1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Hünfelden

Gut gerüstet für die Katastrophe

Erstellt:

Kommentare

Informierten über den möglichen Ernstfall (von links): Christian Dohmen, Annika Jäger, Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer, Jürgen Lang, Jouke Landmann und Gemeindebrandinspektor Mario Bauer.
Informierten über den möglichen Ernstfall (von links): Christian Dohmen, Annika Jäger, Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer, Jürgen Lang, Jouke Landmann und Gemeindebrandinspektor Mario Bauer. © tkz

Gemeinde informiert, was für den Ernstfall vorbereitet ist

Hünfelden -Was passiert, wenn der Strom, Internet und Telefonie ausfallen? Was passiert, wenn es plötzlich kein Gas mehr gibt? Aufgeschreckt durch die Schlagzeilen der vergangenen Wochen und Monate hatte auch die Verwaltung in Hünfelden immer mehr Anfragen von besorgten Bürgern erhalten, zuletzt bei der jüngsten Gemeindevertreterversammlung. Zwar hatte die Gemeinde erst im vergangenen November ihren neuen Flyer „Gerüstet für den Ernstfall - Tipps für das Verhalten in folgenden Notfällen: Unwetter, Stromausfall, Trinkwasser, Telekommunikation und allgemeine Vorsorge“ vorgestellt und an alle Haushalte verteilen lassen. Doch als Info, wie das alles genau funktioniert, und für direkte Nachfragen bei den Verantwortlichen hatte der Gemeindevorstand jetzt zu einer Bürgerinformationsveranstaltung in die Turnhalle des TSV Heringen eingeladen.

Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos), Gemeindebrandinspektor Mario Bauer und Jouke Landmann, Regionalleiter Nord der Syna, informierten dabei über Grundsätzliches und beantworteten geduldig alle Fragen der rund 50 Besucher in der Halle.

Fazit: Als eine der wenigen hessischen Gemeinden hatte Hünfelden bereits 2018 begonnen, bestehende Sonderschutzpläne (Waldbrand, Stromausfall/Blackout, Ausfall der Telefonie & Internet, Vorsorge Unwetter und Betreuung, neu: Gasmangellage) für die kritische Infrastruktur zu überarbeiten beziehungsweise neu zu erstellen und die sich daraus ergebenden Aufgaben umzusetzen.

So habe man sich bereits früh Gedanken um die Sicherung des Trinkwassers für den Fall eines Stromausfalls gemacht und zwei leistungsfähige Stromerzeuger zum Betrieb von zwei Hochbehältern bestellt, die die Versorgung mit Wasser für mindestens 48 Stunden sichern. Auch ein Betreuungsplatz 50 wurde umgesetzt, in dem in einem Katastrophenfall sogar bis zu 75 Personen mehrere Tage versorgt werden können. Bei einem Ausfall der Gasversorgung werden in den Turnhallen der Gemeinde sogenannte „Wärmeinseln“ eingerichtet. Auf den Einsatz elektrischer Heizlüfter in den Haushalten solle man jedoch verzichten. Dies würde das Stromnetz definitiv zum Zusammenbrechen bringen. Auch sonst, so Bauer, seien die Feuerwehr sowie die Verwaltung, schnell zur Information und Unterstützung der Bevölkerung aktiviert. Wenige Stunden nach Aktivierung eines Sonderschutzplanes würden Infos über Telefon (wenn in Funktion) oder Lautsprecher an die Bürger weitergegeben und die Feuerwehrhäuser als „Leuchttürme“ und Anlaufstationen zum Beispiel für Notrufe über das Feuerwehr-Funknetz geöffnet.

Bei Gasausfall von Haus zu Haus gehen

Der Gemeindebrandinspektor machte auch klar, dass je umfangreicher der Ausfall der kritischen Infrastruktur ausfalle, deren Wiederherstellung desto langwieriger dauere. Handele es sich nur um wenige Straßenzüge oder Ortschaften, gehe es schneller, seien ganze Landkreise oder Deutschland komplett betroffen, müsse man etwas länger warten. Oft reiche es nicht, einfach wieder auf den Start-Knopf zu drücken. So müsse das Stromnetz Step-by-Step wieder hochgefahren werden, und bei der Wiederinbetriebnahme von Gasanschlüssen müssten sogar Mitarbeiter der Syna, beziehungsweise deren Kooperationspartner in solchen Krisenfällen, von Haus zu Haus gehen, um die Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen und dabei das Eindringen von Luft in die Leitungen zu verhindern. Das könnte unter Umständen einige Tage oder noch länger dauern.

Warn-Apps fürs Handy

Deshalb, so Bauer, sei es auch besonders wichtig, dass die Bürger immer gut informiert und auf solche Fälle einigermaßen vorbereitet seien. Zur Information verwies er auf Warn-Apps fürs Handy wie Katwarn (bundesweit) oder Hessenwarn. Gerade die mehr lokal aufgestellten Warnsysteme könnten aktuelle Infos bis hin zu Vorfällen in einzelnen Straßenzügen an die Bewohner weiterleiten. Zudem sei für Februar 2023 das bundesweite sogenannte „Cell Broadcast“ angekündigt. Damit erhalte jeder Handybesitzer, der eine betroffene Funkzelle erreicht, aktuelle Warnmeldungen geschickt. Zum Thema Notfall-Vorrat empfahl der Experte die Checkliste im „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (zum Download im Internet auf www.bbk.bund.de). Wer vorbereitet sei, könne sich selbst, Angehörigen und Nachbarn helfen, bis die staatliche Hilfe eintrifft.

Auch eine Anregung aus den Zuschauerreihen wurde von den Veranstaltern dankbar aufgegriffen. Denn die ärztliche Notversorgung ist noch nicht in die Krisenfallpläne eingearbeitet. Hier soll Kontakt zu den betroffenen niedergelassenen Ärzten aufgenommen werden. Für weitere Rückfragen und Anregungen stehen die Gemeinde Hünfelden, Feuerwehr und Hilfsorganisationen wie das örtliche DRK gerne zur Verfügung. thorsten kunz

Auch interessant

Kommentare