Die Erste Mannschaft im Jahr 1948. Hinten von links: Lothar Dörner, Robert Göltl, Heinz Wolf, Helmut Crecelius, Max Schmid, Albert Kees, Ernst Weinmann, Heinz Schmid. Vorne: Hans Schönbeck, Horst Eckel und Alfons Klart. fotoS: PRIVAT
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Die Erste Mannschaft im Jahr 1948. Hinten von links: Lothar Dörner, Robert Göltl, Heinz Wolf, Helmut Crecelius, Max Schmid, Albert Kees, Ernst Weinmann, Heinz Schmid. Vorne: Hans Schönbeck, Horst Eckel und Alfons Klart. fotoS: PRIVAT

TSV Heringen

Hünfelden: Aus zwei Vereinen wurde einer

  • vonGundula Stegemann
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Eine kleine Serie zur Historie des Turn- und Sportvereins aus Heringen: Von 1945 bis 1974

Hünfelden - Erste zaghafte Versuche des Turnvereins, nach der Katastrophe einen Neubeginn zu wagen, datieren aus dem Jahr 1948. In insgesamt fünf Sitzungen versuchte der Vorstand, die Vereinstätigkeit zu reorganisieren. Die Turnhalle war reparaturbedürftig, Hallenboden und Hallendach stark beschädigt, sodass Veranstaltungen nur unter ungünstigsten Bedingungen durchgeführt werden konnten. Dennoch beschloss man, in Zukunft wieder Stiftungsfeste zu organisieren. Unter Turnwart Albert Knoll gelang der Aufbau einer Jungen- und Mädchenriege. Der erste Schritt war getan.

Am 27. Mai 1951 ging eine Ära zu Ende: Nach über 30-jähriger Vorstandstätigkeit gab Wilhelm Christian Conrad den Vereinsvorsitz an seinen Stellvertreter Wilhelm Hepp ab. Mit Conrad, der 1955 zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, verlor der Verein einen seiner besten Männer. Bei seinem Ausscheiden konnte er auf stolze 52 Jahre Mitgliedschaft, davon 31 Jahre als Vorsitzender, zurückblicken.

In der allmählich wieder hergestellten Turnhalle wurden wieder regelmäßige Turnstunden abgehalten. Und unter dem Eindruck des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs schien auch der Turnverein zur Normalität zurückzukehren. Doch seit Kriegsende war er nicht mehr der einzige Sportverein in Heringen: Der Fußballsport hatte einen neuen Verein hervorgebracht, den SV Heringen.

So fasste die Generalversammlung den Beschluss, dass Tischtennis mittwochs nach der Turnstunde gespielt werden durfte. Damit öffnete sich der traditionelle Turnverein anderen Sportarten, wenngleich widerwillig. Und weitere acht Jahre vergingen, ehe eine Tischtennismannschaft den Spielbetrieb aufnehmen konnte.

Die 50er Jahre waren geprägt von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder, auch in den dörflichen Regionen. Ein neues Lebensgefühl setzte sich durch, das auch in einem geänderten Freizeitverhalten seinen Ausdruck fand. Für die Jugend war ein neues Zeitalter angebrochen: Musikbox statt Volkslied, Motorradfahren statt Wandern, Fußballspielen statt Turnen.

Fußball war groß im Kommen

Der Turnverein hatte dieser Jugendbewegung nur sein traditionelles Festhalten an den Ideen der Gründerzeit entgegenzusetzen. Zwar gelang es Albert Knoll als Turnwart Mitte der 50er Jahre noch einmal, leistungsfähige Jungen- und Mädchenriegen aufzubieten, die auch bei Bergfesten in Hahnstätten und Mensfelden Erfolge in der Leichtathletik erzielten, doch die Zeit, in der das Geräteturnen die Sportjugend begeistern konnte, ging unwiderruflich zu Ende. Die Stiftungsfeste waren die einzigen Sportveranstaltungen, die dem Turnverein geblieben waren, doch auch sie verloren mit der Zeit an Attraktivität, denn die Fußballturniere in der Hardt, die der Sportverein ausrichtete, liefen ihnen den Rang ab. 1959 nahmen die Tischtennisspieler den Spielbetrieb auf, und 1960 wurde Rudi Schwarz zum ersten Sport- und Spielwart gewählt.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch keiner im Vorstand, dass sich die Tischtennissportler binnen weniger Jahre zur erfolgreichsten Abteilung im Turnverein entwickeln würden. Aber auch die Wahl von Dieter Dankof zum Turnwart nährte noch einmal die Hoffnung auf eine Reaktivierung der Männerturnriege. Mit Rudi Schwarz und Dieter Dankof standen zwei junge Männer an der Spitze des Vereinssports, die nicht mehr der Generation der Gründerzeiten angehörten. Der erste Schritt zu einem Strukturwandel des Vereins war getan.

Am 18. März 1966 vollzog sich der Generationswechsel auch im Vorstand. Der Vorsitzende August Crecelius, der seit dem Tod von Wilhelm Hepp im Jahre 1957 den Verein führte, repräsentierte bis 1966 den Turnverein alter Prägung. Mit ihm und seinen Mitstreitern Wilhelm Hofmann und Karl Rau traten jene Männer in das zweite Glied zurück, die den Turnverein über Jahrzehnte hinweg mit geprägt hatten. Mit ihrem Ausscheiden leiteten sie den längst fälligen Erneuerungsprozess ein, der den Turnverein in eine neue Ära führte.

Willi Schöffler neuer Vorsitzender

Die Jahreshauptversammlung wählte Willi Schöffler zum neuen Ersten Vorsitzenden, August Crecelius wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Mit Schöffler stand nun ein Mann an der Spitze des Vereins, der behutsam aber zielstrebig Reformen durchsetzte und es verstand, die inneren Kräfte der Turngemeinschaft wiederzubeleben. Als eine der wichtigsten Aufgaben sah Schöffler die Intensivierung der Jugendarbeit an. Unter seiner Führung übernahmen geschulte Übungsleiter das Schüler- und Jugendturnen. Die Tischtennisabteilung erhielt einen qualifizierten Übungsleiter und eine weitere Abteilung wurde ins Leben gerufen: Mit Elisabeth Fencel als Abteilungsleiterin und Willi Frey als Übungsleiter schlossen sich 22 Frauen zur sogenannten Hausfrauenabteilung zusammen. Mit diesen organisatorischen Veränderungen im Vereinsleben wurde der Gemeinschaftsgeist neu belebt, man war wieder "wer".

Auch sportlich stellten sich wieder Erfolge ein: Die erste TT-Mannschaft wurde erstmals Meister der Kreisklasse B, und Karl Reinhardt erweiterte seine Kinderturngruppe um eine Leistungsriege. Die noch junge Gymnastikabteilung errang bei den Gaualterstreffen 1972 bis 1975 ausnahmslos den ersten Platz. Aber nicht nur sportlich erlebte der Turnverein seine beste Zeit nach dem Krieg. Auch für die Geselligkeit wurde einiges getan. Der regelmäßig veranstaltete Vereinswandertag ließ die Vereinsfamilie enger zusammenwachsen. 1973 wurde eine mehrtägige Skifreizeit für die Vereinsjugend organisiert, und auf den Gaufesten war man wieder mit einer großen Schülergruppe vertreten, wo man gemeinsame Zeltlager erlebte. Höhepunkt der Vereinsveranstaltungen waren die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen. Vom 16. bis 18. Mai 1970 feierte man in der restaurierten Turnhalle. Willi Schöffler zeichnete beim Festkommers die Mitglieder August Scheid, Karl Rau, Karl Hofmann und Wilhelm Louis Heckelmann für 50-jährige Mitgliedschaft und Karl Pfeiffer, Albert Knoll, Emil Kübeler, Richard Jakoby, Wilhelm Dielmann (Gastwirt), Wilhelm Dielmann (Metzger), Alwin Seel, August Dörner, Rudy Baum und Alwin Kübeler für 40-jährige Vereinstreue aus. Nach der Durststrecke der 50er und 60er Jahre hatte der Turnverein wieder zu seinem rechten Platz in der Heringer Vereinsfamilie zurückgefunden.

1972 lag der Generalversammlung ein Antrag vor, den Zusammenschluss von Turn- und Sportverein herbeizuführen. Viele junge Sportler waren zu diesem Zeitpunkt sowohl im Turn- als auch im Sportverein. Ein Zusammenschluss beider Vereine schien somit ein Gebot sportlicher und ökonomischer Vernunft. Die Mitglieder stimmten diesem Antrag einstimmig zu, sodass auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 7. Juni 1973 eine Satzungsänderung beschlossen wurde, die es dem Sportverein ermöglichte, dem Turnverein beizutreten. Die Weichen für einen gemeinsamen Heringer Sportverein waren somit gestellt. Nach zum Teil schwierigen Verhandlungen kam es am 21. Juli 1974 zum Zusammenschluss von Turn- und Sportverein. So begann ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Turnvereins.

Gundula Stegemann

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