Projekt

Gemeinde sagt Ja zum Windpark

  • schließen

Die Zustimmung war mehr als deutlich: Einstimmig hat die Hünfeldener Gemeindevertretung am Donnerstagabend beschlossen, sich für den Betrieb der Anlagen an der bereits bestehenden Bürgerwindpark Hünfeldener Wald GmbH und Co. KG zu beteiligen. Die Gemeinde hofft auf eine Inbetriebnahme des Windparks im Laufe des Jahres 2019.

Dieser Weg war kein leichter: Die Fraktionsvorsitzende der Freien Bürger Hünfelden (FBH), Sabine Winterwerber, zitierte Xavier Naidoo. Ja, es war schwer, die Genehmigung für den Hünfeldener Windpark im Kirberger Wald zu erhalten. Und: Es gibt weniger Anlagen als ursprünglich geplant, dafür sind sie höher. Nachdem die Einwände der Deutschen Flugsicherung ausgeräumt und die letzten Gutachten aktualisiert waren, hat das Regierungspräsidium zugestimmt, drei Anlagen des Typs „Nordex N 149“ zu errichten, jeweils 238,5 Meter hoch und hochmodern. „Damit können wir an der Ausschreibung im Mai teilnehmen“, so Winterwerber. Die Gemeinde Hünfelden hofft auf eine Inbetriebnahme im Laufe des Jahres 2019.

Anfangs rechnete die Gemeinde mit sechs Anlagen, später fünf, jetzt drei. Das Problem war die Nähe zu den Drehfunkfeuern, die die Deutsche Flugsicherung vorhält, um die Navigation der Flugzeuge sicherzustellen. An den drei nun genannten Standorten ist das Aufstellen der Windräder, so das Urteil der Fachleute, machbar. Ob weitere Anlagen genehmigungsfähig sind, wird noch erörtert. Die Chronologie in Sachen Windkraft reicht mittlerweile zwölf Jahre zurück.

Im Januar 2006 wurde die 13. Änderung des Flächennutzungsplans genehmigt, die eine Windenergiefläche in der Gemarkung Heringen („Südwestlich Römberg“) vorsah. Drei Jahre später wurden die gemeindlichen Gremien über die Ausweisung eines Vorranggebietes im Entwurf des Regionalplans 2009 an der Waldgrenze zum Nachbarort Hünstetten-Ketternschwalbach informiert. Es gab die ersten Überlegungen, Windkraftanlagen im Hünfeldener Wald zu errichten. Im Dezember 2009 gab es die erste Bürger-Informationsveranstaltung zu diesem Thema. Die Mandatsträger informierten sich in der Folgezeit über Windparks im Hunsrück, begutachteten die möglichen Standorte im Kirberger Wald. Die Gemeindevertretung sprach sich für einen Windpark aus. Es formierte sich Widerstand.

Eine Bürgerinitiative gegen die Windkraft an dieser Stelle bildete sich, sammelte genügend Unterschriften für einen Bürgerentscheid. Ergebnis: 63,53 Prozent der abgegebenen Stimmen sprachen sich dafür aus, das Flächennutzungsplanverfahren zum Thema Windenergie fortzuführen.

Aus der Bürgerinitiative gegen die Windkraft ging politisch die Alternative Liste Hünfelden (ALH) hervor. Die Debatten zum Thema wurden intensiv geführt – auch über Leserbriefe in dieser Zeitung. Die Hünfeldener Gemeindevertreter blieben bei ihrem Votum pro Windkraft und führten das Verfahren fort, die ALH trat bei der letzten Kommunalwahl nicht mehr an. Die Gemeinde bildete eine Projektgruppe zum Thema und gründete 2017 die Bürgerenergiegesellschaft (BEG) Bürgerwindpark. Denn Ziel sollte es von Anfang an sein, Bürger an der Energiegewinnung zu beteiligen.

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion Rainer Knapp spracht am Donnerstagabend in der Gemeindevertretersitzung von einer Idee, die nach langer Zeit endlich Wirklichkeit werde. „Wir wollen einen regionalen Beitrag zum Klimaschutz leisten und gleichzeitig auch zur lokalen Wertschöpfung für Hünfelden“, sage Knapp und fragte: „Was haben die Bürger davon?“

Die Antwort sei: Ein gutes Gewissen, sich aktiv an der Klimapolitik zu beteiligen und gleichzeitig über die Bürgerenergiegesellschaft teilhaben zu können. Schließlich führten die zu erwartenden Einnahmen zu einer entspannteren Haushaltslage der Gemeinde. „Das verhindert dann sicher auch die ein oder andere Steuererhöhung.“ Außerdem werde man weiter an dem Ziel arbeiten, eines Tages einen eigenen regionalen Stromtarif anbieten zu können.

Astrid Stähler-Becker, die für die CDU aus dem Ausschuss berichtete, merkte außerdem an: „Das Verfahren hat uns viel Mühe und einige Nerven gekostet.“ Alle drei Ausschüsse der Gemeinde stimmten jetzt der Fortführung des Verfahrens weiter zu, ebenso das Hünfeldener Gemeindeparlament. Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos) dankte allen Beteiligten und merkte an: In der letzten Zeit habe es fast wöchentlich einen „Jour Fix“ mit den beteiligten Kooperationspartnern gegeben, um das Projekt umzusetzen. Ein wichtiger Schritt ist jetzt getan.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare