Ein Rotmilan wurde Opfer der Windräder im Kreis Limburg. (Symbolbild)
+
Ein Rotmilan wurde Opfer der Windräder im Kreis Limburg. (Symbolbild)

Windkraft-Kontroverse

Streng geschützter Greifvogel von Windrad geköpft – Gegner der Anlage schlagen Alarm

  • vonChristopher Kahl
    schließen

Im Kreis Limburg-Weilburg sorgt ein toter Rotmilan für Ärger. Dabei geht es auch ganz allgemein um die Energiegewinnung mit Windkraft.

  • Bis 2030 sollen laut Bundesregierung 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen.
  • Gegner der Windkraft betonen die Gefährdung von Tieren durch die Anlagen.
  • Im Kreis Limburg-Weilburg sind vor allem Greifvögel von den Windkraftanlagen bedroht.

Kreis Limburg-Weilburg – Windkraftanlagen polarisieren in Deutschland und der heimischen Region – es gibt Befürworter und Gegner. Von regenerativen Energiequellen und Klimaschutz reden die Fürsprecher, von der Verschandelung der Landschaft und der Bedrohung von Tier- und Pflanzenwelt die Windkraftgegner. Ziel der Bundesregierung ist es aber, 2030 mindestens 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu beziehen.

Kreis Limburg-Weilburg: Windkraft als Schlüsseltechnologie

Carsten Jansing aus Niederneisen, Direktkandidat von Bündnis 90/Die Grünen Rhein-Lahn für die Landtagswahl 2021, kennt die Diskussion und sieht die Windkraft im Rahmen der erneuerbaren Energien als Grundvoraussetzung für den Umweltschutz. "Die Windkraft liefert CO2-frei Energie. Unser gesamtes Energiesystem, Verkehr, Strom, Heizung und Industrie muss CO2-frei werden, um einen weiteren ungebremsten Temperaturanstieg zu vermeiden", gibt er zu Protokoll. Windkraft bezeichnet er dabei als Schlüsseltechnologie. 

"Im vergangenen Jahr lieferten die Windkraftanlagen 132 Milliarden kWh Strom, sind damit die Nummer 1 unter den Technologien", so Jansing weiter. "Insgesamt wurden so 86,5 Millionen Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre geblasen", so der Grünen-Politiker. "Nur wenn die gesamte Energieversorgung in den nächsten Jahren auf erneuerbare Energien umgestellt wird, kann eine Klimakatastrophe verhindert werden. Ohne Windkraft geht dies nicht", ist er sich sicher. Umweltschutz sei nur möglich, wenn die Klimakatastrophe verhindert wird. "Ich sehe deshalb keinen Konflikt zwischen Umweltschutz und Windkraft".

Ein Blick auf eines der Windräder im Kirberger Wald im Kreis Limburg-Weilburg. Das Windkraft-Projekt ist hochumstritten.

Verschandelung der Landschaft im Kreis Limburg-Weilburg?

Naturschützer, Windkraftgegner und Anwohner klagen aber oftmals, Genehmigungsverfahren für Windparks ziehen sich daher immer öfter in die Länge. Schenkt man deutschen Studien Glauben, so sind mehr als 75 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Energiewende - aber bloß nicht vor der eigenen Haustür...

Zu den Gegnern der Windkraft zählt beispielsweise Harry Rollig, Vorsitzender des Vereins "BOW - Burgschwalbach ohne Windkraft", der neben der Verschandelung der Landschaft den Artenschutz anführt und vor einigen Tagen auf einen geköpften roten Milan im Kirberger Wald aufmerksam gemacht wurde. "Bei einem Spaziergang entdeckte die Bürgerin aus Kaltenholzhausen das Tier ohne Kopf direkt unterhalb des Mastes vom mittleren Windrad im Kirberger Wald. Da der Tierkörper noch komplett vorhanden war, kann der Vorfall nicht lange her gewesen sein", erklärt er.

Mehr tote Greifvögel durch Windräder im Kreis Limburg-Weilburg befürchtet

Rollig befürchtet weitere tote und verletzte Greifvögel. "Das war wohl leider erst der Anfang der Vernichtung von streng geschützten Vögeln", klagt er und verweist auf seine Maßnahmen zum Artenschutz in der heimischen Region. Rollig ist verärgert, da keine Umweltverträglichkeitsprüfung durch das hessische Regierungspräsidium in Gießen stattfand - trotz einer 22-seitigen Stellungnahme des BoW im Jahr 2018 zum Genehmigungsverfahren des Hünfeldener Windparks.

"Darin wurde unter anderem auf den Naturschutz und die streng geschützten Rotmilane hingewiesen", sagt Rollig. Das umfassende Dokument sei von der hessischen Behörde seinerzeit als "nicht einspruchsberechtigt" abgewiesen worden. Umso tragischer sei es, dass Rollig sich nun durch den ersten toten Rotmilan bestätigt sieht.

Auswirkung der drei Windkraft-Anlagen im Kreis Limburg-Weilburg

"Speziell für Greifvögel wird in den Gemarkungen Kaltenholzhausen und Burgschwalbach seit Herbst 2019 ein Ganzjahres-Monitoring durchgeführt", erklärt Rollig weiter. Damit werden Ist-Zustand und Veränderungen avifaunistisch erfasst - eine Dokumentation ist in Vorbereitung. Dies erfolgt insbesondere im Hinblick auf die möglichen Naturauswirkungen der drei neu erstellten Windkraftanlagen an der hessisch-rheinland-pfälzischen Landesgrenze im Kirberger Wald.

Auch Windkraftgegner in Villmar im Kreis Limburg-Weilburg sind verärgert, denn eine Aktion des Windkraft-Projektierers UKA Meißen wurde genehmigt.

  • Christopher Kahl
    schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare