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Hünfelden: Was aus einem Fußballspiel vor 50 Jahren entstanden ist

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Die "Väter" der Partnerschaft zwischen Hünfelden und Freunde fürs Leben: Otto Döhrn (links) aus Kirberg und Eugène Boncoeur bei einem Treffen in Le Thillay im Jahr 2018.
Die "Väter" der Partnerschaft zwischen Hünfelden und Freunde fürs Leben: Otto Döhrn (links) aus Kirberg und Eugène Boncoeur bei einem Treffen in Le Thillay im Jahr 2018. © Ursula Königstein

Partnerschaft mit Le Thillay besteht offiziell seit 40 Jahren

Hünfelden -"Im Namen der Bevölkerung der Gemeinden Le Thillay und Hünfelden geloben die Bürgermeister Jean Blandin und Erich Valeske, ständige Bande zwischen den kommunalen Körperschaften und den Verwaltungen ihrer Gemeinde zu knüpfen und auf allen Gebieten den Austausch zwischen den Einwohnern zu fördern, um wahre Freundschaften zu begründen. Durch ein besseres gegenseitiges Verstehen wollen wir dazu beitragen, das Gefühl der europäischen brüderlichen Verbundenheit zu vertiefen und wachzuhalten. Wir wollen in gemeinsamen Bestrebungen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dem Verständnis unter den Völkern und der Wahrung des Friedens in der Welt dienen."

Als die beiden Bürgermeister und ihre jeweiligen Vertreter Jean Lafitte und Fritz Stauf am 29. Mai 1982 in Hünfelden und am 11. Juni in Le Thillay ihre Unterschriften unter die Verschwisterungsurkunde setzten und damit offiziell die Partnerschaft zwischen den beiden Gemeinden begründeten, bestand die Verbindung zwischen der deutschen und der französischen Kommune bereits ein ganzes Jahrzehnt. Denn so lange pflegten bereits der Turn- und Sportverein (TSV) Kirberg und die Fußballer der Étoile Sportive von Le Thillay und mit ihnen weitere Gruppierungen der Vereine und Leute aus beiden Orten freundschaftliche Beziehungen.

Das Doppeljubiläum der 50-jährigen deutsch-französischen Freundschaft und der 40-jährigen Partnerschaft der beiden Kommunen wird am Pfingstwochenende in Le Thillay gefeiert. Außer der Gruppe der Hünfeldener Radfahrer, die am Freitagabend in Frankreich eintreffen sollte, wird dazu eine gut 40-köpfige Delegation aus Hünfelden mit Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos) an der Spitze, die in ihrer Amtszeit keine Fahrt nach Le Thillay versäumt hat, mit dem Bus anreisen.

Das erste Treffen der beiden "Väter"

Es war im November 1971, als Lutz Remmler bei einer privaten Feier Otto Döhrn von einem französischen Freund und einem Fußballverein aus Le Thillay, einem Dorf in der Nähe von Paris, erzählte und fragte, ob der TSV einmal gegen den französischen Verein spielen wolle. Nach lebhafter Diskussion über Für und Wider stimmte die Mannschaft schließlich einem Freundschaftsspiel zu, das an Pfingsten des folgenden Jahres ausgetragen werden sollte und mit dem, wie die Zukunft zeigte, der Grundstein für die mittlerweile fünf Jahrzehnte währende deutsch-französische Freundschaft und die 40-jährige Partnerschaft der beiden Gemeinden gelegt wurde.

Samstags spielte die französische Mannschaft noch in Wiesbaden-Sonnenberg, wo Otto Döhrn zusammen mit Albrecht Crecelius zum ersten Mal auf den Organisator Eugène Boncoeur und dessen Frau Annie traf, zugleich der Beginn einer Freundschaft fürs Leben. Am Morgen des Pfingstsonntags wurden die französischen Gäste vom Ersten Beigeordneten Hermann Schäfer und dem TSV-Vorsitzenden Fritz Stauf willkommen geheißen, ehe sie zum ersten Kennenlernen und Mittagessen bei Kirberger Familien eingeladen waren. Das nachmittägliche Fußballspiel verloren die Gäste zwar haushoch mit 1:12, aber das tat der guten Stimmung keinen Abbruch, und nach einem wunderbaren Abend bei Musik und Tanz in der Turnhalle luden die Franzosen ihre neuen Kirberger Freunde für das kommende Jahr nach Le Thillay ein - nicht nur der sportlichen Revanche wegen.

Weil inzwischen Lutz Remmler unbekannt verzogen war, ohne Anschrift und Kontaktdaten zu hinterlassen, fuhr Otto Döhrn im Frühjahr 1972 auf gut Glück nach Le Thillay und fragte sich "mit Händen und Füßen" zu Eugène Boncoeur durch, um mit ihm das Rückspiel für Pfingsten zu verabreden und die Reise zu organisieren, die durch die besondere Gastfreundschaft der Franzosen und nicht zuletzt auch wegen des gemeinsamen Ausflugs in die französische Hauptstadt ein ganz besonderes Erlebnis wurde.

Besuche immer zu Pfingsten

Zwar vergaß der TSV-Vorsitzende im Trubel des Abschieds die offizielle Einladung zum Gegenbesuch in Kirberg im folgenden Jahr, doch die war sowieso nicht mehr nötig, denn die Fußballer und ihre Familien hatten sich längst fest verabredet. Bis heute wechseln Jahr für Jahr die gegenseitigen Besuche zu Pfingsten. Hinzu kommen Besuche auch außerhalb des Sports, etwa von anderen Vereinen, Jugendgruppen oder Senioren und einige Zeit auch der Schulen. Darüber hinaus gibt es über all die Jahre private Besuche und Einladungen zu Familienfeiern.

Ob dieser immer enger werdenden Verbindungen, die inzwischen auch weitere Gruppierungen umfassten, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Frage nach einer offiziellen Partnerschaft zwischen den beiden Kommunen stellte. Bei einem der Besuche in Le Thillay führte der damalige Bürgermeister Erich Valeske, ein großer Freund und Förderer der deutsch-französischen Begegnungen, mit seinen Kollegen Jean Lafitte und Jean Blandin die vorbereitenden Gespräche für die Gemeindepartnerschaft, die dann 1982 besiegelt wurde.

Friedensfahrt mit dem Fahrrad

Zur feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden wollten Otto Döhrn, Wilfried und Vinzenz Zohner, Michael Kuhlisch, Klaus Pollak, Walter Stellwag, Helmut Lorei, Manfred Reusch, Udo Grund, Roland Fahrner und Klaus Becker ein besonderes Zeichen für die Aussöhnung mit Frankreich und den Frieden setzen und gleichzeitig zeigen, wie sehr ihnen die Partnerschaft am Herzen liege. Sie organisierten eine kleine "Tour de France" und Friedensfahrt per Rad nach Le Thillay. In diesem Sinne war es für sie selbstverständlich, die an der Route gelegen Soldatenfriedhöfe zu besuchen und der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft zu gedenken. Eine besondere Geste der Versöhnung und des Friedens zeigte auch ein früherer Bürgermeister von Le Thillay, Georges Delhalt, dessen Eltern von den Nazis ermordet worden waren, indem er in Kirberg einen Kranz niederlegte.

Längst geht die Partnerschaft weit über Fußball hinaus. Seit 1999 werden zum Beispiel regelmäßig Jugendfreizeiten organisiert, werden gegenseitig Feste und Feiern der Vereine besucht. Bei der 650-Jahr-Feier von Kirberg waren die Freunde aus Le Thillay mit einer großen Gruppe und einem Festwagen vertreten, und auch beim Winterzauber gibt es einen eigenen Stand des Partnerschaftskomitees aus Le Thillay. Manche Besucher kommen dann eigens wegen der französischen Spezialitäten und vor allem der Austern, die dort angeboten werden. Und da ist noch der Téléthon, eine frankreichweite Wohltätigkeitsaktion in der Vorweihnachtszeit, deren Erlös zur Erforschung seltener Krankheiten und der Unterstützung behinderter Menschen dient. Vereine und Gruppen aus Le Thillay organisieren zu dieser Gelegenheit einen Aktionstag mit einem bunten Programm und vielen Aktivitäten zum Mitmachen in Sporthalle. Seit 2006 ist eine Gruppe des TSV mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde dabei mit einem Stand vertreten und verkauft Kartoffelpuffer mit Apfelmus und Glühwein für den guten Zweck.

Wie immer seit Bestehen der Freundschaft sind die Besucher aus Hünfelden an diesem Pfingstwochenende in Gastfamilien untergebracht, mit denen zusammen sie den ersten Nachmittag und Abend verbringen, während Jugendspieler und Betreuer einen Ausflug nach Paris machen. Am Pfingstsonntag geht es zum Picknick in den Park. Die Jugendfußballer bestreiten am Nachmittag sowie am nächsten Morgen ihre Spiele. Am Sonntagabend finden sich Gastgeber und Gäste zur Jubiläumsfeier mit Abendessen und Tanzparty im Gemeindezentrum ein, ehe es am Nachmittag des Pfingstmontags heißt, Abschied zu nehmen.

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