-Weilburg tätig waren. Nur neun von diesen hätten, so Frank Schmidt, eine demokratische Legitimation durch eine Wahl gehabt. Die anderen seien lediglich von der jeweiligen Regierung eingesetzt worden. Anstatt einer historisch nicht sauberen Darstellung in einer „Ahnengalerie“ sollten alle Landräte mit Bild und ihrem Werdegang in einer Ausstellung präsentiert werden, meinte Schmidt.

Das heutige Bild im Kreishaus von Heinz Wolf trägt neben den Daten seiner Landratstätigkeit in Limburg von 1964 bis 1975 den Zusatz: „Von 1933 bis 1945 war Heinz Wolf als Jurist, besonders als Staatsanwalt, für das nationalsozialistische Unrechtsregime tätig“. Heinz Wolf wird vorgeworfen, im April 1944 in Danzig an einem Todesurteil gegen Wehrkraftzersetzung mitgewirkt zu haben. bl

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