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Keinen guten Eindruck macht es, wenn Bad Camberger Gäste von Ladenleerstand an der Frankfurter Straße begrüßt werden.

Förderprogramm

Bad Camberg: Hier soll die Stadt schöner werden

Mit einer Bürgerinfo in der TG-Turnhalle vor zirka 120 Interessierten startete das Städtebauförderprogramm in Bad Camberg in die nächste Runde. Nach der Altstadt soll nun auch mit Hilfe des Landesprogrammes "Aktive Kernbereiche in Hessen" die kommenden zehn Jahre das Gebiet Frankfurter Straße/Pfortenwiesen inklusive Schwimmbad für die Zukunft gerüstet werden.

Bad Camberg - Die Bad Camberger Bauamtsleiterin Bärbel Stillger erklärte, dass die 25 Jahre Altstadtsanierung gut für die Wohn- und Lebensqualität in der Kernstadt sowie den Tourismus gewesen seien. "Daran wollen wir anknüpfen", betonte Stillger. Dem dient das neue Programm "Aktive Kernbereiche in Hessen". Die Frankfurter Straße sei die Nahtstelle zur Neustadt. Wenn die B 8 verlegt sei und sie zur Stadtstraße umgewidmet werde, könne hier gestalterisch einiges getan werden.

Die Pfortenwiese sei als Grüngürtel, Veranstaltungsstätte sowie Parkplatz für die Stadt ebenso von Bedeutung und darum ins Fördergebiet mit aufgenommen worden. "Die Strahlkraft Bad Camberg soll sich nicht nur auf die Altstadt beschränken", meinte Stillger. Das Land Hessen habe das Potenzial Bad Cambergs erkannt und die Stadt darum in das Förderprogramm "Aktive Kernbereiche in Hessen" aufgenommen. Dieses solle zu einer positiven Stadtentwicklung führen. Es gehe um eine Verbesserung der Wohnqualität und des Veranstaltungsangebotes sowie eine Förderung der Wirtschaft.

Bürgerbeteiligung

Das Programm lebe vor allem von Bürgerbeteiligung. Bad Camberger, die bei der Erstellung des Konzeptes mitarbeiten möchten oder gute Ideen zur Weiterentwicklung des Fördergebietes haben, können sich jederzeit bei der Stadt melden. Antje Köster von der von der Stadt beauftragten Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) sagte: "Die Bürger sind die Experten vor Ort, die für den ganzen Prozess neben der Stadtpolitik sowie Vereinen und Verbänden sehr wichtig sind". Michael Stoll von der DSK erkärte, dass das Programm Städte revitalisieren solle. Es sollten prägende Gebäude erhalten bzw. in ihrem baulichen Zustand verbessert, Straßen, Wege und Plätze aufgewertet werden. Vor allem kleineren Städten helfe das Programm, ihre Ortskerne auf Vordermann zu bringen. Es gehe aber nicht nur ums Wohnen und Leben, sondern auch die Stadt als Standort für Wirtschaft und Kultur. Ebenfalls sollten in den geförderten Kommunen die Mobilität der Bürger sowie die Barrierefreiheit verbessert werden. Stoll sagte, bei im Rahmen des Programms umgesetzten Projekten werde die Stadt ein Drittel der Kosten selbst tragen müssen. Zwei Drittel würden durch Fördermittel des Bundes und Landes finanziert. Das Land habe im November 2018 den ersten Förderbescheid in Höhe von 268 000 Euro bewilligt, so dass die Stadt Bad Camberg im ersten Förderjahr schon Projekte für insgesamt eine halbe Million Euro umsetzen können.

Bis November Zeit

Stoll sagte auch, dass es weiteres Ziel sei, Immobilienbesitzer bei der Neugestaltung ihrer Fassade, der energetischen Sanierung ihrer Gebäude oder Gestaltung ihrer Ladenlokale zu unterstützen. Der DSK-Vertreter berichtete, dass das nun zu erarbeitende Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) der rote Faden für die Weiterentwicklung des Gebietes Frankfurter Straße/Pfortenwiesen in den nächsten Jahren sei. Bis zum 15. November müsse das fertige Konzept in Wiesbaden eingereicht sein, sagte Stoll. Es gehe vor allem um die "Hauptschlagader Bad Cambergs", Frankfurter- und Limburger sowie Bahnhofstraße. Die Pfortenwiesen und das Freibad seien mit hineingenommen worden. Alles komme auf den Prüfstand. Beispiel könnten Emsbach und die alte Stadtmauer wieder erlebbarer gemacht werden. Auch die östliche Seite der Frankfurter Straße sei noch einmal mit ins Fördergebiet mit hineingenommen worden, da dort trotz Altstadtsanierung noch nicht alle Ziele umgesetzt seien.

Insgesamt umfasst das Fördergebiet elf Hektar Fläche. Ziel müsse es, so Stoll, sein, auch künftig in der Kernstadt Wohnraum zu bezahlbaren Preisen anbieten zu können. Aber nicht nur hier sieht der Fachmann in Bad Camberg Handlungsbedarf. Auch gegen den Ladenleerstand müsse etwas unternommen werden. Die B 8-Verlegung sei ein Hoffungsschimmer, aus der Frankfurter Straße künftig mit Verkehrsberuhigung für Fußgänger und Radler so mehr Grün etwas Tolles machen zu könne. Nicht gut findet er den Rückstau an der Ampelkreuzung aktuell dort, mit all den damit verbundenen Lärm- und Schadstoffbelastungen. Wilfried Weisenberger vom Beratungsbüro Standort und Kommune bemängelte, dass es kein schönes Bild für Gäste abgebe, wenn sie in diesen Bereich von einem Ladenleerstand begrüßt würden. "Wir werden hier nicht die Champs Elysees", meinte er. Doch den Ladenbesitzern sollten Vorschläge gemacht werden, wie sie Läden attraktiver gestalten könnten. Die Ausschilderungen in der Stadt seien, so Weisenberger, ebenfalls verbesserungswürdig.

VON ROBIN KLÖPPEL

Weitere Informationen

Interessierte Bürger wenden sich an Bärbel Stillger bei der Stadt unter (0 64 34) 20 26 10, E-Mail baerbel.stillger@bad-camberg.de, oder Jürgen Brechmann von der DSK, (06 11) 34 11 31 69, E-Mail juergen.brechmann@dsk-gmbh.de. Mehr Infos gibt es auch im Internet unter www.bad-camberg-aktivekerne.de.

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