Der Fosbury Flop war seinerzeit noch erfunden: Der Hochspringer Nilges mit der Straddle-Technik 1956.
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Der Fosbury Flop war seinerzeit noch erfunden: Der Hochspringer Nilges mit der Straddle-Technik 1956.

125 Jahre Bergturnfest Mensfelden

Hünfelden: Das Bergturnfest soll bewusst anders sein

In einer kleinen Serie blicken wir auf die Historie der Veranstaltung zurück

Mensfelden -Die Wettkampfstätte unterhalb des Mensfelder Kopfes hatte, wie es sich für einen Berg mit 314 Metern Höhe gehört, einige Besonderheiten. Zu ihnen gehörte die abschüssige Anlaufbahn in die Weitsprunggrube, welche jährlich mit Sägemehl neu befüllt wurde und weite Sprünge erlaubte, sowie auch die Laufstrecken (Rundstrecke), die mal hoch und mal runter für die Athleten herausfordernd waren. Der Meko erlebte große Sportfeste mit hohen Besucherzahlen aus der gesamten Region.

Höhenfeuer entzündet

Zahlreiche Teilnehmer reisten bereits am Samstag an und erlebten dann auch das Abbrennen des meterhoch aufgeschichteten Holzstapels nach Einbruch der Dunkelheit mit. Dieses Höhenfeuer, das über das Limburger Becken bis in den Westerwald und in den Taunus noch zu sehen war, sollte in seiner Tradition den Wettkampftag am nächsten Tag verkünden und zur Teilnahme aufrufen.

Der historische Vorläufer des Höhenfeuers führt zurück in das Jahr 1863. Am 19. Oktober 1863 zur 50-jährigen Gedenkfeier an den Sieg der Großmächte Österreich, Russland, Preußen und Schweden gegen Napoleon in der großen Befreiungsschlacht in und um Leipzig, brannte auf dem Mensfelder Kopf, damals auch Hornel genannt, ein mächtiges Feuer, bei dem der alte Waterloo-Kämpfer, Schultheiß Lanz, die Ansprache hielt.

Das Bergfest auf dem Meko erfreute sich in den 50er Jahren großer Beliebtheit und war bei allen Turnvereinen in der Region und darüber hinaus eine feste Größe im Terminkalender.

Zu Zeiten, als hinter dem oberen Fußballtor noch die Fundamentreste der Fliegerhalle zu sehen waren, machte das Ausmessen einer Rundbahn immer größere Probleme, für deren Lösung man gescheite Leute wie Wilhelm Stückrath und Karl Brechen brauchte. Obwohl die Kurve hinter den Betonplatten schon über den Feldweg gezogen werden musste, bekam man nicht die für den 400 Meterlauf erforderliche Rundung hin. Die Bahn war auch eher eiförmig und Start und Ziel lagen auseinander.

Mit der Vereinsspaltung in Mensfelden im Jahre 1964 wurde durch Beschluss des Turngaues in der Folge das Bergturnfest im zweijährigen Rhythmus von TuS Mensfelden und TV Jahn ausgerichtet und erlebte weiterhin viele schöne Höhepunkte. Die Turnerjugend erfreute sich in den 70er Jahren mit oftmals über 100 Teilnehmern am Zeltlager und an den Jugendgruppenwettstreiten (Wissen, Pflichttanz, Pflichtlied, Gruppenturnen Kasten/Boden, Medizinballreihenwurf und Pendelstaffel), welche einen Wanderpreis auslobten. Ebenso gab es mit den Wanderpreisen zum Gedächtnis von Edgar Diefenbach (für Turner) und Josef Neukirch (für Jugendturner) Mannschaftswettbewerbe mit den Disziplinen Weitsprung, Steinstoßen, Schleuderball und einer vier mal 100-Meter-Staffel.

Ausblick in den Westerwald

Auch wenn durch die im Jahr 1984 neugeschaffene Rasensportanlage auf dem Mensfelder Kopf einiges vom ursprünglichen Reiz verlorengegangen sein dürfte, so hat das Bergfest doch etwas Urwüchsiges und, wie es sich für eine solch traditionsreiche Veranstaltung gehört, seine eigenen Geschichten und Histörchen. Viele der älteren Teilnehmer kennen und erzählen sie immer wieder gern. Sie wissen auch, dass die auf dem Bergfest erzielten Höchstleistungen nicht die Anerkennung finden, da Zeiten und Weiten nicht mit den Bestmarken auf Tartan-Bahnen mithalten können. Aber es soll auch bewusst anders sein: Leichtathletik mitten in der Natur auf Gras betreiben ist eine coole Sache und passt auch in die Moderne. Der herrliche Ausblick in den Westerwald und Taunus vom Mensfelder Kopf, eine außergewöhnliche Umgebung und eine familiäre Atmosphäre ist den Athleten hier wichtiger als Bestwerte zu erzielen.

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