Restaurierung

Hobbyhistoriker lässt den Brunnen in der Steingasse glänzen

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Der Dehrner Marmorbrunnen von 1840 erstrahlt wieder in neuem Glanz. Das ist dem geschichtsbewussten Ortsbewohner Günther Seip zu verdanken. Er hat viel Zeit und privates Geld in die Sache gesteckt.

Jahrzehntelang zeigte er sich unscheinbar, grau und von Kalkablagerungen überzogen: der Röhrenbrunnen am ehemaligen Rathaus in der Dehrner Steingasse. „Die eingemeißelte Jahreszahl 1840 war kaum noch zu lesen“, berichtet Günther Seip. Der 73-Jährige, vielen Nicht-Dehrnern auch als ehemaliger Leiter der Elzer Erlenbachschule bekannt, änderte dies. Jetzt präsentiert sich der alte Brunnen – gefertigt aus heimischem Marmor – wieder als Schmuckstück in der Ortsmitte. Seip ließ ihn in mehrtägiger Arbeit auf eigene Kosten von einem Fachmann von Hand abschleifen. „Passanten staunten nicht schlecht, als sie sahen, was unter der verwitterten und verdreckten Oberfläche zum Vorschein kam“, erzählt Seip.

Der große Trog zeigt sich plötzlich in feinstem Marmor, vom Fachmann als Steedener Edelrot bestimmt. Er ist durchzogen von rötlichen Adern. Der dahinter stehende Sockel besteht aus grauem Villmarer Kissel. Der Obelisk, der Aufsatz und die anschließende Kugel wurden laut Seip hingegen als Villmarer Kissel rot identifiziert. „Besonders der Villmarer Marmor zeigt viele größere Einschlüsse, die in einer Zeit vor etwa 380 Millionen Jahren entstanden sind. Damals war unser heutiges Gebiet als Korallenriff noch unterhalb des Äquators angesiedelt“, erklärt Seip. Der Brunnen hat zudem einen komplett neuen Auslauf erhalten. Dessen Konstruktion orientiert sich an alten Fotos, die den ursprünglichen Zustand zeigten. Seip erzählt über die Anfänge des Brunnens: „Nach Genehmigung durch die Herzoglich-Nassauische Landesregierung, verbunden mit dem Auftrag, für gute Ausführung zu sorgen, baute das damals schuldenfreie Dehrn den Brunnen im Jahr 1840 für 398 Gulden.“ Ursprünglich stand der Brunnen in der Römerstraße, wie Günther Seip weiß. Sein Standort war gegenüber der heute nicht mehr vorhandenen alten Schule, wo mittlerweile das Feuerwehr- und Vereinshaus steht. Der Trog des Brunnens hatte damals eine Länge von 3,50 Metern. In Dehrn gab es seinerzeit, so Seip, noch viele Bauern, die den Brunnen als Tränke für ihre Pferde nutzten. Durch die Pferde hat der Brunnen heute noch einige Gebrauchsspuren, die Seip bewusst nicht entfernte.

„Da der lange Trog in die Steingasse hineinragte, wurde der Brunnen vermutlich schon vor dem Zweiten Weltkrieg am gleichen Standort etwas versetzt und der Trog auf zwei Meter gekürzt“, weiß der Hobbyhistoriker. Schließlich wurde der Brunnen im Rahmen der Asphaltierung der Steingasse im Jahre 1958 erneut umgesetzt – gegenüber von seinem heutigen Standort. Im September jenen Jahres lieferte der Brunnen nach Aussage Seips 17 Kubikmeter Wasser an einem Tag. Zusammen mit einem weiteren Brunnen in der oberen Steingasse hätten beide Dehrner Brunnen zusammen pro Tag 31 Kubikmeter Wasser geliefert. Gespeist wurden sie von einer Quelle in den Borngräben, unweit der Schulstraße.

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