Berthold Faulhaber hat beim Bau des Freibades in Kirberg fleißig mitangepackt.
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Berthold Faulhaber hat beim Bau des Freibades in Kirberg fleißig mitangepackt.

Wie das Kirberger Schwimmbad entstand

Hünfelden: Das Freibad mit Spaten und Pickel ausgehoben

  • Tobias Ketter
    VonTobias Ketter
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Berthold Faulhaber hat jede freie Minute auf der Baustelle verbracht

Kirberg -Schwimmen bei strahlendem Sonnenschein, spektakuläre und akrobatische Sprünge vom Drei-Meter-Brett sowie pure Entspannung auf der großflächigen Liegewiese. Im Kirberger Freibad kamen Wasserfreunde jeden Alters in den vergangenen Jahrzehnten stets auf ihre Kosten. Die Einrichtung ist freilich fester Bestandteil des Ortsbildes. Mehr als 60 Jahre ist der Bau des Schwimmbades mittlerweile her. Damals mit dabei war der heute 91-jährige Berthold Faulhaber, der von den meisten Bürgern des Marktfleckens im Goldenen Grund schlicht Holdi genannt wird.

Faulhaber wurde 1946 aus dem Sudetenland vertrieben und fand in Kirberg eine neue Heimat. Damals war er gerade einmal 16 Jahre alt. "Wir waren die ersten Vertriebenen vor Ort", erinnert er sich. Holdi habe den eigenen Angaben zufolge schnell Anschluss in dem Dorf gefunden. Denn er war ein begeisterter Fußballer. "Mit meinen Sportkameraden war ich Ende der 1940er Jahre oft im Löschteich schwimmen. Er befand sich an der Stelle wo heute der Parkplatz des Rathauses ist", sagt der Senior. In seiner ehemaligen Heimat Sternberg im Sudetenland sei er zuvor regelmäßig im städtischen Schwimmbad oder in einem Weiher anzutreffen gewesen. "Ich war schon immer gerne im Wasser unterwegs", sagt Faulhaber.

Im Jahr 1948 hatten er und seine Freunde dann eine Idee, die das Ortsbild von Kirberg nachhaltig veränderte. "Wir sind damals zur Gemeindeverwaltung gegangen und haben gefragt, ob der Bau eines Freibades möglich gemacht werden könnte", sagt der 91-Jährige. Sein Kumpel Horst Jung sei federführend für die Gespräche mit der Gemeinde verantwortlich gewesen.

1955 feierlich eingeweiht

Nachdem die Verantwortlichen den Vorschlag von Faulhaber und seiner Clique akzeptiert hatten, ging die Arbeit los. "Wir hoben mit Spaten und Pickel das Schwimmbad eigenständig aus. Viele Jugendliche haben mit angepackt", berichtet der Kirberger. Er selbst sei in jeder freien Minute zur Baustelle geeilt, um die Schippe in die Hand zu nehmen. Die Gemeindeverwaltung habe sich über die freiwillige und ehrenamtliche Arbeit der jungen Leute damals sehr gefreut.

Nachdem die Fläche nahe dem heutigen Rathaus ausgehoben war, rückten Baufirmen mit ihren großen Maschinen an, um das Freibad einzuschalen und zu betonieren. "Unsere Arbeit war dann erledigt", sagt Faulhaber. Während der 600-Jahr-Feier des Dorfes im Jahr 1955 wurde das fertiggestellt Freibad dann feierlich eingeweiht. "Mit dabei war der Landrat und auch der hessische Innenminister Heinrich Schneider", erinnert sich der Senior aus Kirberg. Das Land habe den Bau des Schwimmbades zuvor finanziell gefördert.

Nach der Eröffnung sei das Freibad auch als Löschteich genutzt worden. "Der alte Löschteich wurde entfernt", so der 91-Jährige. Er habe über viele Sommer hinweg seine Freizeit in der neuen Einrichtung verbracht. "Es waren tolle Jahre", sagt Faulhaber mit einem Lächeln im Gesicht.

Heute blickt er mit leichten Sorgenfalten auf das Schwimmbad. Denn die Einrichtung ist bereits seit einiger Zeit wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. "Ich würde gerne wissen, wann und ob das Freibad wieder aufgemacht wird", sagt der Rentner. Am gestrigen Mittwoch wurde während der Sitzung der Gemeindevertretung von Hünfelden in der Dauborner Mehrzweckhalle unter anderem über den aktuellen Stand in Sachen Schwimmbadsanierung gesprochen. Ein Bericht zu dem Thema folgt in einer der kommenden Ausgaben dieser Zeitung.

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