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In Limburg gibt's am Donnerstag hitzefrei

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Von: Anken Bohnhorst, Stefan Dickmann, Tobias Ketter

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Ventilatoren helfen bei der für Donnerstag angekündigten Hitze. In Limburg machen dagegen Teile der Verwaltung an diesem Tag um 12 Uhr zu.
Ventilatoren helfen bei der für Donnerstag angekündigten Hitze. In Limburg machen dagegen Teile der Verwaltung an diesem Tag um 12 Uhr zu. © picture alliance / photothek

Verwaltung verweist auf Fürsorgepflicht. Andere Kommunen im Kreis Limburg-Weilburg handhaben es anders.

Limburg-Weilburg -Am Donnerstag soll es noch heißer werden als am Mittwoch. Bis zu 36 Grad werden vorhergesagt. Und das hat zumindest innerhalb der Stadtverwaltung Limburg Konsequenzen: Bereits am Dienstag stand fest, dass das Standesamt, das Ordnungsamt sowie die Mobilitätszentrale am Bahnhof am heutigen Donnerstag bereits von 12 Uhr an geschlossen sein werden - "wegen der vorhergesagten hohen Temperaturen und fehlenden Klimatisierungsmöglichkeiten", wie es in einer Pressemitteilung der Stadt heißt.

Man liest das einmal, man liest es zweimal, stellt seinen Ventilator im Büro eine Stufe höher, und liest es ein drittes Mal: Teile der Stadtverwaltung dürfen hitzefrei machen. Auf Nachfrage weist Stadt-Sprecherin Stefanie Kesper-Süß auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers hin. In den Räumen der betroffenen Abteilungen werde es mehr als 30 Grad heiß. Es gebe dort keine Klima-Geräte und auch keine Ventilatoren.

Machen das die anderen Kommunen auch, und wie gehen Betriebe mit der Hitze in Büros oder in Produktionsstätten um - schicken die ihre Mitarbeiter auch nach Hause, weil es mal einen Tag zu heiß ist?

"Wir arbeiten das ganze Jahr", sagt die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Limburg , Monika Sommer - und das gelte auch an heißen Tagen. Morgens würden die Büros gelüftet, anschließend die Fenster mit Jalousien verschattet. An die Mitarbeiter werde regelmäßig Mineralwasser verteilt, es gebe genügend Ventilatoren und an heißen Tagen Eis für alle.

In der Gemeinde Brechen wird es heute keine "Hitzefrei-Regelung" wie in der Limburger Stadtverwaltung geben. "Das Rathaus bleibt - wenn auch urlaubsbedingt dezimiert - geöffnet", sagt Haupt- und Personalamtsleiter Gerhard Stillger. "Das Gebäude hier in Brechen hat dicke Mauern, es wird morgens gelüftet und dann frühzeitig abgeschottet, so dass sich die Temperaturen doch aushalten lassen." Sein Tipp: "Möglicherweise könnte uns ein Becher Eis auch die notwendige Abkühlung bringen?" Die gleiche Idee hat der neue Selterser Bürgermeister. "Ich habe mir überlegt, für die Belegschaft Eis zu spendieren und so für etwas Abkühlung zu sorgen. Dies hat zudem die Förderung unserer ortsansässigen Eisdiele zur Folge", sagt Jan Pieter Subat (parteilos). Auch in Hünfelden ist kein Hitzefrei vorgesehen, informiert Denise Scheid von der Gemeindeverwaltung.

Kneipp-Tretbecken

in der Pause nutzen

Die Bad Camberger setzen auf großzügige Gleitzeit und Homeoffice-Regelungen. "So haben wir in der Verwaltung Möglichkeiten geschaffen, im Team auf besondere Lagen zu reagieren", sagt Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD). "Ich vermute, dass mit ,quasi hitzefrei' auch in Limburg gemeint ist, dass jeder, der nicht unbedingt präsent sein muss, auf Kosten seines Gleitzeitkontos daheim bleiben kann." Für die Mitarbeiter des Bauhofs sei die Arbeitszeit im Sommer um eine Stunde vorverlegt worden, verbunden mit der Anregung an die Bauhofleitung, die Einsätze so zu gestalten, dass an Tagen extremer Hitze in der heißen Mittagszeit vorrangig z. B. Materialpflegearbeiten, Reparaturen im Gebäudeinneren und ähnliches eingeplant werden, sagt Vogel.

Ein heißer Tipp ist natürlich auch, in einer Pause eines der Kneipp-Tretbecken im Kurpark zu nutzen. Etliche machen das schon, denn die Stadtverwaltung im historischen Amthof und im alten Rathaus hat das Glück, da ganz nah dran zu sein.

Für die Verwaltungsmitarbeiter der Gemeinde Beselich gibt es heute kein Hitzefrei. "Besonders donnerstags kommen viele Bürger mit verschiedenen Anliegen in das Rathaus. Wir wollen für diese Menschen da sein", sagt Büroleiter Andy Genschka. Da man sich derzeit in der Hauptreisezeit befinde, müssten besonders viele Passanträge bearbeitet werden, so dass es keine Zeit für ein paar freie Stunden gebe. "Unser Rathaus ist klimatisiert. Die Arbeitsbedingungen sind also erträglich", so Genschka weiter.

Auch in der Verwaltung des Marktfleckens Mengerskirchen wird heute ganz normal gearbeitet. "Erzieherinnen in den Kitas und Dachdecker müssen beispielsweise auch trotz Hitze ihrem Beruf nachgehen. Warum sollten dann ausgerechnet die Mitarbeiter der Gemeinde frei machen?", fragt Manfred Horz, Leiter des Hauptamts. Der Bauhof der Kommune beginne heute aber deutlich zeitiger mit der Arbeit. "Dadurch können die Angestellten früher Feierabend machen, so dass sie den extremen Temperaturen am Nachmittag nicht zu lange ausgesetzt sind", teilt Horz mit.

Das Rathaus in Villmar ist am heutigen Vormittag eine Stunde länger geöffnet. Die Mitarbeiter seien bis 13 Uhr für die Bürgerinnen und Bürger da, sagt Verwaltungschef Matthias Rubröder (CDU). Anschließend sei es den Angestellten freigestellt, ob sie nach Hause gehen oder bleiben.

"Der Service für die Bürger

steht im Vordergrund"

"Wir nehmen die Temperaturen ernst, aber hitzefrei - das ist schwierig", sagt Rainer Schmidt, Büroleiter im Hadamarer Rathaus. Zwar gibt es Mineralwasser für alle. Außerdem wird darauf geachtet, dass etwa die Mitarbeiter des Bauhofs nicht in praller Sonne arbeiten, und auch in den Verwaltungsgebäuden können in einigen Abteilungen Gleitzeit- und Homeoffice-Lösungen angeboten werden. Trotzdem gilt: "Der Service für die Bürger steht im Vordergrund." Büros, die "publikumsfrequeniert" sind, müssen offen sein, zumal gerade die Urlaubszeit auch für Behördengänge genutzt werde, sagt Schmidt.

Auf den heutigen "Dienstleistungs-Donnerstag", an dem einige Ämter bis 18 Uhr geöffnet haben, weist auch der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) hin. Gewisse Funktionen müssten besetzt sein, das sei wichtig. Im Rathaus wird früh morgens gelüftet. Auch ein paar Kilometer weiter, im Rathaus von Dornburg , gibt es kein Hitzefrei. "Wir haben Gleitzeitregelung - und zudem flächig Klimaanlagen in der Verwaltung", sagt Bürgermeister Andreas Höfner (CDU).

Bürgermeister Peter Blum (parteilos), Waldbrunn , bestätigt ebenfalls: "Wir machen kein Hitzefrei." Auch er berichtet, dass gerade die Ferienzeit genutzt werde, um "Belange in der Verwaltung vorzubringen und zu regeln". Zudem ist auch in Waldbrunn heute "langer Servicetag, den wir nicht kurzfristig ausfallen lassen wollen". Die Ventilatoren werden heute auf Hochtouren laufen.

Die sind im Rathaus von Elbtal nicht erforderlich, sagt der Erste Beigeordnete Joachim Bäcker (Bürgerliste Elbtal). Die Verwaltung ist in einem historischen Gebäude mit dicken Bruchsteinmauern untergebracht. "Die Innenräume heizen sich nicht so schnell auf, so dass es hier noch erträglich ist, obwohl draußen bereits große Hitze herrscht." Die Fürsorge gilt aber selbstverständlich auch den Mitarbeitern vom Bauhof, deren Arbeitsbeginn vorverlegt wurde. Sollten die Arbeitsbedingungen unzumutbar werden, kann Bäcker zufolge der Hauptamtsleiter spontan "hitzefrei geben und die Bediensteten nach Hause schicken".

Und wie machen es Unternehmen , deren meiste Mitarbeiter draußen arbeiten müssen? Die Bauunternehmung Albert Weil AG mit Sitz in Offheim stellt ihren gewerblichen Mitarbeitern nach eigenen Angaben unter anderem kostenlos Sonnencreme und Mützen - falls gewünscht mit Nackenschutz - zur Verfügung. "Unser Arbeitskleidungskatalog beinhaltet zudem Kleidung mit UV-Schutz", teilt Unternehmenssprecherin Christine Schäfer mit. "Weiterhin weisen wir darauf hin, regelmäßige Pausen in den Arbeitstag zu integrieren und ausreichend Wasser zu trinken, welches den Mitarbeitern ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt wird." Sofern möglich, werde der Arbeitsbeginn schon auf 6 Uhr vorverlegt, um der größten Hitze zu entgehen. "Sollte dies nicht möglich sein, wird die Arbeitszeit verkürzt, was im Rahmen der Arbeitsorganisation berücksichtigt wird."

Unternehmen können

es sich nicht leisten

Mit diesen Maßnahmen schützt auch Kreishandwerksmeister Wolfram Uhe die Mitarbeiter in seinem Metallbau-Betrieb in Lindenholzhausen. Die Monteure, die im Außeneinsatz seien, würden schon um 6 Uhr anfangen zu arbeiten und dafür früher Schluss machen. In den Büros seien Ventilatoren aufgestellt, es werde Mineralwasser verteilt, morgens gelüftet und die Jalousien würden herunter gelassen. "Hitzefrei" könne sich sein Unternehmen gar nicht leisten. "Die Kunden warten auf uns, wir haben schon mit Lieferproblemen zu kämpfen, da können wir unseren Kunden nicht noch sagen, tut uns leid, es dauert noch länger, denn es ist zu heiß."

Wenn es mal zwei, drei Wochen am Stück Temperaturen um die 40 Grad gebe, dann könne er ja verstehen, dass man zum Schutz der Mitarbeiter über besondere Maßnahmen nachdenke. Aber in jedem Sommer gebe es ein paar heiße Tage, und am Wochenende solle es doch schon wieder kühler werden. "Ich glaube, wir sind manchmal zu verwöhnt", sagt Uhe. abv/dick/pp/tob

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