Klaus Schumacher aus Dauborn gegen die Gelben Säcke ziemlich "auf den Sack".
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Klaus Schumacher aus Dauborn gegen die Gelben Säcke ziemlich "auf den Sack".

Private Tonne würde nicht geleert

Gelbe Säcke reißen, Tonne kostet extra: Bürger kritisieren Abfallsystem

  • vonRobin Klöppel
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Bürger in Hünfelden im Kreis Limburg-Weilburg ärgern sich über rissige Gelbe Säcke, eine Tonne müssten sie aber mieten und extra zahlen.

Hünfelden - Nicht alle Bürger im heimischen Landkreis sind zufrieden mit der Qualität der Gelben Säcke für die Sammlung des Verpackungsmülls. Aktuell hat aber gar nicht der Landkreis die Hoheit darüber, sondern das von "Das Duale System" (DS) beauftragte Eschhöfer Entsorgungsunternehmen Bördner.

Nun meldete sich eine ratlose NNP-Leserin per Mail bei der Redaktion. Susanne Schumacher wohnt mit ihrem Mann Klaus und zwei Kindern in Mensfelden. Immer wieder reißen ihr nach eigenen Aussagen die Schlaufen der Gelben Säcke. Immer wieder sind auch die Säcke rissig, so dass der ganze Müll auf die Straße zu fliegen droht. Gerade bei starkem Wind am Abholtag alles andere als lustig für sie. Auch wenn die Säcke draußen hingen, würden sie oft Opfer von Katzen und Mardern, die sie zerstörten, berichtet Schumacher. Darum wollte sie beim Kreis erkunden, ob es nicht möglich sei, feste Tonnen wie beim Haus-, Papier- und Biomüll zu bekommen.

"Die Qualität der Gelben Säcke hat die letzten Jahre stark nachgelassen", findet die 53-jährige Lehrerin der Dauborner Freiherr-vom-Stein-Schule. Ihr Mann Klaus ergänzt, dass es ja in Rheinland-Pfalz schon lange Gelbe Tonnen gebe. So eine wollten die Schumachers auch, wären sogar bereit gewesen, sie selbst für 60 Euro zu kaufen. Denn ein Anruf bei der Firma Bördner auf Empfehlung einer Nachbarin hatte ergeben, dass man dort die Tonnen nur gegen eine Gebühr von 2,50 Euro im Monat mieten könne. Bereits nach zwei Jahren würde sich, so die Rechnung der Schumachers, der Kauf einer eigenen Tonne schon rechnen.

Allerdings kamen ihnen dann Bedenken, ob die fremde Tonne denn überhaupt von der Firma Bördner geleert werden würde. Denn die anderen Tonnen hätten ja mittlerweile einen Strichcode. Die Schumachers wollen nach vergeblicher eigener Recherche wissen, ob die Firma Bördner ein Monopol besitze. Die Lehrerin: "Für uns ist nicht ersichtlich, warum für unsere gezahlten Müllgebühren nicht unser Verpackungsmüll auf jeden Fall entsorgt wird, egal ob wir Gelbe Säcke, eine gemietete Mülltonne oder eine eigene Mülltonne verwenden".

Bis Jahresende keine Wahl

Wie Erster Kreisbeigeordneter Jörg Sauer (SPD) erklärte, haben die Bürger bis Ende des Jahres offiziell keine Wahlmöglichkeit. Bördner sei nur verpflichtet, Gelbe Säcke mitzunehmen. Wie Logistikleiter Frank Bördner gegenüber dieser Zeitung erklärte, biete das Unternehmen Leihtonnen an. Nur diese und keine anderen Tonnen würden geleert. Bördner begründet dies mit Mitarbeiterschutz. So habe es schon Arbeitsunfälle mit defekten Fremdtonnen gegeben.

Darum werde bei Gelben Tonnen mittlerweile verstärkt darauf geachtet, ob es auch offizielle Bördner-Tonnen seien. Jörg Sauer meint dazu: "Der Landkreis ist leider nicht originär für die Entsorgung von Verpackungen zuständig". Dies werde, da der Kreis Rest- und Biomüll sowie Kompost entsorge und verwerte, in der Öffentlichkeit oft jedoch falsch wahrgenommen. Mit der Verpackungsverondung1992 habe der Gesetzgeber unter anderem die Frage der Verwertung von Verpackungen quasi privatisiert". Das Duale System und die beauftragten Unternehmen schlössen auch die Verträge mit den Firmen, die die Abholung organisierten.

Jörg Sauer: "Wenn also die von den DS beauftragte Firma Bördner neben den Gelben Säcken gegen Entgelt auch Gelbe Tonnen anbietet, darf sie das privatwirtschaftlich tun und kann nicht verpflichtet werden, andere Gelbe Tonnen mitzunehmen". Das liege - genauso wie die Qualität der Gelben Säcke - nicht in der Hand des Kreises. Es gibt aber laut dem Kreis-Umweltdezernenten eine Möglichkeit, etwas zu verändern: "Wir schließen in mehrjährigen Abständen mit den Dualen Systemen sogenannte Rahmenvereinbarungen ab, in denen wir gemeinsam aushandeln, was uns wichtig ist und was die DS akzeptieren". Derzeit stehe der Kreis mitten in diesen Verhandlungen mit den Dualen Systemen.

Dabei gehe es um die Papier- und Glasentsorgung - und verwertung, aber auch die Verpackungen. "Für unseren Landkreis habe ich als System die alternative Einführung der Gelben Tonne vorgeschlagen, was auch der Beschlusslage des Kreistages entspricht", sagte Sauer. Er sei zuversichtlich, noch im Jahre 2020 bzw. spätestens im ersten Quartal 2021 die Verhandlungen abschließen zu können. Sauer hofft, dass die Dualen Systeme in den dann folgenden Ausschreibungen die Wünsche des Landkreises berücksichtigen werden. (Von Robin Klöppel)

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