Felix freut sich, mit ihm seine Eltern und die Lionsfreunde. Der an Autismus leidende Junge soll sich mit Hilfe des Therapiehundes Melmac im Leben besser zurechtfinden.
+
Felix freut sich, mit ihm seine Eltern und die Lionsfreunde. Der an Autismus leidende Junge soll sich mit Hilfe des Therapiehundes Melmac im Leben besser zurechtfinden.

Tierische Hilfe

Hünfelden: Als Team den Alltag mit Autismus meistern

Therapiehund Melmac soll Felix begleiten - Projekt des Lions-Clubs Limburg Goldener Grund

Neesbach -Eltern haben keinen größeren Wunsch, als dass ihre Kinder gesund zur Welt kommen. Da wird es zum Schock für die ganze Familie, wenn das Kleinkind Symptome zeigt, die nicht der Normalität entsprechen. So wie bei Felix. Der Vierjährige ist Autist, eine Behinderung, für die es keine Heilung, wohl aber aufwendige Behandlungsmöglichkeiten gibt, die ihm der Lions-Club Limburg Goldener Grund in einem einzigartigen Projekt ermöglicht.

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, deren Ursachen lange Zeit unbekannt waren. Inzwischen haben Forscher zahlreiche Genvarianten identifiziert, die bei der Entstehung von Autismus eine Rolle spielen. Nur: Warum sich das Gehirn anders entwickelt, bleibt rätselhaft. Meist fallen die Symptome schon in den ersten Lebensjahren auf wie bei den Eltern von Felix. Für Jennifer und Rico Jagusch in Hünfelden-Neesbach ist das wie für alle anderen Eltern autistischer Kinder eine riesige körperliche wie psychische Herausforderung.

Betroffene Kinder fallen schon in den ersten drei Lebensjahren auf. Sie lassen sich nicht in den Arm nehmen, sprechen nicht oder kaum und suchen keinen Blickkontakt. Eltern laufen oft von Arzt zu Arzt, bemühen Psychologen und mitunter dauert es Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird; denn das Spektrum der Behinderungen ist mannigfaltig. Im Unterschied zu anderen Behinderungen sieht man den Kindern den Autismus nicht an. Es gibt sie von geistig behindert bis hochbegabt. Doch allen Autisten mangelt es an der Fähigkeit, Gefühle und Empfindungen auszudrücken. Sie zeigen keine Kontaktbereitschaft. Ihre Zwangsstörungen werden gerade in jungen Jahren von ihrem Umfeld als ungezogen wahrgenommen.

Anspruchsvolle Prüfung

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) geht derzeit davon aus, dass eines von 160 Kindern eine Autismus-Spektrum-Störung hat. Doch es gibt Behandlungsmöglichkeiten, um das jeweilige Potenzial des Kindes auszuschöpfen und seinen Lebensweg zu erleichtern. Dieser Aufgabe hat sich der Lions-Club Limburg Goldener Grund gestellt und ermöglicht Felix das Leben mit einem speziell ausgebildeten Therapiehund: Ein Segen für den kleinen Jungen und die ganze Familie. Damit seine ältere Schwester Emiliy nicht das Nachsehen hat, darf sie bald ein Aquarium mit quirligen Fischlein ihr eigen nennen.

Melmac, ein Golden Retriever, war ein gutes Jahr alt, als er von Katrin Scholz und ihrem Team vom Hundetherapie- und Trainingszentrum in Grünberg/Kreis Gießen in einer halbjährigen Schulung zum "Autismus-Hund" ausgebildet wurde. Infolge Corona wird er mit einiger Verspätung in Kürze seine anspruchsvolle Prüfung bestehen müssen, ehe er mit fachkundiger Betreuung in die Neesbacher Familie eingeführt wird und mit Felix zusammenleben darf. Melmac, der im August zwei Jahre alt wird, zeichnet Grundgehorsam unter besonderen Belastungen wie Stress, Lärm, Bedrängung, Aggression und Gefahren aus.

Kind und Hund haben sich bereits angenähert. Für den Vierjährigen wird der Vierbeiner nach seiner Grundausbildung weitertrainiert, um den individuellen Anforderungen wie den Zwangsstörungen oder der Impulsivität des Kindes gerecht zu werden. "Melmac wird das Kind beruhigen und ihm als Hauptbezugspartner Sicherheit in verschiedenen Alltagssituationen geben, Felix lebenstüchtiger machen und damit der sehr engagierten Familie ein in vielerlei Hinsicht freieres Leben ermöglichen", ist Prof. Dr. Karen Reimer überzeugt.

Allergische Speiseröhre

Die Medizinerin ist die amtierende Präsidentin des Lions-Clubs Limburg Goldener Grund, der sich getreu des internationalen Lions-Mottos "We serve" (Wir dienen) Hilfsprojekte auf die Fahnen geschrieben hat. Sie werden von ihren jeweiligen Präsidenten initiiert und durch Spendengelder finanziert, die der Lions-Club mit seinen derzeit 22 Mitgliedern unter anderem bei der jährlichen Verlosung anlässlich der Auto-Classic vor Ostern in der Limburger Innenstadt erwirbt.

Für das einmalige Projekt, das die Lions dank des Einsatzes von 10 000 Euro ermöglichen, war in Zusammenarbeit mit der noch jungen Selbsthilfegruppe "Leben im Autismus-Spektrum" und dem Team der Frühförderung der Limburger Lebenshilfe e.V. eine besonders geeignete Familie ausgesucht worden. Die Wahl fiel auf den vierjährigen Felix, der nicht nur einen diagnostizierten "High-Function-Autismus" hat, sondern auch eine weitere chronische Behinderung in Form einer allergischen Speiseröhre.

Die Eltern des kleinen Jungen, Jennifer und Rico Jagusch, sind auch in der Selbsthilfegruppe sehr engagiert, um dem Thema Autismus zu mehr öffentlicher Wahrnehmung und neuen Lösungen zu verhelfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare