+
Bürger aus Schupbach und Umgebung demonstrierten aus Sorge um ihre Lebensqualität gegen einen Kalkbruch in Hengen. Foto: Robin Klöppel

Steinbruch

Hengen: Fluch oder Segen?

  • schließen

Der geplante Steinbruch in der Beselicher Gemarkung Hengen bleibt umstritten. Dies wurde bei einer Bürgerversammlung Freitagabend deutlich.

Die Beselicher Gemeindevertreter haben am 18. Juni eine schwere Entscheidung zu treffen. Wie Freitagabend im vollbesetzten Saal im Schupbacher Bürgerhaus deutlich wurde, gibt es gute Argumente für und gegen einen neuen Steinbruch der Firma Schaefer Kalk in der Gemarkung Hengen. Die Beselicher Gemeindevertreter müssen entscheiden, ob sie dem Diezer Unternehmen Wege verkaufen und damit den Betrieb des Steinbruchs Hengen ermöglichen.

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Christoph Heep (CDU) appellierte an die Beselicher Bevölkerung, sich zahlreich an der Bürgerbefragung am 10. Juni zu beteiligen. Ziel sei es, dass die Mandatsträger ein möglichst repräsentatives Meinungsbild aus allen vier Ortsteilen bekommen.

2086 Bürger aus Beselich und den umliegenden Orten (Hofen, Eschenau, Gaudernbach und Hasselbach) haben bereits gegen den Steinbruch unterschrieben, sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) gegen das Projekt, Josef Schulte. Vertreter der BI überreichten Heep die Listen, nachdem etwa 150 Bürger mit einem Demonstrationsmarsch vom Dorfplatz zum Bürgerhaus ihren Unmut gegen das Projekt geäußert hatten. Es gab aber auch eine lautstarke Gegendemonstration von Mitarbeitern von Schaefer Kalk, die um ihre Stellen fürchten. Nach Angaben des Unternehmens stehen 75 Arbeitsplätze auf dem Spiel, wenn in rund zehn Jahren die Produktion am Steedener Kalkbruch Schneelsberg ausläuft und mit Hengen kein neues Abbaufeld erschlossen wird.

Der Geschäftsführer der Schupbacher Spedition Edgar Graß, Alexander Steinberg, erklärte, dass die Existenz seiner Firma ebenfalls bedroht sein könne, wenn Schaefer Kalk künftig keine Aufträge mehr für die Spedition hätte. Beselich würde, so Bürgermeister Michael Franz (parteilos), dann seinen größten Gewerbesteuerzahler verlieren.

Josef Schulte kritisierte, dass Schaefer Kalk die Spedition Graß in die Sache hineinziehe und versuche, einen Spalt in die Schupbacher Bevölkerung zu treiben. Er bezweifelt, dass die Arbeitsplätze wirklich gefährdet seien. Durch den Betrieb des Steinbruchs Hengen könnten auch Existenzen vernichtet werden. So berichtete Anke Möller, Betreiberin eines Reiterhofes, dass ihre Existenz verlorenginge, wenn in der Nähe ihrer Pferde Sprengungen vorgenommen würden.

Schaefer hat der Gemeinde und den Bürgern mittlerweile einige Zugeständnisse gemacht. In dem Bruch, der 780 Meter von der nächsten Wohnbebauung in Schupbach entfernt ist, soll aus Lärmschutzgründen kein Brecher eingesetzt werden. Zudem soll werktags der Betrieb nur noch bis 20 Uhr statt 22 Uhr stattfinden und der Samstag komplett Ruhetag sein. Auch soll es als Lärm- und Sichtschutz Hecken Richtung Schupbach geben. Auf das Anlegen einer Halde soll verzichtet werden. Der Gemeinde Beselich möchte Schaefer Kalk, wie Geschäftsführerin Heike Horn erklärte, 100 000 Euro im Jahr freiwillig als Ausgleichzahlung leisten. Ebenfalls lockt Schaefer damit, kulturelle und soziale Zwecke in den betroffenen Orten zu unterstützen.

Bürger meinten, kein Geld der Welt sei es wert, dauerhaft seiner hohen Lebensqualität im eigenen Wohnort beraubt zu werden. Sie wollen nicht Lärm und Dreck über Jahrzehnte ertragen müssen. Dr. Kai Schaefer, Mitglied der Geschäftsführung, versprach, dass sämtliche Vorgaben über Geräuschpegel eingehalten würden. Der Staub, der bei den Sprengungen aufgewirbelt werde, sei grobkörnig und sinke zügig zu Boden. Der Kalk werde über die vom Bruch Schneelsberg verlängerte Werkstraße abtransportiert, so dass keine Schwerlaster durch Schupbach fahren würden. Der Fahrweg soll bewässert werden, um so wenig Feinstaub wie möglich aufzuwirbeln.

Anwohner befürchten, dass wegen der vielen alten Bergwerkstollen unter dem Dorf Häuser durch Erschütterungen beschädigt werden könnten. Anwesende berichteten, dass es auch in Hahnstätten solche Vorfälle gegeben habe. Kai Schaefer glaubt nicht, dass in Schupbach Häuserschäden entstehen werden. Er bot aber an, ein Sachverständigengremium zu bilden, in dem seine Firma, die Gemeinde und Bürger vertreten sein sollen. Das Unternehmen sei bereit, dessen Entscheidungen zu akzeptieren.

Eine Frau meinte, die 100 000 Euro von Schaefer Kalk an die Gemeinde seien gleich wieder weg, wenn die Gemeinde Häuserschäden dokumentieren lassen und Gutachter dafür beauftragen müsse. Schulte griff den früheren Bürgermeister Martin Rudersdorf (parteilos) an. Der BI-Sprecher findet es sehr bedenklich, wenn jemand erst als Verwaltungschef arbeitet und sich dann von einem Unternehmen bezahlen lässt, um mit Insiderwissen ein solches Projekt durchsetzen zu helfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare